Exklusivinterview mit Jörg Engelmann, CAC „Wir können sofort die CO2-Emission bis zu 90 Prozent senken“

Redakteur: Dominik Stephan

Die Prozessindustrie ist nicht unabhängig von wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen: Obwohl die Corona-Krise sich auch in den Auftragsbüchern der Anlagenbauer bemerkbar macht, bleibt Jörg Engelmann, Geschäftsführer von Chemieanlagenbau Chemnitz (CAC) zuversichtlich. Dank nachhaltiger Technologien, schlanker Prozesse und natürlich dem nötigen Spritzer guter Ideen wollen die Anlagen-Experten aus Sachsen 2021 zum Jahr des Durchstartens machen. Mit ihren Power-to-X-Prozessen haben die Chemnitzer jedenfalls ein Ass im Ärmel...

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"Lassen Sie uns die Herausforderungen der Gegenwart mit unserem Slogan „Always an idea ahead“ gestalten, um für die Zukunft gewappnet zu sein!" - Jörg Engelmann, Geschäftsführer bei CAC Chemieanlagenbau Chemnitz
"Lassen Sie uns die Herausforderungen der Gegenwart mit unserem Slogan „Always an idea ahead“ gestalten, um für die Zukunft gewappnet zu sein!" - Jörg Engelmann, Geschäftsführer bei CAC Chemieanlagenbau Chemnitz
(Bild: CAC)

1. PROCESS: Herr Engelmann, wie beurteilen Sie den Status Quo für die Prozessindustrie in Deutschland und Europa?

Jörg Engelmann: Die Prozessindustrie ist (leider) schon immer stark von weltweiten politischen und wirtschaftlichen Entscheidungen abhängig, denken Sie an Sanktionen, Korruption, Rohölpreise oder die rezessive Wirtschaft, die z.B. in Russland die Investitionsfreudigkeit unserer Kunden hemmt. Die Pandemie kommt nun seit einem Jahr noch dazu und keiner weiß die langfristigen Folgen für die Prozessindustrie abzuschätzen. Wir spüren dies durch eine geringe Nachfrage an Projekten für die Modernisierung oder den Neubau von Produktionsanlagen. Das fordert allen Beteiligten einen langen Atem ab.

2. PROCESS: Was hat Ihnen 2020 geholfen, den Betrieb trotz aller Einschränkungen am Laufen zu halten?

Engelmann: Flexibilität, Vertrauen und ein guter Auftragsvorlauf aus 2019: Dazu zählen etwa ein großvolumiger EPCm-Auftrag von Ineos Phenol für eine Cumolanlage im Chemiepark Marl sowie die Übergabe schlüsselfertig errichteter Anlagen zur Herstellung von Kieselsäure bzw. Natronlauge und Chlor an Grace in Deutschland sowie Bondalti in Spanien. Außerdem konnten wir einen Auftrag zur Modernisierung einer Chlorelektrolyseanlage für unseren langjährigen Kunden Sajanskkhimplast in Russland, trotz aller pandemiebedingter Umstände, kurz vor den Weihnachtsfeiertagen erfolgreich abschließen.

Das war alles nur möglich, weil wir uns gemeinsam mit unseren Mitarbeiter:innen und Geschäftspartnern, ob auf der Baustelle oder im Büro, flexibel den jeweiligen Maßnahmen und Umständen angepasst haben und sowohl privat als auch beruflich nach Lösungen geschaut haben. Dafür bin ich sehr dankbar.

Das war alles nur möglich, weil wir uns gemeinsam mit unseren Mitarbeiter:innen und Geschäftspartnern, ob auf der Baustelle oder im Büro, flexibel den jeweiligen Maßnahmen und Umständen angepasst haben und sowohl privat als auch beruflich nach Lösungen geschaut haben.

