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Studie analysiert Gründungsaktivität

Deutschen Chemie-Start-ups fehlt Zugang zu Wagniskapital

| Redakteur: Alexander Stark

Wenn es um die Ausstattung von Chemie-Start-ups mit Wagniskapital und die allgemeine Gründungsaktivität in der Chemieindustrie geht, liegt Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern deutlich zurück. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die das ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim und das Center für Wirtschaftspolitische Studien (CWS) der Leibniz Universität Hannover im Auftrag des Verbands der Chemischen Industrie (VCI) durchgeführt haben.

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Chemie-Start-ups in Deutschland sind unzureichend mit Wagniskapital ausgestattet, so eine ZEW-Studie.
Chemie-Start-ups in Deutschland sind unzureichend mit Wagniskapital ausgestattet, so eine ZEW-Studie.
( Bild: gemeinfrei / CC0 )

Berlin – Chemie-Start-ups in Deutschland versorgen die hiesige Branche mit innovativen Produkten und Dienstleistungen und stärken so den Wirtschaftszweig insgesamt. Die Kompetenz vieler Chemie-Start-ups besteht laut Dr. Christian Rammer im Angebot von Spezialprodukten, die in der industriellen Produktion zum Einsatz kommen, und von spezifischen Dienstleistungen für die etablierten Chemieunternehmen. Rammer ist Mitautor der vom VCI beauftragen Studie und stellvertretender ist Leiter des ZEW-Forschungsbereichs „Innovationsökonomik und Unternehmensdynamik“. Dr. Gerd Romanowski, Geschäftsführer Wissenschaft, Technik und Umwelt im VCI, ergänzte, dass die Stärke von Chemie-Start-ups für die Branche vor allem darin liege, sich an der Schnittstelle zwischen traditioneller Chemie und neuen Anwendungsgebieten zu positionieren, etwa bei digitalen Lösungen oder bei Plattformtechnologien.

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Vergleichsweise schwach aufgestellt sind die deutschen Chemie-Start-ups im europaweiten Vergleich, wenn es um Wagniskapitalinvestitionen geht. Während im Jahr 2018 in Europa insgesamt 54,5 Millionen Euro an Wagniskapital in Chemieunternehmen investiert wurden, entfielen davon auf Chemieunternehmen in Deutschland nur 2,4 Millionen Euro – der geringste Wert seit 2007. Das bislang höchste Volumen bei Wagniskapitalinvestitionen in deutsche Chemieunternehmen wurde im Jahr 2011 mit 34,5 Millionen Euro erreicht.

Im Zeitraum zwischen 2015 und 2018 gingen durchschnittlich rund 7 % aller Wagniskapitalinvestitionen in der Chemie-Branche in Europa an Unternehmen in Deutschland. Die Bundesrepublik rangiert damit auf Platz 7 hinter Großbritannien (19 %), den Niederlanden (16 %), Belgien (1  %), Frankreich (11 %), Spanien (10 %) und Norwegen (8 %) – ein erheblicher Rückgang gerade auch im historischen Vergleich: Im Zeitraum von 2007 bis 2010 lag Deutschland mit einem Anteil von 16 % noch an zweiter Stelle in Europa. Deutlich mehr Wagniskapital wurde zwischen 2015 und 2018 in Deutschland in die Digitalwirtschaft (46 %) sowie in die Biotech- und Gesundheitsbranche (19 %) investiert.

Im Vergleich mit den anderen beiden großen europäischen Chemie-Nationen Großbritannien und Frankreich falle die schwache Entwicklung der Wagniskapitalinvestitionen in Deutschland besonders stark ins Auge, so Christian Rammer. Auch in den meisten skandinavischen Ländern sowie den Niederlanden und Belgien komme laut Gerd Romanowski der Chemie mehr Bedeutung im jeweiligen nationalen Wagniskapitalmarkt zu als in Deutschland. Umso wichtiger sei es, dass der Gesetzgeber die Anreize zur Mobilisierung privaten Wagniskapitals verbessere. Ansonsten sieht Romanowski den Chemie-Forschungsstandort Deutschland gefährdet.

Gründungen in der deutschen Chemie- und Pharmaindustrie rückläufig

Die Wagniskapitalgeber deutscher Chemie-Startups konzentrieren sich vornehmlich auf die jungen Unternehmen, die Patente anmelden. Von den deutschen Chemie-Start-ups wurden bisher fast 550 Patente angemeldet. Allerdings weisen nur 25 % aller Chemie-Start-ups zumindest eine Patentanmeldung auf. Dieser relativ niedrige Anteil wird von den Studienautoren/-innen darauf zurückgeführt, dass die Mehrheit der Chemie-Start-ups mit Dienstleistungsangeboten am Markt aktiv ist. „Ein Patentschutz für Innovationen ist in diesem Bereich meist nicht möglich“, erklärt Christian Rammer. Auch melden viele der auf Forschung und Entwicklung (FuE) spezialisierten Start-ups keine Patente an, da sie FuE für Dritte durchführen und die FuE-Ergebnisse daher nicht selbst über Patente schützen können.

Schließlich zeigt die Studie, dass sich die Gründungszahlen in der deutschen Chemie- und Pharmaindustrie ungünstiger entwickelt haben als in anderen großen Volkswirtschaften Europas. Während in Deutschland die Gründungsrate von 2008 bis 2016 zurückging, stieg sie in der Chemie- und Pharmaindustrie der meisten europäischen Vergleichsländer an.

Unter Chemie-Start-ups fassen die Wissenschaftler/innen in ihrer Untersuchung junge Unternehmen zusammen, die auf Basis von chemiespezifischem Know-how und entsprechender Technologie innovative Produkte und Dienstleistungen zielgenau für die Chemieindustrie anbieten. Die für die Studie ausgewerteten Unternehmens-daten entstammen dem Mannheimer Unternehmenspanel des ZEW sowie einer Liste von Chemie-Start-ups, die das „Forum Startup Chemie“ erstellt hat. Insgesamt wurden 281 Chemie-Start-ups identifiziert, die Anfang 2019 wirtschaftsaktiv waren. Zentrales Merkmal dieser Start-ups ist die Innovationsorientierung.

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