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Kraftstoffe aus Biomasse

Forscher entwickeln neuartiges „Bio-Öl“ für Kraftstoffproduktion

| Redakteur: Tobias Hüser

Stroh und Gras: Aus diesen beiden Komponenten sollen Zwischenprodukte für den erdölbasierten Raffinerieprozess entstehen.
Stroh und Gras: Aus diesen beiden Komponenten sollen Zwischenprodukte für den erdölbasierten Raffinerieprozess entstehen. (Bild: Volker Heil, Fraunhofer Umsicht)

Das von der Europäischen Union (EU) geförderte Projekt Bio Mates geht in die nächste Runde: Experten des acht Partner umfassenden Projektes entwickelten jüngst eine Pilotanlage, die erstmalig im Testbetrieb bis zu fünf Kilogramm Stroh und Nicht-Nahrungsmittelpflanzen (Miscanthus) zu Bio-Öl einer neuen Generation verarbeiten kann. Gleichzeitig hat das internationale Forscherteam die idealen Einsatzpunkte für dieses Öl innerhalb konventioneller Raffinerien identifiziert. Damit rückt das im Oktober 2016 gestartete Projekt schrittweise seinem Ziel näher, künftig aus lignocellulosehaltiger Biomasse im Demonstrationsmaßstab Kraftstoffe herzustellen.

Oberhausen – Bisher entstehen Kraftstoffe mit biogenem Anteil fast ausschließlich durch das Mischen (Blenden) von Kraftstoffen aus konventionellen Raffinerien mit fertig produzierten Biokraftstoffen, die erst am Ende beider Prozesse zusammengemischt werden. Ganz anders bei Bio Mates. Demnach wird die Biomasse zunächst zu so genanntem „Bio-Öl“ umgesetzt. Dabei wird der Einsatzstoff bei hoher Temperatur gegen einen rotierenden Wärmeträger gepresst und so in weniger als einer Sekunde verflüssigt.

Anschließend kann das Bio-Öl mittels sogenannter milder Hydrierung zu definierten Intermediaten (Bio Mates) weiterverarbeitet werden, die sich als Zwischenprodukte in die Raffinerie einspeisen lassen. So wird gewährleistet, dass die zur Einspeisung in den hoch sensiblen Raffinerieprozess wichtigen Stoffeigenschaften wie z.B. Säurezahl, Sauerstoff- oder Schwefelgehalt trotz schwankenden Rohstoffeigenschaften zu jeder Zeit die vorgegebenen Werte einhalten.

Betrieb im Pilotmaßstab

Die Praxistauglichkeit der Technik wird in Pilotanlagen in einer realitätsnahen Umgebung unter anderem beim Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik Umsicht in Oberhausen und bei Certh in Thessaloniki demonstriert. Hyet aus dem niederländischen Arnheim entwickelt und liefert die Einheit zur elektrochemischen Wasserstoffverdichtung, und Ranido aus Prag entwickelt mit Unterstützung der Universität für Chemie und Technologie Prag die Katalysatoren. IFEU aus Heidelberg steuert gemeinsam mit dem Imperial College aus London eine einheitliche Nachhaltigkeitsbewertung bei. Als Raffineriebetreiber wird BP die Analysen und ökonomische Auswertung durchführen. Schließlich wird der Einsatz der hergestellten „Bio Mates“ in einer griechischen Pilotraffinerie praxisnah getestet.

Bei Fraunhofer Umsicht in Oberhausen wird die Umwandlung der Einsatzstoffe Stroh und Miscanthus zum ersten Zwischenprodukt, dem Bio-Öl, durchgeführt. Während das Chinaschilf (Miscanthus sinensis) das Gelände schmückt, wird sein ertragreicherer Verwandter, das Riesen-Chinaschilf (Miscanthus × giganteus), nebenan in einer Versuchsanlage zur so genannten Ablativen Schnellpyrolyse kurzzeitig auf 550 °C erhitzt. Der entstehende Dampf wird dann passgenau in mehreren Stufen wieder abgekühlt, sodass das als Hauptprodukt erzeugte Bio-Öl schon ideale Eigenschaften für die Weiterverarbeitung bei den Projektpartnern in Prag und Thessaloniki besitzt.

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