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Übersicht Industriegase Das Flüchtige Glück: Industriegase und Technische Gase im Überblick

| Autor / Redakteur: Dominik Stephan* / Dominik Stephan

Manche Ausgangsstoffe kommen im Big Bag, andere in Druckflaschen. So wie technische Gase  –  Von der Lebensmittelherstellung bis zur Medizintechnik sind die flüchtigen Rohstoffe gefragt. Wir nahmen die Eröffnung einer CO2-Abfüllanlage zum Anlass, einmal einen tiefen Zug aus der Druckluftflasche zu nehmen. Das Ergebnis: Eine Übersicht der wesentlichen technischen und Industriegase, vom Edelgas zum Produkt der Luftzerlegung. Genauer hinschauen lohnt sich - Denn Gas ist nicht gleich Gas…

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( © sakura - Fotolia)

Es zischt leise – sonst ist nichts zu hören neben dem weißen Tankwagen im Industriepark Höchst. Der Fahrer erkennt lediglich am Bildschirm einer Fahrzeugwaage, dass gerade mehrere Tonnen CO2 in seinen Auflieger fließen. Wieder ein Zischen – dann sind 22 Tonnen des tiefkalten Flüssiggases im isolierten Tank verschwunden. Obwohl der Standort mitten in einem der größten Industrieparks liegt, ist außer dem Kraftfahrer niemand in der Nähe. Alles geschieht automatisch, aus der Ferne gemanagt und kontrolliert. Kurz darauf öffnet sich wie von Geisterhand die Schranke, und der Tanklaster setzt seine Reise fort. Vielleicht zu einer Chemieanlage, einem Pharmaunternehmen oder einer Getränkeabfüllung. CO2 wird immer gebraucht.

Der geräuschlose Vorgang ist für die Betreiberfirmen ein Stück Unabhängigkeit – in der Anlage wird CO2 nicht nur gelagert und verladen, es wird auch gereinigt und verflüssigt. Anders wäre das Gas für viele Anwendungen gar nicht nutzbar. An dem 5,3-Millionen-Euro-Projekt sind vier deutsche Gasspezialisten beteiligt: Westfalen aus Münster hält mit 50 % den Löwenanteil, den Rest übernehmen Basi Schöberl, die Sauerstoffwerk Friedrich Guttroff sowie Rießner-Gase. „Wir haben etwas geschaffen, auf das wir stolz sein können“, erklärt der Westfalen-Vorstandsvorsitzende Wolfgang Fritsch-Albert. „Eine Anlage, die den Mittelstand in die Lage versetzt, selbst CO2 zu produzieren – was jahrelang nicht der Fall war.“

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Ein gasförmiges Massengut

Der Stoff, um den es geht, könnte gewöhnlicher kaum sein: CO2 ist weder besonders selten, noch besonders teuer. Das Gas ist ein Massenprodukt, welches bei zahllosen Reaktionen in der Chemieindustrie quasi nebenbei als Abfallstoff anfällt.

Sei es die Ammoniaksynthese oder die Methanolherstellung: Bei der Wäsche des benötigten Synthesegases wird hochreines CO2 gewonnen. Auch beim Kalkbrennen enstehen jährlich hunderte Millionen Tonnen des farb- und geruchlosen Gases. Entsprechend dominieren die großen Chemiefirmen den Markt.

Gaslieferanten wie Westfalen beschränkten sich bislang auf die Rolle des CO2-Zwischenhändlers. Sie kauften das gereinigte Gas bei den Chemiefirmen auf und verteilten es an die Abnehmerbranchen. Diese Symbiose funktionierte bis zur Wirtschaftskrise hervorragend. Doch als die Chemieindustrie mangels Nachfrage die Produktion von Basischemikalien und Kunststoffvorprodukten drosselte, ging auch die verfügbare Menge CO2 schlagartig zurück. Die Gasfirmen standen vor einem Problem: Woher sollten die zusätzlichen Mengen an Schutzgas, Kohlensäure und Co. für ihre Kunden kommen?

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