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Automatisierung Yokogawas Transformation

| Redakteur: Gerd Kielburger

Der japanische Automatisierungskonzern Yokogawa passt sich dem Veränderungsdruck in seinen Kundensegmenten an und erweitert gleichzeitig seine Lösungspalette mit synaptischen Leistungsindikatoren. Auch in der Biopharmabranche will man neue Wege gehen. Ein Achema-Hintergrundgespräch.

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Yokogawas Präsident und CEO Takashi Nishijima (Bildmitte) im Gespräch mit PROCESS-Chefredakteur Gerd Kielburger (rechts): „Unsere OpreX Profit-driven Operation Solution soll helfen das Gleichgewicht zwischen widersprüchlichen Zielen zu optimieren und damit die Rentabilität im Unternehmen fördern.“
Yokogawas Präsident und CEO Takashi Nishijima (Bildmitte) im Gespräch mit PROCESS-Chefredakteur Gerd Kielburger (rechts): „Unsere OpreX Profit-driven Operation Solution soll helfen das Gleichgewicht zwischen widersprüchlichen Zielen zu optimieren und damit die Rentabilität im Unternehmen fördern.“
(Bild: Yokogawa)

Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist. Getreu diesem Zitat von Henry Ford, verändern sich im Kontext der Digitalisierung aktuell nicht nur Anwender und Betreiber in der Prozessindustrie, auch deren Anbieter von Automatisierungs-, Mess- und Regeltechnik überdenken ihr Produkt- und Dienstleistungs-Portfolio. Beratungsleistung bekommt auch bei den Main Automation Vendors einen völlig neuen Stellenwert.

Beim japanischen Automatisierungskonzern Yokogawa etwa hat der gezielte Transformationsprozess schon vor mehr als zwei Jahren mit der Übernahme des Softwareunternehmens KBC Advanced Technologies und seiner Simulations- und Beratungskompetenz im Bereich der Ethylen- und Petrochemieproduktion begonnen. Durch die Kombination des verfahrenstechnischen Know-hows von KBC mit dem Automatisierungs-Know-how von Yokogawa konnten die Japaner ihre Opre X Profit-driven-Operation-Lösung entwickeln, die zur Achema präsentiert wurde. Was verbirgt sich dahinter? Basierend auf einer Methodik von zusammenhängenden Leistungsindikatoren, soll die Lösung – gepaart mit langjährigem Fachwissen – eine nahtlose Abstimmung mit den Zielen des Anlagenmanagements im gesamten Kundenunternehmen – vom Betriebsbereich bis zur C-Suite ermöglichen.

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Wie Yokogawas Präsident und CEO Takashi Nishijima auf der Achema im Hintergrundgespräch erklärt, soll diese Lösung dem Kunden dabei helfen „das Gleichgewicht zwischen widersprüchlichen Zielen zu optimieren und damit helfen die Rentabilität beim Anwender zu steigern“. Daraus entstanden ist ein neues Performance Dashboard sowie zugehörige und speziell für die Betriebsebene entwickelte Dienstleistungen. „Opre X Profit-driven Operation Solution“ wurde zunächst für die Öl-/Gas-Industrie und Petrochemie optimiert, aber schon bald sollen Lösungen für LNG- und Basis-Chemieanlagen sowie Düngemittelproduktion und Kraftwerke folgen.

KPIs zwischen C- und Betriebsebene verbinden

„Wir haben festgestellt, dass die Key-Performance-Indikatoren (KPI) der obersten Führungsebenen (CEO und COO) für unsere Kunden immer sehr positiv bewertet wurden, sich gleichzeitig aber völlig von den KPIs auf der Betriebsebene unterschieden haben“, erklärt Satoru Kurosu, Executive Vice President bei Yokogawa, die Problemstellung. Führungskräfte hätten trotz erheblicher IT-Investitionen dennoch oftmals keine wirkliche Transparenz darüber, was in ihren Werken eigentlich geschieht. Kommunizierte Ziele würden darüber hinaus auf operativer Ebene nicht immer klar verstanden, so Kurosu. Um diese kritischen Probleme zu lösen, hat man bei Yokogawa eine Unternehmens-übergreifende Methodik der Leistungskennzahlen entwickelt, die den Anwendern die nötige Transparenz und Ausrichtung zwischen Sicherheit, Produktion, Gewinn, Energieverbrauch und Zuverlässigkeit bieten soll.

KPIs aller Ebenen sind so miteinander verbunden. Mehrere hundert Kennzahlen, die der japanische Konzern selbst als synaptische Leistungsindikatoren (SPIs) bezeichnet, werden auf der Ebene des Anlagenbetriebs, des Engineerings und des Top-Managements z.B. im Raffineriebetrieb gesammelt, basierend auf fundiertem Wissen darüber, wie sie die Anlagenleistung beeinflussen. „Wir gleichen all diese Informationen ab und können so den Betrieb der Anlage in Echtzeit optimieren“, verspricht Kurosu.

Doch die Transformation des bestehenden Yokogawa-Geschäfts beinhaltet auch den Aufbau eines völlig neuen Geschäftsfelds.Erst im April dieses Jahres wurde die Struktur für das neue Life Innovation Business aufgesetzt. Was sich dahinter verbirgt ist ein radikaler Erweiterungsprozess, um sich im Segment der Pharma- und Lebensmittelindustrie stärker zu etablieren – und zwar nicht nur im Bereich der bisherigen Yokogawa-Kernkompetenz Automatisierung, sondern über einen großen Teil der Lieferkette, von der Forschung und Entwicklung bis hin zur Produktion.

Auch hier wurde der Samen bereits vor etwa zehn Jahren gesät, als die Japaner ein System zur Abbildung lebender Zellen entwickelten – ein wissenschaftliches F&E-Tool, um zu verstehen, wie Medikamente lebende Zellen – etwa bei der Krebsforschung – beeinflussen. Ab sofort vermarktet Yokogawa daher Technologien, um etwa Zellaktivitäten zu messen, das Verhalten von Zellen in mehreren Stunden vorherzusagen und den Stoffwechsel von Zellen für die Produktion zellbasierter biologischer Medizin optimal zu steuern. Ein wichtiger Meilenstein für den ehemaligen Main Automation Vendor auf dem Weg zum Lösungsanbieter für eine immer anspruchsvoller werdende Prozessindustrie. Konzernchef Nishijima ist sich sicher: „Unsere Technologie wird die F&E-Ergebnisse hinsichtlich Effizienz und Stabilität in der Biopharma-Produktion deutlich verbessern“.

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