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Meilenstein Technische Gase/Industriegase

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Linde

Exklusiv-Interview: Meilenstein Technische Gase/Industriegase

„Mehr als ein Molekül-Lieferant“: So unterstützen die Gase-Spezialisten Anlagenbetreiber und Verbraucher

| Autor/ Redakteur: Das Interview führte Dominik Stephan* / Dominik Stephan

Über 100 Jahre nach der Entwicklung der Luftzerlegung sind Gase aus modernen Prozessen nicht mehr wegzudenken. Nutzen wir das volle Potenzial der flüchtigen Möglichmacher? Um die Kunden für neue Wege in der Gase-Nutzung zu gewinnen, muss man ihre Prozesse verstehen, sind sich Linde Gas Europa-Geschäftsführer Jens Waldeck und Elisabeth Mehlan, Leiterin Marktentwicklung Zentraleuropa, sicher.

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„Durch die Fusion mit Praxair können wir im Bereich Anwendungstechnik die Entwicklungen aus beiden Welten übereinanderlegen.“ Elisabeth Mehlan
„Durch die Fusion mit Praxair können wir im Bereich Anwendungstechnik die Entwicklungen aus beiden Welten übereinanderlegen.“ Elisabeth Mehlan
(Bild: Linde)

Auch nach der Fusion mit Praxair soll Anwendungs-Expertise den entscheidenden Mehrwert für Linde-Kunden bieten. Mit Lösungen von der Umwelttechnik bis zur Wasserstoff-Wirtschaft sehen sich die Gase-Experten gut aufgestellt.

PROCESS: Mit Neugier, Beharrlichkeit und Fähigkeit hat Carl von Linde 1873 eine beispiellose Erfolgsstory angestoßen. Welche Eigenschaften stehen heute für Linde?

Jens Waldeck: Alle drei Attribute spielen auch heute eine große Rolle: Als Erfinder und Unternehmer war Carl von Linde nicht nur neugierig im Sinne „Wie funktioniert etwas“ sondern davon getrieben, Erkenntnisse in praktische Anwendung zu überführen. Heute treibt uns die Neugier, mit den Dingen, die wir erkennen, technisches Know-how zu erlangen und über die Anwendungstechnik einen Mehrwert darzustellen. Die Entwicklung der Kältemaschine war ein langer Prozess mit vielen Rückschlägen. Aktuell wird es in der sich immer schneller verändernden Welt wichtiger, sich zu hinterfragen, um daraus beharrlich Verbesserungen abzuleiten. „Jeden Tag ein Stückchen besser!“ – So werden wir unserem Anspruch „making the world more productive“ gerecht.

Von Lindes Ziel war es, die Bedürfnisse der Kunden zu erkennen und dem Wunsch nach Zuverlässigkeit und Qualität gerecht zu werden. Mit der Fähigkeit, dies in Technologien umzusetzen, konnte er, etwa durch die Entwicklung der Kältemaschine, große Erleichterungen des täglichen Lebens erreichen.

Auch für uns stehen die Kundebedürfnisse im Fokus: Unser Anspruch ist es, daraus wertschöpfende Technologien zu entwickeln und als anwendungstechnische Lösungen zum Einsatz zu bringen – natürlich in Verbindung mit einer zuverlässigen und sicheren Versorgung.

PROCESS:In der Technologie-Diskussion spielen Gase meist eine Nebenrolle. Sind Gase die Hidden Champions der Verfahrenstechnik?

Elisabeth Mehlan: Tatsächlich ist es den Meisten wahrscheinlich nicht bewusst, wo überall Gase vorkommen: Gase helfen dabei, Herstellungsprozesse effizienter, wirtschaftlicher, sicherer und umweltfreundlicher zu machen. Außerdem erhöht der Einsatz von Gasen die Qualität der Erzeugnisse.

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PROCESS: Was ist Linde heute? Ein Gasehersteller und Lieferant? Ein Technologiekonzern? Oder ein Anlagenbauer?

Waldeck: Alle drei Komponenten sind wichtig, was sich in unserer Vision klar widerspiegelt: Wir wollen das weltweit leistungsstärkste Unternehmen für Industriegase und Anlagenbau sein, mit Mitarbeitern, die innovative und nachhaltige Lösungen für unsere Kunden in einer vernetzten Welt liefern.

Von Beginn an: Über ein Jahrhundert Expertise in Gase-Anwendungen

PROCESS: Und das schon seit über 100 Jahren. Wie bleibt man über so einen langen Zeitraum Markt- und Technologieführer?