3. PROCESS: Was stimmt Sie in diesem Umfeld optimistisch?

Engelmann: Mich stimmt optimistisch, dass wir unsere Weichen rechtzeitig gestellt haben für unsere innovative Prozesstechnologie zur Herstellung von klimaneutralen, synthetischen Kraftstoffen. Von namhaften Automobilherstellern getestet und empfohlen, marktreif und für den industriellen Großanlagenbau ausgelegt, können wir sofort die CO2-Emission bis zu 90 Prozent durch E-Fuels senken. Ergänzend haben wir unser Portfolio auch um den Bereich der Wasserelektrolysen als Bestandteil der Technologiekette zur Reduktion der CO2-Emissionen erweitert. Eine Pilotanlage haben wir im Rahmen des internationalen Forschungsprojektes ALIGN CCUS bereits erfolgreich getestet. Wir schauen lösungsorientiert nach vorn, entwickeln uns stetig weiter und sind im regelmäßigen Austausch mit unseren Kunden, Lieferanten und Mitarbeiter:innen. Mit diesen Eckpfeilern sind wir als CAC gut gewappnet, diese weltweit bestimmende Krise gestärkt zu überstehen.

4. PROCESS: Welche Weichen müssen jetzt gestellt werden, damit Ihr Unternehmen die Schatten der Krise endgültig abschütteln kann?

Engelmann: Bezugnehmend auf unsere Technologiekompetenz zur Herstellung von synthetischen Kraftstoffen müssen zwingend die gesetzlichen Grundlagen bzw. Anpassungen u.a. im Bundesemissionsschutzgesetz (BImSchg) auf Basis der entsprechenden EU-Richtlinien und die Anrechnung der CO2--Einsparung auf die Flottenwerte der Automobilindustrie geschaffen werden. Hierbei fordern wir die Technologieoffenheit durch die Politik ein, da allein mit der Elektromobilität die Klimaziele nicht erreicht werden.

Des Weiteren bauen wir auf das BMWi und hoffen auf Berücksichtigung bei der Förderinitiative „Technologieoffensive Wasserstoff“, welche wir mit einem Antrag gemeinsam mit Projektpartnern bedient haben.

5. PROCESS: Haben sich Arbeitsweisen geändert? Wenn ja, welche dieser Veränderungen wird auch über die Corona-zeit hinaus Bestand haben?

Engelmann: Die Video- und Telefonkonferenzen haben signifikant zugenommen – unerlässlich, um den engen Kontakt beizubehalten. Der digitale Austausch mit Lieferanten und Kunden wird auch über die Corona-zeit hinaus Bestand haben. Wir haben dafür vorrangig in Hard- und Software investiert, damit unsere Mitarbeiter:innen mobil von zu Hause arbeiten können. Des Weiteren haben wir unser IT-Projekt „CAC4Future“ angeschoben, im Zuge dessen wir uns für ein intelligentes ERP-System entschieden haben und eine Reihe von Arbeitsprozessen neu integrierent werden.

6. PROCESS: Wie kann die Industrie 2021 vom Reagieren zurück zum Gestalten kommen?

Engelmann: Wir denken, dass wir mit unseren Technologiekompetenzen für die Herstellung klimaneutraler, synthetischer Kraftstoffe einen wichtigen Beitrag leisten können, den Prozess der CO2--Reduzierung im Rahmen der Energiewende aktiv zu begleiten. Dazu müssen nur noch die politischen Weichen gestellt werden.

Wir denken, dass wir mit unseren Technologiekompetenzen für die Herstellung klimaneutraler, synthetischer Kraftstoffe einen wichtigen Beitrag leisten können, den Prozess der CO2-Reduzierung im Rahmen der Energiewende aktiv zu begleiten.

6. PROCESS: Welche persönlichen Worte möchten Sie Kolleg*innen in Ihrem Unternehmen mit auf den Weg geben ?

Engelmann: Lassen Sie uns die Herausforderungen der Gegenwart mit unserem Slogan „Always an idea ahead“ gestalten, um für die Zukunft gewappnet zu sein!

PROCESS: Herzlichen Dank, Herr Engelmann, für diese Mut machenden Worte.

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