Kunststoffe und Einwegverpackungen Die Chemie sagt ja: Verbände unterstützen Verpackungsgesetz und wollen chemisches Recycling stärken

Redakteur: Dominik Stephan

Die Bundesregierung geht das Verpackungsgesetz an: In einer Neufassung sollen EU-Vorgaben zu Einwegkunststoffen und Plastikabfällen Berücksichtigung finden. Und die Industrie? Die einschlägigen Wirtschaftsverbände Plastics Europe und VCI jedenfalls beziehen schon mal Stellung – im Lager der Befürworter.

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Unterstützung von unerwarteter Seite: Die Chemie begrüßt das neue Verpackungsgesetz.
Unterstützung von unerwarteter Seite: Die Chemie begrüßt das neue Verpackungsgesetz.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Abfallvermeidung und Kreislaufwirtschaft haben für die Industrie ihren Schrecken verloren: Der VCI und Plastics Europe Deutschland (PED), ein Verband der Kunststofferzeuger, begrüßen jedenfalls einstimmig die geplante Änderung des Verpackungsgesetzes. „Kunststoffverpackungen sind aus gutem Grund häufig das Mittel der Wahl. Um auch den Umgang mit Verpackungsabfällen weiter zu verbessern, müssen wir Kunststoffe in der Wertschöpfungskette halten", erklärt PED-Hauptgeschäftsführer Ingemar Bühler. Dabei zeigten aktuelle Entwicklungen, dass auch das Recycling von Kunststoffverpackungsabfällen signifikant verbessert werden konnte.

„Wichtig ist, in der gesamten EU eine einheitliche Vorgehensweise zu haben. Wir müssen gemeinsam das Ziel verfolgen, die Auswirkungen auf die Umwelt zu verringern und Kreislaufkonzepte zu fördern, die das Abfallaufkommen reduzieren.“ Denn: Zuletzt steig die Menge an Verpackungsmaterial in Deutschland noch an und erreichte 2018 laut Umweltbundesamt ein Rekordhoch von 18,9 Millionen Tonnen.

Im Zuge der Debatte um Nachhaltigkeit und Plastikabfälle will die Bundesregierung mittelfristig Mehrweglösungen im To-Go-Bereich zum Standard machen: So sollen ab 2023 Anbieter ihre Produkte auch in Mehrwegverpackungen anbieten müssen. Allerdings: Einwegpackungen dürfen - etwa für den beliebten Cafe "To Go" - auch weiterhin angeboten werden. „Für viele Anwendungen gibt es bereits funktionierende Mehrweglösungen, auch aus Kunststoffen", so Bühler. "In diesen Fällen ist es zu unterstützen, dass den Verbrauchern Mehrwegoptionen zur Verfügung stehen.“

Weiterhin beinhaltet der Entwurf eine Ausweitung der Pfandpflicht auch auf nahezu alle Einwegkunststoffgetränkeflaschen (wie zum Beispiel Fruchtsäfte). Das könnte notwendig sein, sind doch von den deutschlandweit knapp 450 Kilotonnen Einweg-PET-Getränkeflaschen (2019) etwa. 10% solche ohne Pfand. Übrigens: Auch kleine Betriebe und Gaststätten mit unter 80 Quadratmetern Fläche und maximal fünf Mitarbeitern können unter einer Sonderregelung lediglich das Abfüllen in (vom Kunden mitgebrachte) Mehrwegbehälter anbieten.

Auf das Material kommt es beim Recycling an

Gemäß der EU-Vorgabe sieht auch der deutsche Gesetzesentwurf vor, dass bestimmte Einweg-Kunststoffgetränkeflaschen aus PET ab 2025 zu mindestens 25 Prozent aus Rezyklaten bestehen (ab 2030: 30 Prozent). Allerdings müssen dafür die verwendeten Material auch recyclingfähig sein. Doch das ist bei Verpackungen, die mehrere Materialien in Layern oder Beschichtungen kombinieren schwierig.

Kurioserweise könnte es ausgerechnet der Nachhaltigkeitstrend sein, der hier negative Konsequenzen hat: So nehmen Hersteller und Verbraucher im Zuge der Plastikdebatte Abstand von Einweg-Plastik. So weit, so gut – allerdings nutzen Firmen deswegen immer häufiger faserbasierte Verpackungen mit Kunststoffanteil, die in den Augen des Konsumenten die Anmutung von Pappe haben. Dieser Trend geht zulasten des Recyclings: Auch wenn eine Verpackung hauptsächlich aus Papier besteht, die Kunststoffbeschichtung begrenzt die Möglichkeiten des Recyclings. Häufig seien wiederverwertbare Kunststoffverpackungen aus Mono-Materialien aus ökologischen Gesichtspunkten zu bevorzugen, erklären Experten.

Übrigens ist Mono- nicht gleich Monomaterial: Dafür muss ein Material in Deutschland aus mindestens 95 Prozent eines "Hauptmaterials" bestehen. In Schweden sind es nur 50%, in vielen europäischen Ländern zwischen 50 und 85 Prozent;. Das macht herkömmliches stoffliches Recycling, also Verfahren mittels Schreddern und Einschmelzen, schwierig.

Ab in den Cracker statt schreddern und schmelzen

Daher arbeiten Kunststofferzeuger und Chemie gemeinsam an der Weiterentwicklung des chemischen Recyclings, um – ergänzend zu mechanischen Verfahren – die Kreislaufwirtschaft voranzubringen. Deshalb fordert Wolfgang Große Entrup, Hauptgeschäftsführer des VCI: „Die Branche setzt zur Schonung von Ressourcen und für den Klimaschutz auf Innovation und technologieoffenes Recycling. Dies erfordert Unterstützung durch Förderung und Anerkennung. In Zeiten der Corona-Pandemie fallen Unternehmen Investitionen in diesen Bereichen doppelt schwer.“

Tatsächlich haben die Auswirkungen der Covid-19-Krise 2020 auch die Kunststoffbranche hart getroffen. Immerhin: Der Trend weist auf eine vorsichtige Erholung hin. Nach einem starken Rückgang in der ersten Jahreshälfte hat sich die Kunststoffproduktion in Europa in der zweiten Jahreshälfte wieder erholt. Prognosen deuten darauf hin, dass sich die Erholung im letzten Quartal 2020 und im Laufe des Jahres 2021 fortsetzen wird. Das Vorkrisenniveau in Bezug auf Herstellung und Nachfrage bei Kunststoffen wird allerdings wahrscheinlich nicht vor 2022 erreicht werden.

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