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Chemieindustrie auf der K 2013 Die Leitmesse der Kunststoffindustrie im Zeichen funktionaler Materialien und Systemlösungen

| Redakteur: Dominik Stephan

Die Leitmesse der Kunststoffbranche, die K 2013, spiegelt eine Industrie im Umbruch: Zwar werden Leichtbaumaterialien und Composites in großer Menge benötigt, zugleich drängen neue Wettbewerber die Chemiefirmen in die Enge. Kundenspezifische Lösungen und alternative Rohstoffe sollen jetzt den Befreiungsschlag bringen.

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„Öl ist nicht immer die logische Lösung: Auch CO2 ist kein Abfall – es kann ein Rohstoff werden. Suchen Sie die Kohlenwasserstoffbausteine und bauen Sie darauf auf!“
„Öl ist nicht immer die logische Lösung: Auch CO2 ist kein Abfall – es kann ein Rohstoff werden. Suchen Sie die Kohlenwasserstoffbausteine und bauen Sie darauf auf!“
(Bild: PROCESS)

Flugzeuge, Laufschuhe, Autoreifen – beim Rundgang über die diesjährige K kann man sich schon einmal wie auf einer Lifestyle-Veranstaltung fühlen. Besonders die großen Chemiekonzerne und Kunststoffproduzenten buhlen mit durchdesignten Ständen und spektakulären Exponaten um Aufmerksamkeit. Die Botschaft ist klar: Fünf Jahre nach Beginn der Wirtschaftskrise stehen die Zeichen auf Angriff. Mit modernen Materialien wollen die Plastikspezialisten verlorenen Boden gutmachen und von der anziehenden Konjunktur profitieren.

Dabei ist die Lage immer noch unübersichtlich: Europas Aufschwung wackelt, China enttäuscht die Erwartungen, und neue Mitspieler drängen in den Ring. Welche Impulse können da von der größten Branchenmesse ausgehen? Immerhin liegt das große Plastikzeitalter, in dem neue Materialien am Fließband patentiert wurden, schon einige Jahrzehnte zurück.

Ging es bis in die zweite Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts um die Entwicklung neuer Grundstoffe, konzentriert sich die Chemie heute auf Anwendungen. Als ‚funktionale Materialien‘ sollen bekannte Basischemikalien neue Einsatzgebiete erschließen. Geschäumt, geschweißt oder als Laminat wird der Rohstoff zur anwenderfreundlichen Systemlösung – zumindest in der Theorie. Alter Wein in neuen Schläuchen?

Dr. Martin Brudermüller, Nummer Zwei des BASF-Vorstands, würde widersprechen: „Innovationen kommen heute weniger aus der Entwicklung neuer Chemikalien, sondern aus der gebündelten Kraft unserer wissenschaftlichen Kompetenz. Die innovative Leistung bewegt sich weg von einzelnen Molekülen hin zu Materialien und Systemlösungen.“ Immerhin stecken die Ludwigshafener 20 % ihres Forschungsbudgets (von insgesamt 17,7 Milliarden Euro) in das Segment Functional Materials, zu dem auch die Kunststoffsparte gehört.

Aus alt mach neu

250 Kilometer weiter nördlich verfolgt man einen anderen Ansatz: Alternative Rohstoffe sollen neue Spielfelder für die Chemie eröffnen, erklärt Patrick W. Thomas, Vorstandsvorsitzender von Bayer Material Science in Leverkusen. So sei für manche Polymere Gas ein besserer Rohstoff als Erdöl, da es nicht aufwändig gecrackt werden müsse. Zudem sind mit Bio- und Schiefergas auch alternative Rohstoffquellen verfügbar. Thomas Überzeugung: „Finden Sie die Grundbausteine und bauen Sie darauf auf!“ – Kohlenwasserstoffe kommen schließlich vielerorts vor.

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