Flanschverbindungen nach DIN EN 1591-4 montieren Wie Flansche richtig verschraubt werden

Autor / Redakteur: Heiko Wenke* / Wolfgang Ernhofer

Kein Chemiewerk ohne Flanschverbindungen. Doch deren Montage – speziell bei druckbeaufschlagten Rohrleitungen – ist nichts für Laien. Darum hat der Gesetzgeber die Anforderungen deutlich verschärft. Was bei Erstellung, Betrieb und Instandhaltung der Flansche gemäß DIN EN 1591-4 zu beachten ist, erfahren Anwender in neuen Trainings.

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Das aufgebrachte Drehmoments wird mittels Drehmoment-Knickschlüssel überprüft.
Das aufgebrachte Drehmoments wird mittels Drehmoment-Knickschlüssel überprüft.
(Bild: Atlas Copco Tools)

Fehlerhaft montierte Dichtverbindungen sind nicht nur ein Ärgernis, sondern auch ein Risiko. Mängel in Schraubverbindungen bilden eine der Hauptursachen für Leckagen in der Prozessindustrie. Versagt eine Flanschverbindung in der Anwendung, drohen neben unnötigen Kosten vor allem Produktionsverluste, Umweltbelastungen und sogar Explosionsrisiken. „Darum sollten Dichtverbindungen in druckbeaufschlagten Systemen nur durch sachkundiges, allgemein befähigtes Personal vorgenommen werden“, sagt Wilfried Kampen, der bei Atlas Copco Tools als Fachreferent für Seminare und Trainings tätig ist. Denn wenn montierte Verbindungen über ihre gesamte Betriebslebensdauer „richtig dicht“ bleiben, habe qualifiziertes Personal den maßgeblichen Anteil hieran. Laut Kampen habe das auch der Gesetzgeber erkannt, weshalb sich hier wichtige Änderungen ergeben.

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Bisher reichten eine Berufsausbildung als Techniker oder schlicht längere Erfahrung aus, um ohne zusätzliche Qualifizierung die Montage von Flanschverbindungen vorzunehmen. Eine relativ neue Norm sieht das anders: Die DIN EN 1591-4 „Qualifizierung der Befähigung von Personal zur Montage von Schraubverbindungen in druckbeaufschlagten Systemen im kritischen Einsatz“ löste die bisher gültige DIN CEN/TS 1591-4 ab.

Qualifizierung von Vorgesetzten

Im Unterschied zu ihrer Vorläufer-Norm gilt die DIN EN 1591-4 nicht nur für das Montagepersonal und für Verschraubungsmonteure, sondern auch für deren Vorgesetzte, die verantwortlichen Ingenieure und die technische Leitung. Sie regelt die Qualifizierung in einem modularen System, in dem über die Grundqualifizierung hinaus weitere Schulungen absolviert werden können.

Insgesamt sieht die neue Norm elf unterschiedliche Module mit zielgruppenspezifischen Inhalten vor, um allen Entscheidungsebenen die bestmögliche Fachkompetenz an die Hand zu geben. Neu ist außerdem, dass spätestens nach fünf Jahren die Befähigung der jeweiligen Mitarbeiter erneut nachgewiesen werden muss.

„Den meisten Industrie- und Dienstleistungsbetrieben ist die Umsetzung der Qualifizierungsmaßnahmen gemäß DIN EN 1591-4 natürlich nicht aus dem Stegreif möglich“, ist Kampen klar. Doch er und seine Kollegen können mit entsprechenden Trainings der Unternehmens-Akademie helfen.

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