Essen (dpa) *15:35 Uhr – Zukunft von Evonik-Servicegeschäft weiter offen
Der Chemiekonzern Evonik hat weitere Einzelheiten zu der vor einem Jahr angekündigten Aufteilung der Sparte «Technology & Infrastructure» bekannt gegeben. Demnach werden bei der Aufspaltung der Sparte den Infrastruktur-Aktivitäten an den Standorten Marl und Wesseling 3.600 Beschäftigte zugeordnet. Dazu zählt Evonik unter anderem Dienstleistungen wie Logistik, technischen Service, Werkstätten und Werkschutz.
Was mit diesem Servicegeschäft geschieht, ist nach Angaben eines Sprechers noch offen. Es würden weiterhin alle Optionen geprüft. Im September 2023 hatte Evonik als Möglichkeiten einen vollständigen Verbleib im Konzern über Partnerschafts- und Joint-Venture-Modelle bis hin zur Abgabe genannt. «In Zukunft könnte ein Teilverkauf oder ein Verkauf der ganzen Einheit möglich sein», sagte der Sprecher. Die Technologie-Einheit soll im Konzern bleiben.
Evonik beschäftigt aktuell rund 32.000 Menschen. Durch eine Straffung der Verwaltung will der Konzern bis Ende 2026 rund 2.000 Stellen einsparen. Schon länger geplant ist auch der Verkauf des Polyestergeschäfts mit 400 Stellen und der sogenannten C4-Chemie mit rund 1.000 Stellen. In diesem Bereich stellt Evonik unter anderem Antiklopfmittel oder Weichmacher her. Die Umbaupläne summieren sich auf 7.000 Stellen, die direkt betroffen sein könnten.
Evonik will weiterhin bis 2032 keine betriebsbedingten Kündigungen aussprechen. Ein Sprecher betonte, dass es bei Verkäufen von Unternehmensteilen eine Grundbedingung sei, dass Arbeitnehmerrechte bei potenziellen Käufern den gleichen Stellenwert genießen wie bei Evonik.
Die Chemie-Gewerkschaft IGBCE forderte, dass der Evonik-Umbau sozialverträglich organisiert wird. Die Transformation von Evonik dürfe nicht nur Abbau und Ausgliederung, sondern müsse auch Investition und Modernisierung bedeuten, erklärte IGBCE-Vorstand Alexander Bercht laut einer Mitteilung.
Er betonte, dass zu einer möglichen Ausgliederung des Infrastrukturgeschäfts in Marl und Wesseling noch keinerlei Entscheidungen gefallen seien. «Wir bestehen darauf, alle Szenarien ergebnisoffen zu prüfen. Klar ist, dass den 3.600 Beschäftigten des Bereichs in keinem Szenario Nachteile bei Entgelt, Mitbestimmung oder Tarifbindung entstehen dürfen.»
Evonik will die Konzernstruktur in den kommenden Jahren grundlegend umbauen. Am Freitag teilte das Management mit, dass die bisherigen Geschäftsbereiche ab April 2025 in den zwei neuen Sparten «Custom Solutions» und «Advanced Technologies» aufgehen werden.
Durch den Schritt fällt eine komplette Führungsebene im Konzern weg. Die Essener hatten den Organisationsumbau schon angekündigt. Das Unternehmen soll dadurch insgesamt schneller, schlanker und profitabler werden. Die Geschäfte in der neuen Sparte «Custom Solutions» sieht Evonik eher in Nischenmärkten mit spezifischen Produkten für die Kunden. Dazu zählen etwa Zusätze für Lacke und Beschichtungen sowie Produkte für die Kosmetik- und Pharmaindustrie.
Die Sparte «Advanced Technologies» soll sich im Wettbewerb vor allem durch niedrige Kosten behaupten. Hergestellt werden in diesem Segment etwa Hochleistungskunststoffe und die Chemikalie Wasserstoffperoxid. Beide Sparten erzielen jeweils einen Jahresumsatz von rund sechs Milliarden Euro.
Größter Anteilseigner des Chemiekonzerns ist mit 47 Prozent die RAG-Stiftung. Sie ist zuständig für die Finanzierung der Folgekosten aus dem 2018 eingestellten deutschen Steinkohlenbergbau, den «Ewigkeitsaufgaben».
Die deutsche Chemie- und Pharmaindustrie schaut nach einem durchwachsenen Jahr wenig optimistisch auf 2025. Die Produktion dürfte im kommenden Jahr leicht um 0,5 Prozent wachsen und der Umsatz stagnieren, teilte der Verband der Chemischen Industrie (VCI) in Frankfurt mit. Es fehle weiter an Aufträgen, sodass die Produktionsanlagen schlecht ausgelastet seien.
Unter den Unternehmen ist die Stimmung nach einer repräsentativen VCI-Umfrage gemischt: Während gut ein Viertel der Firmen 2025 einen Anstieg der Erträge erwartet, rechnen weitere 26 Prozent mit gleichbleibenden Erträgen und 46 Prozent mit einem Rückgang.
Stand: 08.12.2025
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Die Chemieindustrie leidet besonders unter den im internationalen Vergleich hohen Energiekosten in Deutschland. Angesichts der schwachen Konjunktur drosseln zudem viele Industrieunternehmen ihre Produktion, was sich auf die Nachfrage nach Chemieprodukten durchschlägt.
Im laufenden Jahr erwartet der VCI einen Umsatzrückgang von zwei Prozent auf 221 Milliarden Euro, insbesondere im Heimatmarkt liefen die Geschäfte schlecht. Die Produktion in der Chemie- und Pharmaindustrie wuchs um zwei Prozent, blieb aber deutlich unter Vorkrisenniveau.
«Der einzige Lichtblick ist, dass sich die rasante Talfahrt der letzten beiden Jahre nicht fortgesetzt hat», sagte VCI-Präsident Markus Steilemann. Er forderte einen «wirtschaftspolitischen Befreiungsschlag» mit der vorgezogenen Bundestagswahl am 23. Februar.