Chemie-Nobelpreis 2026 Kagan und Soai lösen das Geheimnis chemischer Spiegelbilder

Von Christian Lüttmann 2 min Lesedauer

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Zwei gleich-aussehende Moleküle, ein entscheidender Unterschied: So genannte Enantiomere verhalten sich wie Bild und Spiegelbild zueinander. Obwohl ihre Struktur sehr ähnlich ist, können sie teils extrem unterschiedlich in Lebewesen wirken. Die Kunst, gezielt nur eine Version dieser Enantiomere herzustellen, brachte nun zwei Forschern den Chemie-Nobelpreis.

Henri B. Kagan (l.) und Kenso Soai teilen sich den Chemie-Nobelpreis 2026 für ihre Fortschritte im Bereich der Homochiralität von Reaktionen.(Bild:  Ill. Niklas Elmehed © Nobel Prize Outreach)
Henri B. Kagan (l.) und Kenso Soai teilen sich den Chemie-Nobelpreis 2026 für ihre Fortschritte im Bereich der Homochiralität von Reaktionen.
(Bild: Ill. Niklas Elmehed © Nobel Prize Outreach)

Der Nobelpreis für Chemie 2026 steht fest: Er geht in diesem Jahr an den Franzosen Henri Kagan und den Japaner Kenso Soai für die Entdeckung nichtlinearer Effekte und der Autokatalyse in der asymmetrischen organischen Synthese.

Einige Moleküle wie Aminosäuren existieren als zwei Varianten, die wie Bild und Spiegelbild zueinander sind. Lebende Organismen enthalten jedoch nur eines dieser Spiegelbilder. Mit ihrer Forschung haben Kagan und Saoi die Basis für die moderne Arzneimittelentwicklung gelegt, bei der es auf enantioselektive Synthese von genau einer der beiden Molekülversionen ankommt. Lange war diese als Homochiralität bekannte chemische Asymmetrie für Chemiker ein Rätsel: Warum ist in der Natur oft eine Version der beiden spiegelbildlichen Moleküle stark oder vollständig bevorzugt?

Wie erzeugt man Spiegelbild-Moleküle ohne ihren Gegenpart?

In Laborversuchen erhielten Wissenschaftler immer gleiche Anteile von beiden Molekülformen, wenn sie mit chemischen Reaktionen experimentierten, die zwei gespiegelte Moleküle bilden können. Das Ziel ist aber, nur eine dieser Spiegelvarianten herzustellen. Denn bei der Entwicklung neuer Wirkstoffe, die mit lebenden Organismen wechselwirken – etwa bei Arzneistoffen – wirkt nur eine Spiegelvariante wie gewünscht.

Kagan (Université Paris-Sud) und Soai (Tokyo University of Science) haben eine Lösung gefunden, Homochirialität in Reaktionen gezielt herbeizuführen. „Die chemischen Reaktionen, die sie entwickelt haben, sind spektakulär“, sagt Heiner Linke, Vorsitzender des Nobelkomitees für Chemie.

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Viele Jahre Forschung führen zum Ziel der Homochiralität

Bereits 1986 machte Kagan den ersten entscheidenden Schritt, als er eine neue Möglichkeit entdeckte, chemische Reaktionen zu manipulieren. Damit gelang es ihm, einen deutlich größeren Überschuss einer der Spiegelvarianten zu erzeugen, als bis dato für möglich gehalten wurde.

Soai baute darauf auf und erzielte in den kommenden Jahren den nächsten wichtigen Fortschritt. 1995 beschreibt eine Schlüsselpublikation, wie er die erste chemische Reaktion konzipierte, die das Potenzial hatte, homochiral zu sein. Der Durchbruch gelang ihm 2003. Er präsentierte eine hundertprozentig enantiomerenreine Reaktion, bei der also nur eine der beiden möglichen Spiegelvarianten entstand. Außer in natürlich ablaufenden Bioreaktionen hatte dies noch niemand zuvor erreicht.

Dank Kagan und Soai ist es nun kein Geheimnis mehr, wie Homochiralität entstehen kann. Ein bedeutsamer Gewinn, besonders um neue sichere Wirkstoffe herzustellen. Dafür erhalten sie den Chemie-Nobelpreis 2026, der mit insgesamt zwölf Millionen schwedischen Kronen dotiert ist, umgerechnet rund einer Million Euro.

Weiterführende Informationen zur Nobelpreis-Forschung von 
Kagan und Soai gibt es auf www.nobelprize.org.

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