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IGR-Erfahrungsaustausch 2019

Wie managt man technisches Wissen in der Prozessindustrie?

| Redakteur: Alexander Stark

Über 140 Fachleute aus Mitgliedsunternehmen und -verbänden haben auf dem diesjährigen IGR-Erfahrungsaustausch Technik gemeinsam die Folgen und Chancen einer digitalisierten Produktion beleuchtet.

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Beim IGR-Erfahrungsaustausch 2019 ging es um das Management von technischem Wissen in der Prozessindustrie.
Beim IGR-Erfahrungsaustausch 2019 ging es um das Management von technischem Wissen in der Prozessindustrie.
(Bild: IGR)

Frankfurt am Main – Die Interessengemeinschaft Regelwerke Technik (IGR) e.V. lud im September zur Diskussion über veränderte Produktionsweisen und Geschäftsmodelle im Rahmen der Chemie 4.0 ein. Vorstandsvorsitzender betonte bei der Begrüßung, dass sich der IGR der stetig wandelnden Herausforderungen annehme und seine Mitgliedsunternehmen dabei unterstützen würde, compliant- und zugleich kostenbewusst zu arbeiten. Den Know-how-Transfer schließe das ein, um bei Personalwechseln das erreichte Wissensniveau zu sichern und weiter zu steigern. „Technisches Wissensmanagement in der Prozessindustrie“, das diesjährige Motto der Veranstaltung, stellte dieses Ansinnen der Interessengemeinschaft in den Fokus.

Der erste Tag widmete sich u.a. Strategien zur Nachrüstung von Industrie 4.0 für bestehende Brownfield-Anlagen. Während in der Fertigungsindustrie 30 verschiedene echtzeitfähige Produkte zum Vernetzen von Daten erhältlich sind, sucht die Prozessindustrie noch nach einer optimalen Zweidraht-Lösung – beispielsweise für den Ethernet-Standard. Thomas Tauchnitz betonte in seinem Vortrag, dass Daten ohne Kontext wertlos seien und Kontext Standards brauche. Ein Digitaler Zwilling einer Anlage nütze nur, wenn dieser die Gesamtheit der Anforderungen abbilde. Weitere Themen waren die Additive Fertigung als neuer Impulsfaktor für die Branche und der Wandel der Arbeitswelt durch die zunehmende Digitalisierung.

Am zweiten Tag gab es dann Vorträge aus den vier IGR-Kompetenzcentern EMR-Technik, Mechanik & Verfahrenstechnik, Prozesssicherheit und Werkstofftechnik.

Von Rohrklassen-Systemen bis zu 5 G-Technologie

Im Fokus der EMR-Technik standen die Einführung der neuen VDI/VDE 2180 für die Planung und den Betrieb von PLT-Sicherheitseinrichtungen in Prozessanlagen. Weitere Vorträge gab es zur Stördatenauswertung aus Sicht der Funktionalen Sicherheit, zu Cyber-Security, automatisierte Rückdokumentation bei Gerätetausch, plattformunabhängige Condition-Monitoring-Systeme sowie zur 5G-Technologie als Enabler und Kraftverstärker der digitalen Transformation in der Prozessindustrie.

In der Mechanik & Verfahrenstechnik und der Werkstofftechnik ging es unter anderem um Armaturenklassen in neuen europäischen EN-Rohrklassen-Systemen, die Herstellung von Auffangräumen und Dichtflächen in Lager- und Produktionsstätten sowie die Einführung von optimierten längsnahtgeschweißten Rohren in der chemischen Industrie. Auch die Chancen und Möglichkeiten der Additiven Fertigung – zum Beispiel für die Herstellung von komplexen Strukturen im Apparate- und Anlagenbau – wurden thematisiert, ebenso wie die werkstofftechnische Untersuchung des Gefüges und Korrosionsverhaltens Bauteilen aus dem 3D-Druck.

In der Vortragsreihe zur Prozesssicherheit ging es vor allem um Safety-Komponenten und weitere Maßnahmen für die Anlagensicherheit. Experten berichteten beispielsweise über Ursache und Lösung beim Versagen einer Berstscheibe, den Trockenlaufschutz von Kreiselpumpen im Ex-Bereich oder die Absicherung von Reaktoren und Durchgehreaktionen in der Prozessindustrie.

Austausch und DIN-Ehrennadel für Teilnehmerin

Zwischen den Vorträgen und beim gemeinsamen Abendessen hatten die Teilnehmenden ausgiebig Zeit, die Vortragsthemen zu diskutieren und sich auszutauschen. Dr. Hans-Jürgen Henkel, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Vereins erklärte, dass de IGR ihren Mitgliedern helfe, sich gegenseitig zu helfen. Jedes Mitglied leiste einen Teil der Arbeit, erhalte aber alle Ergebnisse. Etwa 350 Fachleute engagieren sich derzeit ehrenamtlich für nachhaltiges Wissensmanagement sowie das aktive Verfolgen und Entwickeln von ca. 4000 technischen Regelwerken. Der Erfahrungsaustausch Technik ist ein zentraler Bestandteil der Verbandsarbeit. So sind Mitglieder gut gerüstet für die aktuellen und künftigen Herausforderungen in der chemisch-pharmazeutischen Industrie.

Im Rahmen der Veranstaltung gab es noch eine ganz besondere Würdigung für Anne-Christine Bern, Mitarbeiterin des IGR-Mitgliedunternehmens Siemens und tätig im Kompetenzcenter Mechanik und Verfahrenstechnik. Dr. Hartmut Strauss, Mitglied des DIN-Vorstandes, überreichte ihr die goldene DIN-Ehrennadel für den herausragenden und jahrzehntelangen Einsatz für die Normung. Sie ist unter anderem sehr engagiert in Normungsthemen wie Flanschverbindungssystemen und Symbolen für Fließbilder in Prozessanlagen. Zudem arbeitet Anne-Christine Bern federführend in relevanten Gremien an der Umsetzung der TA-Luft mit sowie an der EG-Maschinenrichtlinie und der Umsetzung der Betriebssicherheitsverordnung in die betriebliche Praxis.

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