Chemieindustrie auf der K 2013

Die Leitmesse der Kunststoffindustrie im Zeichen funktionaler Materialien und Systemlösungen

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Der Traum vom Fliegen

„Entdecker träumen von der Zukunft!” gibt Patrick W. Thomas die Richtung vor. Am Stand von Bayer Material Science versprechen spektakuläre Exponate wie das Solarflugzeug ‚Solar Impulse 2‘ Hingucker zu werden – die Chemiefirma hatte bereits für das erste ‚Solar Impulse‘ eine ultraleichte Cockpitsektion aus Spezialkunststoffen entwickelt. „Natürlich werden wir nicht hunderte Solarflugzeuge bauen”, weiß Thomas. „Das Projekt ist für uns ein fliegendes Labor.” Neben spektakulären Exponaten ermöglichen Mitmach- und Interaktionselemente dem Besucher, einen Blick hinter die Kulissen der Materialforschung zu werfen – und natürlich ein Stück Zukunft mitzuträumen.

„Der Stand soll kein Museum für Plastikteile werden“, erklärt der Vorstandsvorsitzende im Vorfeld der Messe. Roboteranzüge für die Medizin, Solarflugzeuge und Schaumstoff aus Abgas sollen zeigen, welche Möglichkeiten in Kunststoffen stecken. Damit wollen die Leverkusener Begeisterung für das Material wecken – und gleichzeitig die Messe zum Austausch nutzen. „So können wir verstehen, wo wir Prioritäten setzen und wie wir die Bedürfnisse der Märkte in Zukunft erfüllen wollen.“

Mit Kunststoff auf die Überholspur

Wo andere vom Fliegen träumen, setzt Lanxess auf Mobilität am Boden: „Weltweit sind mehr als eine Milliarde Autos unterwegs, 2050 werden es 2,5 Milliarden sein“, erklärt Vorstandsmitglied Dr. Werner Breuers. Ein gefundenes Fressen für den Chemiekonzern: Schon jetzt erwirtschaftet das Unternehmen 20 % seines Umsatzes mit Kunststoffen für die Fahrzeugindustrie. Da der Markt in Europa und den USA weitgehend gesättigt ist, kommen nun die BRIC-Staaten ins Visier: „Unsere Innovationskultur soll sich in China, Indien, Russland und Brasilien auszahlen“, erläutert Breuers. Erst vor wenigen Monaten eröffnete der Konzern ein Werk für Butylkautschuk mit einer Kapazität von 100 000 t/a in Singapur.

Aber auch Leichtbau-Thermoplaste wie Durethan und Pocan könnten vom Autoboom profitieren. Mit Exponaten wie dem ersten Frontendträger aus Polyamid 6 oder einem mit Endlosglasfasern verstärktem Polyamid-Bremspedal hat der Trend zur Mobilmachung auch den Lanxess-Messestand erreicht: Auf der „Gummistraße“ zeigen die Kölner zusammen mit Partnern aus der gummiverarbeitenden Industrie, wie Kunststoffe zeitgemäße Mobilität ermöglichen sollen.

Chance oder Risiko?

Von der Gummistraße auf die Erfolgsspur? Wohin man auf der K schaut, Selbstbewusstsein und Loblieder auf die Branche allerorten – fast könnte man meinen, die Kunststoffindustrie gehe einer unbeschwerten Zukunft entgegen. Dabei hat auch hier die Wirtschaftskrise ihre Spuren hinterlassen. Während Europa ein Unsicherheitsfaktor bleibt, kann auch die Wirtschaftslokomotive China das hohe Tempo zweistelliger Wachstumsraten nicht halten. Zudem nivellieren strengere Auflagen, Zölle und steigende Löhne die Kostenvorteile der Produktion in Asien. Mittlerweile wandern erste Firmen wieder zurück – insbesondere, da die USA dank Gasboom mit billiger Energie und billigen Rohstoffen winken. „Reshoring“ liegt im Trend. So erklärt David Sievers, Leiter Strategy and Operations Practice der Hackett Group, dass der Kostenvorsprung Chinas nur noch bei 16 % läge – ob sich eine Produktion im Reich der Mitte lohne, wäre „reine Glücksache“.

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