Waldeck: Zunächst mit konsequenter Arbeit hinsichtlich Forschung und Entwicklung in der Herstellung, Lagerung und Lieferung von technischen Gasen, um mit höchster Effizienz durch nachhaltige Technologien unseren Kunden die notwendigen Produkte für deren Geschäftserfolg zur Verfügung zu stellen.

Daneben ist die Anwendungstechnik die entscheidende Komponente: Gemeinsam mit den Anwendern entwickeln wir täglich über ein weltweites Netzwerk von vielen hundert Spezialisten neue Einsatzmöglichkeiten für technische Gase. Durch die globale Zusammenarbeit stehen diese Entwicklungen in kürzester Zeit allen unseren Kunden zur Verfügung.

PROCESS: Sehen Sie Branchen oder Industrien, die dabei an Bedeutung gewinnen?

Waldeck: Begeisternd an unserem Geschäft ist, dass wir in unterschiedlichsten Industrien und Anwendungsfeldern tätig sind. Dadurch begleiten wir überall auf der Welt eine Vielzahl an aktuellen Trends.

Globale Entwicklungen stehen auch für uns im Fokus: Umweltschutz inklusive der Energiewende, sichere und gesunde Ernährung, neue Fertigungstechnologien sowie Gesundheit sind dabei so wichtig wie die mit der Digitalisierung einhergehende Entwicklung der Elektronikindustrie. Und natürlich bleibt die Herausforderung der konsequenten Effizienzsteigerung und Optimierung der klassischen Industrie.

PROCESS: Nach der Fusion mit Praxair kommt ein Viertel der weltweiten Gasproduktion von Linde. Was bedeutet das für Ihre Kunden?

Mehlan: Linde und Praxair waren schon für sich zwei Player mit individuellen Stärken am Markt. Darauf aufbauend wird das neue Unternehmen seine Kunden durch eine starke globale Präsenz und erweiterte Palette innovativer Produkte und Lösungen noch besser unterstützen. Wir setzen dabei auf das gebündelte Engineering-Know-how und Technologieportfolio, um die Entwicklung neuer Produkte und Lösungen voranzutreiben. Im Bereich der Anwendungstechnik können wir so die Entwicklungen beider Welten übereinanderlegen und schauen, wo daraus für unsere jeweilige Geografie neue Themen entstehen.

Aufbruch in die neue Zeitrechnung

PROCESS: Mit welchen Meilensteinen will die neue große Linde-Familie in Zukunft am Markt überzeugen?

Mehlan: Sowohl Linde als auch Praxair legen Wert darauf, nicht nur Lieferanten von Molekülen, sondern echte Know-how-Partner zu sein. Ich bin gespannt, was an neuen Ideen entsteht, wenn wir unsere anwendungstechnischen Portfolios übereinanderlegen.

PROCESS: Welche Rolle spielen Dienstleistungen für Linde?

Mehlan: Wir wollen uns als Gesamtlösungsanbieter differenzieren, um unseren Kunden einen echten Mehrwert zu bieten. Das geht über anwendungstechnisches Know-how, aber natürlich auch mit Services. Eine wichtige Rolle in diesem Zusammenhang spielt die Anlagen- und Arbeitssicherheit: Im Kontext mit Gasen kommen gewisse Anforderungen (wie die Gefährdungsbeurteilung oder die Schulung von Mitarbeitern) auf den Betreiber zu. Wir unterstützen die Anwender dabei, diese zu verstehen, zu kennen und umzusetzen.

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PROCESS: Welche Rolle spielt Linde im Kontext der Energie- und Verkehrswende?

Waldeck: „Grüner“ Wasserstoff, d.h. aus regenerativen Energien über Elektrolyse erzeugter Wasserstoff, ist das Energiemedium der Zukunft und wird eine wichtige Rolle sowohl in der Mobilität als auch in der Sektorkopplung oder der reinen Energiespeicherung spielen. Damit ist Linde prädestiniert, eine entscheidende Rolle in der Energiewende einzunehmen, da sowohl in der Herstellung, Lagerung und Logistik die entsprechende Fachkompetenz vorhanden ist aber auch die Fähigkeit, entsprechende innovative Geschäftsmodelle für die vorhandenen – nicht trivialen – Rahmenbedingungen umsetzen zu können.

PROCESS: Frau Mehlan, Herr Waldeck, vielen Dank für das Gespräch.

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