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Anlagenbau-Projekte

Weltweite Anlagenbau-Projekte

27.10.2008 | Autor / Redakteur: Frank Jablonski / Frank Jablonski

Lanxess will die Kapazitäten seiner Produktionsanlage für Basischemikalien in Leverkusen um 60 Prozent aufstocken. Bild: Lanxess
Lanxess will die Kapazitäten seiner Produktionsanlage für Basischemikalien in Leverkusen um 60 Prozent aufstocken. Bild: Lanxess

Während im Sog der weltweiten Finanzkrise auch negative Auswirkungen auf die sogenannte Realwirtschaft eintreffen, gelten im Großanlagenbau andere Gesetze. So gibt es auch in Europa derzeit genügend interessante Projekte der Großchemie.

Manche bezeichnen die Lage im deutschen Maschinen- und Anlagenbau als dramatisch: Der Auftragseingang lag im Juli 2008 um acht Prozent unter dem Ergebnis des Vorjahres. Das Inlandsgeschäft sank um ein Prozent. Bei der Auslandsnachfrage gab es ein Minus von elf Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Diese Negativ-Zahlen legte der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) im Sommer vor, versuchte jedoch postwendend, die Zahlen zu relativieren: „Die Inlandsorders rutschten nur marginal unter das beeindruckende hohe Niveau des Juli 2007“, sagte VDMA Chefvolkswirt Dr. Ralph Wiechers. Die Auslandsnachfrage sei zwar auf den ersten Blick deutlich gesunken. Allerdings sei dieses Ergebnis durch einen Basiseffekt verzerrt, so Wiechers weiter: „Im Juli 2007 gab es extrem viel Großanlagenorders aus dem Ausland, die sich in diesem Ausmaß im Juli 2008 nicht wiederholt haben.“

Sieht man sich speziell den Auftragseingang der Chemieanlagenbauer an, die in der Arbeitsgemeinschaft Großanlagenbau (AGAB) organisiert sind, so fällt auf, dass sich die Bestellungen von Juli 2007 bis Juni 2008 auf 2,1 Milliarden Euro summierten – 46 Prozent unter dem Rekordwert des Jahres 2007 (3,9 Mrd. Euro).

Das Weltmarktvolumen im Chemieanlagenbau liegt derzeit bei rund 70 Milliarden Euro und der deutsche Anteil davon bei rund 15 Prozent. Die weltweite Nachfrage nach Chemieanlagen wuchs in den vergangenen drei Jahren mit durchschnittlichen Raten von 20 bis 25 Prozent und damit etwa im selben Tempo wie der gesamte Großanlagenbau.

Und auch wenn man einen Blick in die Großanlagenbau-Datenbank GROAB (www.groab.de) wirft, sieht man schnell: auch in diesem Jahr brummt der weltweite Großanlagenbau. So verzeichnet die Datenbank allein in den letzten vier Wochen begonnene oder geplante Bauvorhaben in Milliardenhöhe. Zugegeben, die größten Projekte laufen weltweit und ohne die Beteiligung deutscher Unternehmen. Doch selbst wenn man die riesigen Anlagen der Petrochemie wie die von Bechtel geplante LNG-Anlage in Gladstone, Queensland/Australien (mit 14 Mrd. Euro) oder den Petrochemiekomplex von Petrobas in Brasilien (mit fast sechs Milliarden Euro) herausrechnet, bleiben noch genügend interessante Projekte unter deutscher Beteiligung übrig.

Meilenstein in Deutschland gelegt

Beispielsweise hat Ticona im Industriepark Höchst mit dem Bau einer neuen Produktionsanlage für technische Kunststoffe begonnen. Im Jahr 2011, so der GROAB-Datenbankeintrag, soll die Anlage die bisherige Polymerproduktion in Kelsterbach ersetzen. „Der Bau der Anlage zur Produktion technischer Kunststoffe im Industriepark Höchst ist für Ticona ein wichtiger Meilenstein“, sagte Sandra Beach Lin, Executive Vice President Celanese und President Ticona. Und dieser Meilenstein wird eben nicht irgendwo, sondern in Deutschland gelegt. Wie man hört, sind die sehr gute Infrastruktur und die Rahmenbedingungen in Punkto Sicherheit, Kosteneffizienz, Qualität und Verfügbarkeit der Ver- und Entsorgungseinrichtungen für den Industriepark Höchst entscheidende Faktoren gewesen.

