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Die Strategie entscheidet!
Während die China-Begeisterung einen ersten Dämpfer erlitten hat, drängt ein neuer Wachstumsmarkt ins Rampenlicht: Um unabhängiger vom Ölpreis zu werden, steigen Länder wie Saudi Arabien, Katar oder Bahrain in die petrochemische Wertschöpfungskette ein. Rund um den Persischen Golf schießen die Megaprojekte aus dem Boden – und werden von den Branchenriesen skeptisch beäugt. Immerhin entsteht in Saudi Arabien mit Sadara Chemicals gerade einer größten Petrochemie- und Polymerkomplexe der Welt in einer einzigen Bauphase. Abu Dhabi hatte bereits 2011 mit dem Bau der Chemaweyaat Taweelah Chemicals Industrial City (Investitionssumme 20 Milliarden Dollar) begonnen.
Ob diese Entwicklung Chance oder Risiko ist, hängt nicht zuletzt von der individuellen Unternehmensstrategie ab: Während der US Chemieriese Dow gemeinsam mit Saudi Aramco einen Megakomplex mit 26 petrochemischen Produktionsanlagen baut, geht die BASF andere Wege: Näher zum Kunden, lautet die Devise in Ludwigshafen. Daher hat die Firma eine Reihe strategischer Investitionen in der Region getätigt, die Europas Kunststoffadditivproduktion mit dem arabischen Petroboom verknüpfen sollen. In Bahrain entstand eine moderne Produktionsanlage für Antioxidantien.
Dort will das Unternehmen bis zu 16 000 t dieser Additive für die regionale Petrochemie fertigen, erklärt Gordian Schilling, Managing Director der BASF vor Ort. Die Produktion am Golf habe die Leadzeiten gegenüber der europäischer Fertigung halbiert, stellt der Manager fest. Doch die Strategie des „Closer to the Customer“ ist damit noch nicht am Ende: „In Zukunft werden wir lokale Lösungen anbieten, die wir vor Ort verkaufen und direkt als Service beim Kunden anbieten“, ergänzt Schilling.
Einzigartiger Austausch
Regionalisierung, Reshoring und eine turbulente globale Wirtschaftslage – die Situation der Kunststoffindustrie ist unübersichtlich. Eines scheint klar: Alleine mit Massenprodukten von der Stange werden europäische Anbieter nicht auf Dauer bestehen können. Spezialisierte Lösungen für spezielle Probleme sind gefragt – und zu lösende Probleme gibt es genug: Klimawandel, der Wunsch nach Mobilität, Bevölkerungswachstum und Energieeffizienz stellen die Branche auf den Prüfstand.
Der Kunststoffhersteller der Zukunft wird sehr genau zuhören können müssen, um schnell kundenspezifische Systemlösungen zur präsentieren. Die K bietet dabei eine einzigartige Gelegenheit zum Dialog: „Nirgendwo auf der Welt ist die Rohstoff-, Verarbeitungs- und Anwendungstechnik in solch einer Bandbreite zu erleben wie auf der K“, erklärt Werner Matthias Dornscheidt, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe Düsseldorf.
* Der Autor ist Redakteur bie PROCESS.E-Mail-Kontakt: dominik.stepan@vogel.de
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