Agentic AI, autonome Roboter, offene Standards – Anlagen müssen in Zukunft anders betrieben, gewartet und optimiert werden. Doch wie gelingt diese Transformation? Antworten und Praxisbeispiele liefert der diesjährige Smart Process Manufacturing Kongress.
Die Besucher (im Bild: Wilfried Grote) beteiligen sich aktiv an den Fragerunden nach den Präsentationen.
(Bild: Stefan Bausewein)
Wahrscheinlich war der Druck auf die Prozessindustrie nie so hoch wie heute, fast täglich wächst die Liste der Anforderungen – mehr Effizienz, mehr Resilienz und mehr Nachhaltigkeit. Ohne digitale Transformation lässt sich diese Fülle an Aufgaben kaum umsetzen. Doch der Weg dorthin ist mühsam, insbesondere für die Prozessindustrie mit proprietären Leitsystemen und gewachsenen Automatisierungsarchitekturen. Für die gewünschte nahtlose grenzenlose Konnektivität des 21. Jahrhunderts fehlt ihnen häufig die Flexibilität. Brownfield-Integration, Datensilos und fehlende Interoperabilität zwischen Herstellern und Systemen bremsen zudem.
Zumal eine solche digitale Transformation kein Projekt der IT-Abteilung allein ist, sondern häufig mit einem Strategiewechsel in den Unternehmen verbunden ist. Dies bietet viel Raum für Diskussionen und wo ließe sich besser über Chancen und Herausforderungen der digitalen Transformation diskutieren als auf dem diesjährigen Smart Process Manufacturing Kongress. Bereits zum 16. Mal bringt PROCESS die führenden Digitalisierungsköpfe der Prozessindustrie zusammen. Das Ergebnis sind lösungs- und praxisorientierte Anwendungsbeispiele, die helfen, schneller, besser und effizienter bei der Umsetzung der digitalen Transformation zu werden.
Als Keynote-Speaker konnte Daniele Iacovelli, EVP und Global Head Roche Digital Technology Pharma Medicines gewonnen werden. Das Unternehmen verbindet digitale Transformation und operative Exzellenz und verliert dabei den Menschen nicht aus dem Blick. Mit den Übernahmen von Flatiron Health und Foundation Medicine hat sich Roche zum datenreichsten Pharmaunternehmen der Welt entwickelt. Werden diese Datensätze intelligent mit Behandlungsergebnissen aus der realen Welt verknüpft, entsteht eine perfekte Basis für KI-Anwendungen. Anwendungen finden sich in der Wirkstoffforschung, der klinischen Entwicklung und dem Diagnostikbereich. Doch auch die Herausforderungen sollen nicht verschwiegen werden, wie regulatorische Validierungsanforderungen, Datenqualität, Datenschutz sowie der kulturelle Wandel im Unternehmen.
Agentic AI – die nächste Evolutionsstufe generativer KI
Auch in diesem Jahr erwarten die Fachbesucher spannende Vorträge rund um die digitale Transformation.
(Bild: Stefan Bausewein)
In den vergangenen Jahren hat generative KI eindrucksvoll demonstriert, was möglich ist, wenn Sprachmodelle auf industrielle Domänendaten treffen: Bedienungsanleitungen werden sekundengenau durchsucht, Störungsberichte automatisch analysiert, Prozessparameter auf Knopfdruck erklärt. Die nächste Entwicklungsstufe steht schon in den Startlöchern. Agentic AI reagiert nicht nur auf Anfragen, sondern verfolgt eigenständig Ziele, erstellt Pläne und führt mehrschrittige Aufgaben aus – mit Zugriff auf Werkzeuge, Datenquellen und Steuerungsschnittstellen. In der Prozessindustrie bedeutet das: Ein KI-Agent erkennt eine sich ankündigende Abweichung im Reaktor, schlägt nicht nur Gegenmaßnahmen vor, sondern koordiniert deren Umsetzung über mehrere Systeme hinweg – von der Prozessleittechnik über das Wartungsmanagement bis zur Logistik. Er kommuniziert dabei im natürlichen Dialog mit dem Schichtführer und dokumentiert seine Schritte lückenlos.
Damit lassen sich wissensintensive Entscheidungen, die heute von Experten getroffen werden, skalieren. Routineaufgaben in der Prozessüberwachung, im Energiemanagement oder in der Qualitätssicherung werden beschleunigt. Gleichzeitig stellen sich neue Fragen: Wie viel Autonomie ist sinnvoll? Wie werden Agenten sicher eingebettet? Wo verlaufen die Grenzen? Der Smart Process Manufacturing Kongress verspricht genügend Raum, um über diese Lösungen zu diskutieren.
Smart Process Manufacturing Kongress am 21. Oktober 2026
Der Leitkongress für Digitalisierung in der Prozessindustrie
Der Smart Process Manufacturing Kongress bringt 2026 bereits zum 16. Mal die führenden Digitalisierungsköpfe der Prozessindustrie zusammen. Der Kongress präsentiert lösungs- und praxisorientierte Anwendungsbeispiele, die helfen, schneller und effizienter zu werden. Lernen Sie von und diskutieren Sie mit den Besten der Branche über Chancen und Herausforderungen der digitalen Transformation in der Prozessindustrie.
