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Fehlerquelle Mensch
Ähnliche Folgen können Bedienfehler haben, bei denen Mitarbeiter aus mangelnder Fachkenntnis oder Unachtsamkeit eine funktionierende Anlage in einen kritischen Zustand fahren.
Am 9. September 2015 öffnen Mitarbeiter einer Petrochemie-Anlage in Wilhelmshaven ein blockiertes Absperrventil, durch das Vinylchlorid-Monomer (VCM) in eine zuvor gewartete Leitung strömt. Da diese zur Entlüftung geöffnet ist, kann VCM über eine nach dem Wasserhaushaltsgesetz geschützte Fläche entweichen. Erst nach 25 Minuten registrieren Sensoren den Stoffaustritt. Bei der abschließenden Untersuchung stellte sich heraus, dass den Mitarbeitern die genaue Funktion des Ventils gar nicht bekannt gewesen war und sie in bestem Wissen handelten.

Auch wenn in diesem Fall die Technik inklusive der Alarmkette reibungslos funktionierte, war der Schaden schon angerichtet. Um ähnliche Unfälle in Zukunft zu verhindern, sollen eine physikalische Trennung der Systeme während Wartungsarbeiten, eine bessere Schulung der Mitarbeiter und eine Autorisierung einzelner Arbeitsschritte in kritischen Bereichen auch über verschiedene Gewerke hinweg für mehr Sicherheit bei Instandhaltung und Betrieb sorgen.
Wenn alle Stricke reißen ...
Gefahr erkannt, Gefahr gebannt? Wer die Schwachstellen oder Stolperstricke seines Prozesses kennt, Frühwarnsysteme und regelmäßige Kontrollen installiert und die Mitarbeiter entsprechend schult, ist gut vorbereitet. Und trotzdem bleibt ein Restrisiko: Nicht selten sind es aber auch Managementfehler oder eine Verkettung an sich beinahe folgenloser Ereignisse, die zur Katastrophe führen.
Neuerungen der novellierten Störfallverordnung
Störfallrecht auf dem Prüfstand
So auch beim Brand in einer Raffinerie in Karlsruhe im Juli 2015: Als Mitarbeiter das verschmutzte Sieb einer Saugpumpe reinigen wollen, kommt es durch eine Undichtigkeit zum Austritt von Schwefelwasserstoff. Da die beteiligten Mitarbeiter sofort Gasalarm auslösen und den Unfallort verlassen, kann nicht verhindert werden, dass eine Minute nach dem Auftreten der ersten Undichtigkeit Crackbenzin ausläuft und sich an heißen Maschinenteilen entzündet. Trotz Eingreifens der Werkfeuerwehr kommt es durch den Brand zu Schäden in Millionenhöhe. Auch wurden mehrere Mitarbeiter und ein Feuerwehrmann verletzt. Bei der Ursachenforschung entdeckten Spezialisten, dass, obwohl alle Sicherheitsregeln befolgt wurden, die Undichtigkeit nicht bemerkt wurde, da das Sieb vollständig verstopft war. Trotz Druckprüfung war es dem Bediener nicht möglich, die Funktion des Schiebers sicher zu gewährleisten.
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