Störfälle, Chemieunfälle und Brände

Von Verschleiß bis zu Management–Versagen: Anlagenstörfälle unter der Lupe

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Manchmal sind es gerade die eingeleiteten Notfallmaßnahmen, die zusätzliche Gefahr bergen: Als im Juli 2015 in einer Salzsäure-Elektrolyseanlage in Brunsbüttel eine Armaturenmembran reißt, leitet das Personal die Salzsäure an der ausgefallenen Kolonne vorbei. Dadurch wird jedoch auch Wasserstoff in einen Dünnsäuresammelbehälter aus GFK verschleppt. Dort, in der prallen Sonne des heißen Julitages, entzündet sich das Gasgemisch. Behälter und Rohre werden durch die Explosion beschädigt, die Säure großflächig verteilt. Nur durch Zufall ist kein Mitarbeiter in der Nähe des Explosionsortes, sodass es bei Sachschäden bleibt.

Ergänzendes zum Thema
Die Meinung derRedaktion...
Aus eigener Kraft...

11 Störfälle 2014 gegenüber 15 im Jahr 2015 – auf den ersten Blick scheint die Sicherheitsbilanz der chemischen Industrie nicht allzu gut. Aber ein zweiter Blick lohnt sich: 2014 wurden bei Störfällen noch über 20 Personen beeinträchtigt oder verletzt. Bei einer Explosion im sächsischen Pirna kam sogar ein Mitarbeiter ums Leben. Dem entgegen stehen lediglich 7 beeinträchtigte Mitarbeiter und ein verletzter Feuerwehrmann 2015. 1993, im Jahr der Einführung der Zema-Datenbank wurden noch 31 Störfälle erfasst.

Die Chemie ist sicherer geworden – und sensibler dazu. Vorbei die Zeiten, in denen Stofffreisetzungen oder Störungen als notwendiges Übel hingenommen wurden. Dieser Wnadel geschah nicht immer ganz freiwillig, auch ein gesteigertes Umweltbewusstsein und eine verbesserte Sicherheitskultur waren Triebkräfte dieser Entwicklung. Das soll jedoch den Verdienst der Anlagenplaner, Ingenieure, Betriebsmannschaften, Werksfeuerwehren und Standortmanager nicht schmälern. Auch wenn gesellschaftlicher und regulatorischer Druck ihren Teil dazu beigetragen haben, diese Kehrtwende hat die Branche aus eigener Kraft geschafft. Darauf kann und darf man zu Recht stolz sein. Und dennoch... Jeder Unfall ist einer zuviel.

Alles richtig gemacht – und trotzdem kommt es zum Störfall. Unfälle lassen sich nicht vorhersagen. Wichtig ist daher, Störfallereignisse nicht kategorisch auszuschließen, sondern sich auf mögliche Unregelmäßigkeiten im Betrieb bestmöglich vorzubereiten. Betrachtet man die Vorfälle des vergangenen Jahres, fällt auf, dass in beinahe jedem Fall das erste Alarmsignale von Sensoren, Gaswarnern oder anderen MSR-Einrichtungen kommt. Zwar kann derartige Technologie einen Störfall häufig nicht verhindern, aber sehr wohl helfen, die schlimmsten Folgen dieser Ereignisse einzudämmen. Es gilt auch weiterhin: Funktionierende Kon­trollen, Alarmketten und gut geschulte Mitarbeiter sind neben sicherem und gut gepflegtem Equipment nach dem Stand der Technik die beste Vorsorge.

Bescheid wissen – Unseren Übersichtsbeitrag Anlagenstörfälle aus dem Vorjahr finden Sie hier:

Den Bericht aus 2013 finden Sie hier:

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