Elektrolyse in Leuna Goodbye Granulat, hallo Wasserstoff: Leuna setzt auf Power-to-X

Redakteur: Dominik Stephan

Technische Gase gibt's in Zukunft auch in grün: Gaseriese Linde will zum führenden Namen in Sachen Wasserstoff werden. Ein Schritt dazu soll die weltgrößte PEM-Elektrolyse für bis zu 3200 Tonnen grüner Wasserstoff pro Jahr werden, die der Konzern im ostdeutschen Chemiepark Leuna bauen will. Die Lage an einem der ältesten und größten Industriecluster sei geradezu perfekt als Keimzelle der Wasserstoffwirtschaft, erklärt die Firma.

Chemiestandort Leuna_1: In Leuna entsteht das mit 24 Megawatt Leistung bei Inbetriebnahme weltgrößte Power-to-X-Anlagenprojekt zur Erzeugung und Verflüssigung von grünem Wasserstoff.
Chemiestandort Leuna_1: In Leuna entsteht das mit 24 Megawatt Leistung bei Inbetriebnahme weltgrößte Power-to-X-Anlagenprojekt zur Erzeugung und Verflüssigung von grünem Wasserstoff.
(Bild: Linde/Horst Fechner))

Der eine geht, die anderen kommen: Während die BASF ihren Traditionsstandort Leuna (die Ludwigshafener stellen an der Saale Kunststoffgranulat her) schließen will, hat Linde große Pläne: Am Chemiestandort in der Nähe von Merseburg plant der Gaseriese das Zentrum einer regionalen Wasserstoffwirtschaft und legt dafür mit dem Bau einer 24 Megawatt-Elektrolyse vor (zum Vergleich: Moderne Windkraftwerke leisten etwa 3 MW, was dem Strombedarf von 2.000 Haushalten entspricht. Die PEM-Anlage soll zu Beginn mithilfe von zertifiziertem Ökostrom, später mit in der Nähe erzeugten erneuerbaren Energien ab Mitte 2022 bis zu 3.200 Tonnen grünen Wasserstoff pro Jahr herstellen.

Auf diese Wiese entstünde die größte Power-to-X-Anlage der Welt in Sachsen-Anhalt: „Leuna eignet sich als Standort hervorragend für eine solche Anlage, denn wir versorgen seit vielen Jahrzehnten – eingebunden in eines der größten Industriecluster in Deutschland – mit einem kompletten Produktportfolio von Industriegasen unsere dort ansässigen Kunden sowie das umliegende Netzwerk. Durch die Elektrolyse-Anlage im industriellen Maßstab, insbesondere in Verbindung mit der aktuell erweiterten Verflüssigung, wird dieses Portfolio perfekt ergänzt“, sagte Jens Waldeck, bei Linde zuständig für das Gasegeschäft in Westeuropa. „Für Leuna sprechen außerdem das gut ausgebaute Rohrleitungsnetz und die hervorragende Infrastrukturanbindung.“

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Denn: Wasserstoff kann mehr als "nur" Fahrzeuge mit Brennstoffzelle antreiben. Das leichteste Element des Periodensystems ist auch als Rohstoff für die Chemie- oder Stahlindustrie begehrt. Konstruktion, Bau und Betrieb der Anlage erfolgen aus einer Hand durch Linde. Die PEM (Proton Exchange Membrane)-Technologie der Elektrolyse stammt dabei von Lindes Joint-Venture-Partner ITM Power. Dank komplementärer Technologien wie der Verflüssigung, dem Tankstellenbau und der Logistik ist Linde in der Lage, die komplette Wasserstoff-Wertschöpfungskette abzudecken.

Zentraler Baustein der H2-Wertschöpfungskette ist aber die Elektrolyse-Technologie: „Dank der Kombination aus erstklassiger EPC (Engineering, Beschaffung, Errichtung)-Kompetenz und Technologieexpertise auf Seiten der ITM Linde Electrolysis GmbH können wir individuelle Kundenlösungen für elektrolysebasierte Wasserstoff- und Sauerstoff- Erzeugungsanlagen anbieten“, erklärt Michael Schaeffer, Leiter des Bereiches Wasserstoff- und Synthesegasanlagen bei Linde Engineering.

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Der Spezialgase-Konzern will in Zukunft Industriekunden über das bestehende Pipeline-Netz oder per Lkw mit dem grünen Elektrolyse-Wasserstoff beliefern, mit dem auch Wasserstofftankstellen in der Region versorgt werden sollen. Deswegen gehören zu dem Projekt auch ein Wasserstoff-Verflüssiger, der bereits Anfang 2021 in Betrieb gehen wird, sowie infrastrukturelle Maßnahmen in Leuna in Zusammenarbeit mit dem Standortbetreiber Infraleuna. Das Projekt wird aus Landes- und Bundesmitteln gefördert.

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