Wasserstoff für Saudi-Arabien Wasserstoff statt Öl: Saudi-Arabien baut 2-Gigawatt-Anlage am Roten Meer

Von Dominik Stephan

Saudi Arabien will mit Wasserstoff in ein neues Zeitalter aufbrechen: Das Wüstenkönigreich will zum Wasserstoff-Mekka und H2-Lieferanten der Welt werden. Die Voraussetzungen dafür sind angesichts der enormen, menschenleeren Fläche des Wüstenstaats sowie Sonne und Wind günstig - so soll am Roten Meer eine 2-Gigawatt-Elektrolyse-Anlage entstehen.

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Gasriese Air Products hatte Thyssenkrupp bereits früh als Technologielieferant und als Partner für das Wasserstoffprojekt in Saudi Arabien ausgewählt.
Gasriese Air Products hatte Thyssenkrupp bereits früh als Technologielieferant und als Partner für das Wasserstoffprojekt in Saudi Arabien ausgewählt.
(Bild: Thyssenkrupp)

Der sprichwörtliche Ölscheich bekommt Gesellschaft: In Zukunft könnte Wasserstoff zum Schatz des Golfkönigreichs werden. Davon träumt nicht nur der saudische Ölriese Aramco sondern auch andere Unternehmen wie der Kraftwerksentwickler Acwa Power. Das Energieunternehmen will zusammen mit Neom und Air products (nach eigener Aussage größter Wasserstoffproduzent der Welt) eine gewaltige 2-Gigawatt-Elektrolyse im Technologiepark der "grünen" Planstadt Neom am Roten Meer betreiben. Die Technologie dafür kommt aus Deutschland.

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So liefert Thyssenkrupp über die Unternehmenstochter Uhde die Elektrolysestacks (in Form von über 100 20-Megawatt-Alkali-Elektrolyse-Modulen), während Samson mit Pfeiffer Chemie-Armaturenbau mehr als 1000 Armaturen (in der Hauptsache Regel- und Absperr-Armaturen) beisteuert. Das Projekt gilt als Vorstufe für einer künftigen Wasserstoffproduktion von 650 Tonnen Wasserstoff und 3.000 Tonnen Ammoniak pro Tag. Eine entsprechende Forschungsförderung des Bundeswirtschaftsministerium soll die Entwicklung der Verfahrenstechnik mit 1,5 Millionen Euro unterstützen. Bei Neom entsteht derzeit auf etwa sechs Quadratkilometern eine 300-MW-Solarpark, der Photovoltaikstrom zum Preis von lediglich 2,3 Cent (US) pro Kilowattstunde bereitstellt.

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Dank H2-Boom: Armaturen-Mega-Auftrag aus Saudi Arabien

Kaum war die Tinte unter dem Vertrag für den Bau der gigantischen Elektrolyse-Anlage am Golf trocken, bedeutete dies auch ein Go für Samson Pfeiffer, erklärten die Armaturenspezialisten: „Für diese innovative Technologie und deren Fortentwicklung hat man uns aus mehreren Gründen das Vertrauen geschenkt“, so Guido König, bei Samson der verantwortliche Experte für das Thema Wasserstoff. So könne man die erforderlichen Armaturen in großer Stückzahl zeitnah liefern. Ferner garantiere deren technisches Niveau die notwendige Sicherheit in einem sensiblen Bereich. Und – drittens – habe Samson über die Chlor-Elektrolyse hinreichend Erfahrung in solch anspruchsvollen Applikationen. „Dadurch sind wir für die komplexen Anforderungen im H₂-Segment ein kompetenter Partner“, so der Samson-Manager für Nachhaltige Industrien.

„Wir haben über diesen Großauftrag die Möglichkeit, die CO₂-neutrale Fabrik der Zukunft mitzugestalten“, verweist Pfeiffer-Vertriebsleiter André Schnepper auf den ökologischen Fußabdruck. Der Diplom-Ingenieur spielt damit an auf den Umweltaspekt, dem das Geschäft in Zeiten des Klimawandels Rechnung trägt. Indem Samson Pfeiffer nunmehr im großen Stil eine nachhaltige Energiegewinnung unterstützt, sei die Armaturen-Lieferung in Richtung Neom eine „Produktionsstraße in die Zukunft“, so Tim van Stiphout, der bei Pfeiffer die Abteilung Projekte im Vertrieb leitet.

Wasserstoff wird Schlüsseltechnologie für Armaturen

„Für diese innovative Technologie und deren Fortentwicklung hat man uns aus mehreren Gründen das Vertrauen geschenkt“, sagt Guido König, bei Samson verantwortlich für das Thema Wasserstoff. So könne man die erforderlichen Armaturen in großer Stückzahl zeitnah liefern.
„Für diese innovative Technologie und deren Fortentwicklung hat man uns aus mehreren Gründen das Vertrauen geschenkt“, sagt Guido König, bei Samson verantwortlich für das Thema Wasserstoff. So könne man die erforderlichen Armaturen in großer Stückzahl zeitnah liefern.
(Bild: Samson)

Sowohl Pfeiffer als auch Samson betonen, dass die Abwicklung eines solchen Megaprojekts nur in gemeinsamer Kraftanstrengung ermöglicht werden kann. „One Samson – dieser Slogan ist bei uns gelebte Realität“, sagt Pfeiffer-Geschäftsführer Bernd Jenner. Pfeiffer ist 1974 am Niederrhein als Familienunternehmen gegründet worden und gehört seit 1995 zur Samson Gruppe.

Ein Eintritt solchen Ausmaßes in die innovative Wasserstoff-Technologie bedeutet für Samson einen Entwicklungsschritt. Guido König: „Die dramatischen klimatischen Veränderungen sind für uns eine Herausforderung, unser Handeln neu auszurichten, ressourcenschonend zu arbeiten und die Dekarbonisierung voranzutreiben.“ Gleichsam, so Jenner, sichert dieser Auftrag den Arbeitsplatz vieler Mitarbeitenden und schärft deren Bewusstsein, an einer umweltfreundlichen Zukunft mitwirken zu dürfen.

Saudi Arabien und andere Golfstaaten setzen auf Wasserstoff

In Zukunft soll saudischer Wasserstoff per Pipeline auch nach Deutschland geliefert werden. Dazu gehört der sogenannte "grüne" Elektrolysewasserstoff genauso wie "blauer", aus Erdgas unter CO2-Abspaltung (CCS) gewonnenes, Gas. Eine entsprechende Absichtserklärung zu deutsch-saudischen Wasserstoffprojekten hatte das Kabinett in Riad im Sommer 2021 gebilligt. Während Wasserstoff in fast allen Defossilierungsprojekten eine Schlüsselrolle spielt, geht kaum ein Experte davon aus, das Deutschland oder Europa alles benötigte Gas selber produzieren kann.

Dementsprechend bringen sich neben Saudi Arabien auch andere Golfstaaten wie Oman (das zusammen mit deutschen Partnern ein Wasserstoffzentrum gegründet hat) oder die Vereinigten Arabischen Emirate in Stellung. Diese Wollen das größte Solarkraftwerk der Welt errichten und mit Hilfe von Siemens in die Wasserstofferzeugung einsteigen. Der märchenhafte Reichtum der Golfstaaten könnte also auch im postfossilen Zeitalter weiter bestehen, schätzen Experten.

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