Kunststoff-Rohre und Armaturen Kunststoff kommt von Können: Was kann „Plastik“ in der Fluidik?

Von Dominik Stephan

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Es muss nicht immer Edelstahl sein: Tatsächlich haben Kunststoffrohre eine ganze Reihe von Vorzügen, die auch Chemieanwender interessieren dürften. Spätestens, wenn komplette Fluidiksysteme vom Ventil bis zum Sensor aus Kunststoff hergestellt werden, dürften auch Metall-Fans ins Grübeln kommen.

"Der einfachste – und für unsere Industriekunden überzeugendste Pitch – ist aber immer das Thema Energie", erklärt Joost Geginat, Präsident von GF Piping Systems.
"Der einfachste – und für unsere Industriekunden überzeugendste Pitch – ist aber immer das Thema Energie", erklärt Joost Geginat, Präsident von GF Piping Systems.
(Bild: GF Piping Systems)

"Plastik" scheint nicht besonders nachhaltig – und doch soll das Material umweltbewusste Betreiber überzeugen. Und das nicht etwa in Nischenanwendungen, sondern da, wo Medien fließen, und Stoffströme geregelt werden: In der Fluidik.

Wasserexperten und Häuslebauer kennen Rohrleitungen und Hähne aus Kunststoff schon länger. Leicht und langlebig ist die Plastik-Röhre – das Mittel der Wahl für viele Wasser-Anwendungen. Aber was ist mit der Chemie? Sind die vielen aggressiven Medien und Prozessbedingungen nicht etwas viel für Kunststoffrohre?

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Auf der Achema stehen jedenfalls Rohre und Armaturen aus Kunststoff zunehmend gleichberechtigt neben traditionellen Edelstahl-Komponenten. Dank der einfachen Montage und der Korrosionsbeständigkeit lohne es sich für Chemiebetreiber, über Plastik nachzudenken, erklären die Hersteller: „Ich will keinem Material seine Daseinsberechtigung absprechen“, so Joost Geginat, Präsident des Kunststoffrohr-Experten GF Piping Systems. „Ich denke aber, dass vielfach Edelstahl aus traditionellen Gründen an Stellen eingesetzt wird, an denen Anwender ultrareine Plastikvarianten nutzen könnten.“

Kunststoff - die nachhaltige(re) Alternative?

Die Medienbeständigkeit, das leichte Gewicht, welches aufwändige Konstruktionen ermöglicht und die Möglichkeit des einfachen Verarbeitens sprechen für sich. Dazu kommen geringe Lebenszykluskosten und lange Standzeiten. Ist Kunststoff am Ende des Tages der bessere Edelstahl?

„In vielen Bereichen ja“, ist sich Geginat sicher. Und erinnert daran, dass Kunststoffe auch beim Thema Nachhaltigkeit punkten: „Unsere Pipes sind 50 bis 100 Jahre in Gebäuden im Einsatz. Man muss mir erst einmal ein Material zeigen, das so nachhaltig ist.“ Das sollte auch Industrieanwender überzeugen, ist der Spezialist für Rohrsysteme zuversichtlich, besonders da die Plastik-Fluidik ein weiteres Ass im Ärmel hat: Eine wesentlich bessere Energieeffizienz.

Auch die Automatisierung kommt in Kunststoff groß raus

Leicht und langlebig ermögliche Kunststoff auch den Bau komplexer Systemlösungen und Skids, erklärt Sandra Schiller, Head of Sub-BU Process Automation bei GF Piping System – mit der Lieferung vormontierter Baugruppen profitierten Anlagenbauer von kürzeren Montagezeiten und einer reduzierten Fehleranfälligkeit. Klar, dass es da nicht mit einfachen Plastikröhren getan ist: Daher bietet GF Piping Systems mit Produkten wie dem Kugelhahn 543 Pro oder der Absperrklappe 565 Lösungen zum Steuern und Regeln von Medienströmen an, die die Vorteile des Materials in die Fluidik-Automatisierung bringen sollen.

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Dazu gehören aber auch Lösungen wie Antriebe und Stellungsregler, wahlweise pneumatisch, elektrisch oder vernetzt sowie Komponenten für komplette Dosiereinheiten. Auch die passende Sensorik liefern die Rohrleitungs-Experten bei Bedarf gleich mit, etwa mit dem Bluetooth-fähigen Inline-Magnetometer Flowtramag.

Dass bei so viel Messen Steuern und Regeln, das Wort „Piping“ aus dem Firmennamen verschwinden könnte, macht Joost Geginat keine Sorge: „Wir werden ein Rohrleitungsspezialist bleiben“, erklärt er schmunzelnd. „Aber heute reden und denken wir zunehmend in Systemen als ganzheitliche Lösung für Industriepartner – da gehört die Komponente genauso dazu wie die Prozessautomatisierung und die Sensorik/Aktorik.“

Alles eine Frage der Lebenszykluskosten

Damit die Verbindung stimmt: Mit IR PVC-U präsentiert GF Piping Systems das weltweit erste infrarot-geschweisste PVC-U-Rohrleitungssystem, das eine klebstrofffreie Verbindung ermöglicht.
Damit die Verbindung stimmt: Mit IR PVC-U präsentiert GF Piping Systems das weltweit erste infrarot-geschweisste PVC-U-Rohrleitungssystem, das eine klebstrofffreie Verbindung ermöglicht.
(Bild: GF Piping Systems)

Mit der nötigen Materialexpertise, Fluidikwissen und Prozessverständnis kann Kunststoff eine ganze Menge: Gerade bei vorgefertigten Plug-and-Play-Lösungen überzeuge Kunststoff, ist der Manager überzeugt: „Das Material ist vielleicht etwas teurer, betrachtet man aber den ganzen Prozess, relativiert sich das.“ Der Siegeszug der Leichtgewichte bleibe ungebrochen: „Wir kommen in immer mehr Bereiche, die klassische Metalldomänen sind.“ n

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