Dimensionen des Bauprojektes

Die neue Anlage hat alles, was eine World-Scale-Produktion braucht und wartet mit entsprechenden Zahlen auf: auf einem zehn Hektar großen Areal im Südwesten des Industrieparks Höchst baut Ticona die Produktion, das Technikum und die Abteilung Forschung und Entwicklung. 4000 Kubikmeter Beton, 600 Kilometer Kabel, 10 000 Tonnen Stahl sowie Rohrleitungen von 100 Kilometern Länge stehen auf der Liste der Planer. Am Ende soll ein Ausstoß von 140 000 Tonnen Hostaform-Kunststoffen pro Jahr erzeugt werden.

Solche Zahlen sind für die Anlagenbauer von Uhde tägliches Geschäft. Uhde ist besonders präsent, wenn es um den Bau von Düngemittelanlagen geht. Jüngst wurden die Dortmunder vom algerischen Unternehmen Sorfert Algérie mit Leistungen für Lizenz, Engineering und Lieferung eines großen Düngemittelkomplexes in Algerien beauftragt. „Der aufgrund seines großen Auftragsvolumens historische Auftrag für unser Unternehmen zeigt einmal mehr das große Vertrauen, das Uhde mit seinen technologisch führenden Anlagen in der Düngemittel-Industrie genießt“, ordnet Klaus Schneiders, Vorsitzender der Uhde-Geschäftsführung den Auftrag ein.

Die Algerier investieren rund zwei Milliarden Dollar in den neuen Düngemittelkomplex, der aus zwei Ammoniak-Anlagen mit einer Produktionskapazität von jeweils 2200 Tonnen pro Tag und einer Harnstoff-Anlage mit einer Produktionskapazität von 3450 Tonnen pro Tag besteht. Hinzukommen zahlreiche Hilfs- und Nebenanlagen, darunter die notwendigen Anlagen für Lagerung und Versand. Bereits im Jahr 2011 sollen hier die ersten Lastwagen rollen. Mit der Harnstoff-Düngemittelproduktion von jährlich mehr als 1,1 Millionen Tonnen und rund 750 000 Tonnen Ammoniak-Überschuss wird Sorfert Algérie vorwiegend die Exportmärkte bedienen. Als Rohstoff wird das im eigenen Land gewonnene Erdgas eingesetzt.

Die Nachfrage nach Spezialitäten stimmt

Beim Traditionsunternehmen unter neuer Flagge, Lanxess, steht der größte Anteil der Anlagen in Deutschland. Und diese werden weiter ausgebaut: In Leverkusen will Lanxess die Kapazität von Kresolen und deren Derivaten sowie Mono-Chlorbenzol um bis zu 60 Prozent erweitern. „Die Märkte dieser Chemikalien sind in einer starken Konsolidierungsphase und Lanxess gestaltet diesen Prozess aktiv mit“, so Lanxess-Vorstand Werner Breuers. Für den Ausbau wollen die Leverkusener rund 35 Millionen Euro investieren. Anfang 2010 sollen die Ausbaumaßnahmen abgeschlossen sein.

Dass in diesem Bereich noch einiges zu holen ist, zeigen auch andere Entwicklungen. So hat der Anlagenbauer LSMW die bisherigen Regionalbüros Frankfurt und Ludwigshafen im Geschäftsbereich „Chemie- und Feinchemieanlagen“ unter Leitung von Dieter Panzer zusammengefasst. Der Fokus des neuen Geschäftsbereichs liegt auf der Verfahrens- und Apparatetechnik sowie auf der Anlagentechnik (Rohrleitungsplanung, Berechnung, Bau/Stahlbau). Ziel des Zusammenschlusses der beiden Regionalbüros ist, neben Einzeldienstleistungen auch die Realisierung von Gesamtprojekten (EPC) regional und überregional anbieten zu können.

Der Autor ist Leiter Online bei PROCESS.

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