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Niedrigwasser im Rhein Enorme Verluste – BASF muss TDI-Produktion stoppen

| Redakteur: Wolfgang Ernhofer

Die Pegelstände des Rheins machen der Industrie zu schaffen. Vor wenigen Tagen haben bereits mehrere Unternehmen – darunter auch Covestro und K+S – ihre Prognosen für das Geschäftsjahr aufgrund steigender Transportkosten durch das Niedrigwasser nach unten korrigiert. Jetzt muss die BASF sogar die TDI-Großanlage in Ludwigshafen stilllegen.

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Das Niedrigwasser im Rhein macht vielen Industrieunternehmen zu schaffen. Die BASF muss in Ludwigshafen ihre TDI-Produktion aufgrund fehlender Rohstoffe herunterfahren.
Das Niedrigwasser im Rhein macht vielen Industrieunternehmen zu schaffen. Die BASF muss in Ludwigshafen ihre TDI-Produktion aufgrund fehlender Rohstoffe herunterfahren.
(Bild: gemeinfrei / CC0 )

Ludwigshafen; Würzburg – Der historische Tiefstand des Rheinpegels behindert die Schifffahrt und fordert seinen Tribut: Der südlich der Rhein-Engstelle Kaub gelegene Ludwigshafener BASF-Verbundstandort leidet besonders unter dem Niedrigwasser. Obwohl das Unternehmen bereits alle Möglichkeiten zur alternativen Versorgung per Pipeline, Lkw und Schiene nutze, können nicht alle Rohstoffe zum Werk nach Ludwigshafen transportiert werden, wo normalerweise täglich 20 Schiffe an- und ablegen. Nur rund ein Drittel der Schiffskapazitäten könnten so kompensiert werden. Der Chemiekonzern muss daher die Toluoldiisocyanat (TDI)-Produktion stoppen.

Wieder betrifft ein Störereignis die größte Einzelinvestition in der Geschichte der Ludwigshafener – auch wenn es diesmal höhere Gewalt ist. Die TDI-Anlage wurde deutlich teurer als geplant und läuft nach einigen Verzögerungen und Störungen erst seit Juli 2018 im Regelbetrieb. Das Wiederanfahren der Großanlage hänge von der weiteren Entwicklung des Rheinpegels ab.

Das Geschäftsergebnis leide auch unter den niedrigen Pegelständen und damit einhergehenden höheren Transportkosten in diesem Jahr. Allein im dritten Quartal verzeichne das Unternehmen ein ca. 50 Millionen Euro niedrigeres Betriebsergebnis.

Gegenüber dem „Tagesspiegel“ fordert BASF-Chef Martin Brudermüller bauliche Maßnahme um die Rohstoffversorgung über den Wasserweg sicherzustellen. Der Rhein sei eine Schlagader für Europa und ganz besonders für Deutschland: „Wenn weniger Wasser reinfließt, darf eben auch nur weniger rausfließen. Dafür wären dann Schleusen und Stauwerke erforderlich. Über solche Infrastrukturinvestitionen müssen wir diskutieren“. Auch eigene Sicherheitsmaßnahmen seien in der Überlegung. So denke der Konzern über den Ausbau der Tankkapazitäten, Pipelines sowie Schiffe mit weniger Tiefgang nach.

Auch weitere Industrieunternehmen korrigieren ihre Prognosen für 2018. Covestro und der Düngemittel- sowie Salzhersteller K+S haben ihren Jahresausblick nach unten korrigiert. Rohstoffe müssen auf andere Transportwege verlagert werden – diese seien jedoch deutlich teurer. Laut „Handelsblatt“ sei der Transport mit Bahnkesselwagen im Schnitt zwei- bis dreimal und der mit Lkw etwa fünfmal teurer als der Transport der gleichen Menge per Schiff.

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