Offene Standards & Interoperabilität sind das Fundament
Keine KI, kein Roboter, keine digitale Plattform kann ihr volles Potenzial entfalten, wenn die Daten, auf die sie angewiesen sind, in geschlossenen Systemen gefangen bleiben. Interoperabilität ist daher die entscheidende Voraussetzung für eine wirklich durchgängige digitale Transformation in der Prozessindustrie. Und hier hat sich in der Prozessindustrie einiges getan, wie OPC UA als De-facto-Kommunikationsstandard in der Automatisierung, NAMUR Open Architecture (NOA) als konzeptioneller Rahmen für die sichere Öffnung von Prozessleitsystemen, sowie Module Type Package (MTP) für die herstellerunabhängige Integration modularer Anlagen.
Stand: 08.12.2025
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Zwischen Datenräumen und Datenaustausch: Impressionen zum ersten SPM-Kongresstag
Auch die Vorteile eines digitalen, auf einem Informationsmodell basierenden, Engineerings gegenüber dem „klassischen“, auf analogen Verfahrensfließbildern (PFD) und Rohrleitungs- und Instrumentierungsfließbildern (P&ID) basierenden Engineering, wurden mittlerweile von vielen Beteiligten erkannt. Nutzt man standardisierte Informationsmodelle basierend auf DEXPI 2.0 über den gesamten Lebenszyklus der Anlagen ist ein eine bis zu 40 Prozent gestiegene Effizienz im Engineering, zwischen 10 bis 30 Prozent schnellere Planung und deutliche Verbesserung der Datenqualität und damit weniger Nacharbeit beim Bau der Anlagen möglich. DEXPI e.V. unterstützt bei der Anwendung digitalen Engineerings und der Harmonisierung dieser Informationsmodelle über den Lebenszyklus. Spannende Einblicke in die aktuellen Entwicklungen rund um Informationsmodelle verspricht ein eigener Vortragsblock.
KI, Kollaboration & Know-how: Impressionen zum zweiten SPM-Kongresstag
Denn gerade im Hinblick auf die Datenintegration gibt es noch einiges zu tun. So finden einige Planungsprozesse heute noch weitgehend unabhängig voneinander statt. Insbesondere die integrierte Betrachtung von Gebäudeausrüstung und Anlage findet kaum Berücksichtigung. Dies führt zu Planungsfehlern und erschwert eine integrierte Betrachtung der Energiesysteme für die Sektorkopplung. Eine Ergänzung der Gebäude-Domäne um Anlagenmodelle oder umgekehrt führt zu unnötig komplexen Modellen. Dabei lassen sich die Standards IFC und DEXPI längst integrieren und für die Variantenplanung sowie Risiko- und Fehleranalyse aufbereiten und nutzen.
Neue Augen und Hände in der Chemieanlage
Chemieanlagen, Raffinerien und Biogasanlagen gehören zu den anspruchsvollsten Arbeitsumgebungen überhaupt: Druckbehälter, korrosive Medien, enge Rohrleitungssysteme, Ex-Schutzzonen und extreme Temperaturen. Regelmäßige Inspektionen sind zwingend notwendig – für Sicherheit, Compliance und vorausschauende Instandhaltung. Doch sie kosten Zeit, erfordern teure Anlagenstillstände und setzen Menschen Risiken aus.
Präsentieren Sie Ihr Wissen beim Smart Process Manufacturing Kongress
Wir suchen Expertinnen und Experten, die ihr Wissen dem Fachpublikum weitergeben möchten. Bewerben Sie sich bis mit einem Abstract als Speaker für den Smart Process Manufacturing Kongress und werden Sie Teil der Community.
Autonome Roboter und drohnenbasierte Systeme können hier unterstützen. Sie liefern visuelle, thermische und akustische Daten, erkennen Korrosionsstellen, Leckagen oder strukturelle Anomalien mit einer Präzision, die menschliche Inspektoren kaum erreichen können – und das rund um die Uhr, ohne Sicherheitsrisiko. Doch die Einführung autonomer Robotik in regulierten, sicherheitskritischen Umgebungen ist kein triviales Unterfangen. Zertifizierungsanforderungen, Integration in bestehende Instandhaltungsprozesse, Datensouveränität und die Akzeptanz der Belegschaft sind entscheidende Erfolgsfaktoren. Der Kongress beleuchtet reale Implementierungen aus der Chemieindustrie und zeigt, welche Technologien produktionsreif sind und welche Investitionen sich kurz- und mittelfristig rechnen.
Ausblick: Zugegeben, der Weg zur digitalen Transformation ist nicht immer ganz einfach und es gibt viele offene Fragen. Allerdings gibt es derzeit wohl kaum ein spannenderes Technologiefeld. Lassen Sie sich daher von den Vorträgen und spannenden Begegnungen auf dem Smart Process Manufacturing Kongress inspirieren. Wir sehen uns im Oktober im Vogel Convention Center in Würzburg!