Exklusiv: Risiko Turnaround

Monte Carlo für Ingenieure: So geht Risikomanagement im Turnaround

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Von Piloten lernen

Turnaround-Teams müssen wie Piloten denken: So wie die meisten Unfälle bei Start und Landung eines Flugzeuges geschehen, seien das An- und Abfahren der Anlage die kritischsten Momente im Turn- around, erklärte Dr. Georg Karl, Produktionsleiter der Bayernoil.

Zwar entfielen auf diese Phasen nur etwa 30 % der Dauer eines typischen Anlagenstillstands, ihre Bedeutung hingegen könne kaum unterschätzt werden: „Das An- und Abfahren hat wesentlichen Einfluss auf den Stillstandserfolg“, so Karl.

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Dabei seien Chancen und Risiken keineswegs gleichmäßig verteilt: Während die Außerbetriebnahme einer Produktionsanlage Potenzial zu Optimierung und Verbesserung bietet, ist die Wiederinbetriebnahme die „vielleicht kritischste Phase im gesamten Turnround“. Lässt sich eine Anlage nicht oder nur verzögert in Betrieb nehmen, war alle zuvor geleistete Arbeit vergeblich. Zudem entsprechen Produkte, die während An- und Abfahrzeiten entstehen, häufig nicht den vereinbarten Spezifikationen. Solche „Off-Spec- Produkte“ können nicht vermarktet werden und belasten den Anlagenbetreiber zusätzlich. Auch deswegen müssen diese Phasen möglichst kurz gehalten werden. Besonders Prozesstechnik und Logistik hätten hierzu wesentliche Hebel in der Hand, erklärte Kroll.

Glücksspiel Turnaround? Besser nicht!

Und wenn alles nicht hilft, muss die Schere angesetzt werden: Häufig nutzen Firmen Stillstände um gleichzeitig Optimierungsmaßnahmen oder Investitionsprojekte durchzuführen. Wer aber alles auf eine Karte setzt, gewinnt nicht immer: Kommt eine Analyse im Vorfeld zu dem Schluss, dass zusätzliche Baumaßnahmen ein Erreichen der Meilensteine unwahrscheinlich machen, verpufft der Synergieeffekt. Da kann es besser sein, den Scope zu reduzieren und eventuell zusätzliche Projekte abzusagen.

Erfolgreich sei nicht, wer hundertprozentige Garantien biete, sondern wer Chancen und Risiken intelligent managen könne, waren sich die Spezialisten einig. Analysemethoden wie Monte-Carlo können helfen, Terminplanschwachstellen im Vorfeld zu identifizieren. Und nicht nur das: Wer Projekte detailliert erfasst, spürt nicht nur Fallstricke auf, sondern kann auch die Eintrittswahrscheinlickeit bestimmter Szenarien ermitteln. „Wir sprechen immer nur über Risiken – dabei gehört zum Stillstandsmanagement auch das Erkennen von Chancen“, gibt Berater Gert Müller zu bedenken. Ein bisschen Glück ist eben doch im Spiel.

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