VCI-Forschungspressekonferenz Die Corona-Krise zeigt: Investitionen in Innovation zahlen sich aus

Redakteur: M.A. Manja Wühr

Die Corona-Pandemie hat auch Spuren in den Forschungsabteilungen der Chemie- und Pharmaindustrie hinterlassen. Doch es hat sich gezeigt, dass gerade deren Erfolge die Branche gut durch die Krise gebracht haben. Stabile Budgets deuten darauf hin, dass Chemie- und Pharmaunternehmen den innovationsorientierten Kurs beibehalten werden.

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Thomas Wessel, Vorsitzender VCI-Ausschuss Forschung, Wissenschaft und Bildung: „Wer nicht innovativ war, kam erheblich schlechter durch die Krise.“
Thomas Wessel, Vorsitzender VCI-Ausschuss Forschung, Wissenschaft und Bildung: „Wer nicht innovativ war, kam erheblich schlechter durch die Krise.“
(Bild: Gerald Fuest/VCI)

Frankfurt am Main – „Die hohe Innovationsorientierung der chemisch-pharmazeutischen Industrie hat uns bei der Krisenbewältigung geholfen. Auch wenn unsere Forscherinnen und Forscher unter deutlich erschwerten Bedingungen arbeiten mussten“, sagte Thomas Wessel anlässlich der diesjährigen Forschungspressekonferenz des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI). Wessel ist Vorsitzender des VCI-Ausschusses Forschung, Wissenschaft und Bildung.

Auch in den Forschungslaboren mussten sich die Mitarbeiter an strenge Arbeitsschutz- und Infektionsschutzvorschriften halten. Abstandsregelungen führten dazu, diese die Labore weniger nutzen konnten. Homeoffice und Reisebeschränkungen wiederum beeinträchtigte den persönlichen Austausch. Als Konsequenz gaben knapp die Hälfte der in einer ZEW-Studie befragten Unternehmen an, die Laufzeiten von F&E-Projekten verlängert zu haben. Der Durchschnitt läge bei einem Drittel der Projekte, so Wessel.

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Die Branche hat in der Corona-Krise auf die veränderte Nachfrage reagiert und ihr Produktangebot angepasst. „Dabei kam es auch bei gut einem Fünftel der Firmen zu zusätzlichen Produktinnovationen“, so Wessel. Diesen Kurs werden Chemie- und Pharmaindustrie wohl beibehalten: Die Budgets für Forschung und Entwicklung 2020 sind laut VCI um rund 2,5 Prozent auf 13,7 Milliarden Euro gestiegen. Treiber ist vor allem die Pharmaindustrie. „Sie investierte mehr Geld sowohl bei den eigenen FuE-Aufwendungen als auch bei der Vergabe von Aufträgen an Dritte“, berichtete Wessel. Im Fokus stehen vor allem Corona-Impfstoffe und -Medikamente.

Bessere Rahmenbedingungen für Innovationen

Trotz aller Forschungs- und Entwicklungsbemühungen sehen die befragten Unternehmen das Umfeld für Innovationen nicht so erfreulich wie es die geplanten Ausgaben vermuten lassen. Vor allem in den Regulierungen rund um den Green Deal der EU sowie den langsamen und komplexen Genehmigungsverfahren sieht die Branche ein großes Hemmnis. Auch die staatlichen Anreize reichen nicht aus: „So schätzt laut VCI-Umfrage fast ein Drittel der befragten Unternehmen die Förderprogramme als zu niedrig finanziert und zu bürokratisch ein“, begründet Wessel.

Kein gute Zeugnis für den Forschungsstandort Deutschland. Und so fordert der Verband von der künftigen Bundesregierung acht konkrete Maßnahmen, die er in einem Innovationspaket formuliert:

1. Die Forschungszulage: Sie soll ausgebaut werden – auch über die Krisenzeit hinaus.

2. Die Projektförderung: Förderprogramme sollen besser ausgestattet und langfristig und verlässlich finanziert werden.

3. Die Start-up-Förderung: Der verband fordert bessere Rahmenbedingungen für Wagniskapital.

4. Der Patentschutz: Zur Re-Finanzierung von Investitionen braucht es einen effektiven Schutz.

5. Die Genehmigungsverfahren: Sie sollen schnell, unbürokratisch und rechtssicher sein.

6. Das europäische Gentechnikgesetz: Um mit China und den USA Schritt halten zu können, braucht es eine Aktualisierung an moderne Gene-Editing-Verfahren.

7. Der Bildungssektor: 27 Prozent der befragten Unternehmen sehen im Fachkräftemangel ein starker oder sehr starkes Hemmnis für Innovationsprozesse. Daher fordert der Verband, mehr Geld in Bildung zu investieren und den naturwissenschaftlichen Unterricht zu stärken.

8. Der Dialog mit der Gesellschaft: Die Menschen sollten besser verstehen, warum wir Innovationen brauchen.

* Die Autorin arbeitet als Fachredakteurin „Management“ für die Vogel Communications Group.

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