Blauer Wasserstoff in Kanada Blau machen für den Wasserstoff: Netto-Null-CO2 auf die kanadische Art

Redakteur: Alexander Stark

Air Products plant Netto-Null-Wasserstoff-Energiekomplex in Kanada – In der kanadischen Provinz Alberta soll ein neuer Wasserstoff-Energiekomplex mit einem Investitionsvolumen von mehreren Milliarden Euro entstehen: Das Megaprojekt soll Edmonton zum Zentrum der Wasserstoffwirtschaft Westkanadas machen und die Voraussetzungen für das wettbewerbsfähigste und kohlenstoffärmste Wasserstoffnetz der Welt schaffen.

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Air Products plant gemeinsam mit der kanadischen Regierung und der Provinz Alberta den Bau eines bahnbrechenden neuen Netto-Null-Wasserstoff-Energiekomplexes. (Symbolbild)
Air Products plant gemeinsam mit der kanadischen Regierung und der Provinz Alberta den Bau eines bahnbrechenden neuen Netto-Null-Wasserstoff-Energiekomplexes. (Symbolbild)
(Bild: Air Products)

Wasserstoff soll für Kanada eine Schlüsselrolle bei der Erreichung der CO2-Neutralität bis 2050 spielen: Unter diesen Vorzeichen begann Air Products 2018 mit den Arbeiten an einem Energiekomplex im Großmaßstab in Edmonton. Den Auftakt des Megaprojekts macht eine Netto-Null-Wasserstoffproduktion und -verflüssigung, die 2024 in Betrieb gehen soll.

Dabei wird das leichte Gas nicht etwa per Elektrolyse aus Sonnen- oder Windstrom gewonnen: Der sogenannte „blaue“ Wasserstoff wird weiterhin aus fossilen Rohstoffen – die es in Kanada reichlich gibt – gewonnen, wobei jedoch der Kohlenstoffanteil aufgefangen wird. Wird dieser mittels Carbon-Capture-and-Storage etwa in Erdgasfelder eingepresst oder als hochreiner Kohlenstoff gelagert, kann „blauer“ Wasserstoff selbst nahezu klimaneutral sein. Damit ließe sich nicht nur der Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft erheblich beschleunigen, sondern auch bestehende Wertschöpfungsketten weiter nutzen, so die Hoffnung der Gas­industrie. In der Industrie findet das Konzept bereits Anklang: Auch der VCI macht sich für eine Übergangszeit für eine Nutzung der gesamten „Farbenlehre“ des Wasserstoffs stark.

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Konkret sollen in Edmonton mehr als 95 % des bei der Dampfreformierung entstehenden Kohlendioxids aufgefangen und unterirdisch gespeichert werden, erklären die Beteiligten. Auch entfernte Kunden im Landesinneren können direkt über eine dedizierte Wasserstoff-Pipeline mit dem „blauen“ Gas versorgt werden und so ihre Kohlenstoffintensität reduzieren. Außerdem soll der Wasserstoff in Alberta für Kraftstoffe im Transportsektor und die Erzeugung von Strom genutzt werden.

Das Projekt basiert auf einer innovativen Kombination bereits etablierter Technologien, erklärt Seifi Ghasemi, Chairman, President und Chief Executive Officer von Air Products: „Indem wir eine Vorreiterrolle einnehmen und in dieses innovative, wegweisende Projekt investieren, ebnen wir den Weg für Wasserstoff aus Edmonton, der den Bedarf der Industrie und des Transportwesens in ganz Westkanada decken soll.“ Das hochintegriertes Projekt soll dabei als Vorbild für die Netto-Null-Atmosphärengas-, Wasserstoff- und Stromproduktion dienen, so Ghasemi weiter.

Der Standort in Edmonton wurde strategisch gewählt, um eine Erweiterung des Energiekomplexes zu ermöglichen, erklären die Projektentwickler. Bewährt sich das Konzept, sollen weitere Netto-Null-Wasserstoff-Produktionsanlagen folgen, um die wachsende Nachfrage nach sauberem Gas zu decken. Da das bestehende Wasserstoff-Pipeline-Netz von Air Products auf Wachstum ausgelegt ist, kann die derzeitige Menge mehr als verdreifacht werden. Insgesamt will das Unternehmen mehr als 1.500 Tonnen Wasserstoff pro Tag produzieren und eine CO2-Abscheidung von mehr als drei Millionen Tonnen pro Jahr erreichen.

In Deutschland spielt blauer Wasserstoff bisher nur eine Nebenrolle: Während Erdgasproduzenten wie Norwegen und die Niederlande mit Infrastrukturaufbau beginnen, setzt die Bundesregierung auf „grünes“ Elektrolysegas. Rückendeckung bekommen die CCS-Befürworter hingegen vom nationalen Wasserstoffrat, der die Rolle von „Erzeugung beziehungsweise Import von blauem Wasserstoff als Brückenoption“ betont. dst

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