Investition in Forschung und Entwicklung Trotz Covid-19-Auswirkungen: positive Geschäftsentwicklung bei Boehringer Ingelheim

Redakteur: MA Alexander Stark

2020 war für Boehringer Ingelheim ein gutes Jahr, wenngleich die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie allgegenwärtig waren. Alle Geschäftsbereiche trugen positiv zum Umsatz und zum Betriebsergebnis bei. Das Unternehmen ist zudem an mehreren Projekten beteiligt, die medizinische Lösungen zur Behandlung von Covid-19 zum Ziel haben.

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Im Jahr 2020 investierte Boehringer Ingelheim mehr als je zuvor in Forschung und Entwicklung.
Im Jahr 2020 investierte Boehringer Ingelheim mehr als je zuvor in Forschung und Entwicklung.
(Bild: Boehringer Ingelheim)

Ingelheim – Das Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim hat seine Investitionen in Forschung und Entwicklung (F&E) im Jahr 2020 deutlich erhöht. Dabei wurden vor allem die Bemühungen zur Erforschung möglicher Therapien im Zusammenhang mit Covid-19 forciert. Das Unternehmen gab 3,7 Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung aus, sieben Prozent mehr als im Vorjahr. Damit hat das Unternehmen innerhalb eines Jahres so viel in Forschung und Entwicklung investiert wie noch nie in der 136-jährigen Geschichte des forschungsgetriebenen biopharmazeutischen Unternehmens.

Im Dezember 2020 gab das Unternehmen gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Köln, der Universität Marburg und dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung den Start der klinischen Phase-I/IIa-Studie zu BI 767551 bekannt. BI 767551 ist der erste Sars-Cov-2-neutralisierende Antikörper, der über Inhalation als eine potenzielle neue therapeutische und prophylaktische Option zur Abwehr des Virus am Ort der Infektion verabreicht wird. Weitere Covid-19-Initiativen umfassen die Erforschung und Entwicklung von Sars-Cov-2-Antikörpern, die mit BI 767551 kombiniert werden können, und von kleinen Molekülen zur Hemmung der Replikation des Virus sowie die Entwicklung von Therapien zur Verhinderung von Mikrokoagulation (Blutgerinnsel).

Solide Geschäftsentwicklung

Das Unternehmen erwirtschaftete einen Umsatz von 19,57 Milliarden Euro, was einem Anstieg von drei Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Ungünstige Fremdwährungseffekte hatten beträchtliche Auswirkungen; bereinigt um Währungseffekte stieg der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 5,6 %.

Das Betriebsergebnis stieg auf Konzernebene auf 4,62 Milliarden Euro (2019: 3,78 Milliarden Euro). Einmalige Veräußerungsgewinne stützten das Betriebsergebnis. Das Ergebnis nach Steuern erhöhte sich im Vergleich zum Vorjahr um 12,5 % auf 3,06 Milliarden Euro (2019: 2,72 Milliarden Euro). Der Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit stieg um 619 Millionen Euro auf 3,96 Milliarden Euro (2019: 3,34 Milliarden Euro). Die Eigenkapitalquote lag Ende 2020 bei 47 % (2019: 44 %).

Investitionen in Anlagevermögen und Zukäufe

Das Unternehmen investierte im Jahr 2020 1,05 Milliarden Euro (2019: 1,07 Milliarden Euro) in Sachanlagen, darunter die Großproduktionsanlage für Biopharmazeutika (LSCC) in Wien (Österreich) und das neue Entwicklungszentrum für biopharmazeutische Medikamente (BDC) in Biberach (Deutschland). Die Ausgaben für Sachanlagen gingen im Vergleich zum Rekordwert im Jahr 2019 aufgrund der teilweisen Verzögerung der Bauarbeiten durch Covid-19 leicht zurück.

Das Pharmaunternehmen hat im Jahr 2020 mehrere Akquisitionen getätigt, um sein Portfolio gezielt zu erweitern. Im Juli gab das Unternehmen die Übernahme von Global Stem cell Technology (GST) bekannt, einem belgischen Veterinär-Biotechnologieunternehmen. Boehringer Ingelheim erwarb GST, um hochmoderne Stammzellprodukte für Pferde und Haustiere zu entwickeln und zu produzieren. Im September folgte der Erwerb einer Kapitalbeteiligung an der chinesischen New Ruipeng Group, einem Spezialisten für die medizinische Versorgung von Haustieren. Im Dezember gab das Unternehmen die Übernahme aller Anteile an NBE-Therapeutics bekannt, einem Schweizer Biotechnologieunternehmen mit klinischen Entwicklungsprodukten und einem Schwerpunkt auf Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten sowie der Weiterentwicklung von zielgerichteten Krebstherapien, die auf der immunstimulierenden iADC-Plattform basieren. Durch die Übernahme erhält der Fokus von Boehringer Ingelheim auf Patienten mit schwer behandelbaren soliden Tumoren eine weitere wichtige Dimension im Rahmen des umfangreichen Onkologie-Entwicklungsportfolios des Unternehmens.

Humanpharma – starkes Wachstum in allen Regionen

Mit 14,42 Milliarden Euro wuchs der Umsatz mit Humanpharmazeutika kräftig um 5,8 % (gegenüber dem Vorjahr und währungsbereinigt) und machte 74 % des Gesamtumsatzes aus. Dabei trugen alle Regionen zu den starken Ergebnissen im Humanpharma-Geschäft bei. Die USA waren für den Konzern im Hinblick auf die regionale Verteilung der Erlöse im Humanpharma-Geschäft der umsatzstärkste Markt. Boehringer Ingelheim erzielte in den USA Umsatzerlöse von 5,66 Milliarden Euro, ein Zuwachs von 3,4 % (gegenüber dem Vorjahr und währungsbereinigt). In der Eucan-Region (Europa, Kanada, Australien und Neuseeland) stieg der Umsatz um 6,0 % (gegenüber dem Vorjahr und währungsbereinigt) auf 4,59 Mrd. Euro. In den Wachstumsmärkten (einschließlich China) verbuchte Boehringer Ingelheim Umsatzerlöse von 2,84 Milliarden Euro, ein Zuwachs von 10,4 % (gegenüber dem Vorjahr und währungsbereinigt). In Japan wurde ein Umsatzanstieg um 6,2 % (gegenüber dem Vorjahr und währungsbereinigt) auf 1,33 Milliarden Euro verzeichnet.

Die Forschungs- und Entwicklungsinvestitionen im Geschäftsbereich Humanpharma entsprachen mit 3,28 Milliarden Euro einem Anteil von 22,8 % am Humanpharma-Umsatz. Aktuell laufen rund 100 Projekte in allen Phasen der Forschung. Ziel ist es, dass 75 % dieser Projekte entweder die ersten Moleküle in ihrer Wirkstoffklasse oder in einem neuen Therapiegebiet sind. Über 50 % davon haben das Potenzial für einen therapeutischen Durchbruch. Der Schwerpunkt der Forschung und Entwicklung im Humanpharma-Bereich liegt auf Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen, Onkologie, Atemwegserkrankungen, Immunologie, Erkrankungen des zentralen Nervensystems und Netzhautgesundheit.

Tiergesundheit – starke Entwicklung in einem wettbewerbsintensiven Markt

Der Geschäftsbereich Tiergesundheit von Boehringer Ingelheim ist einer der größten Anbieter von Tierimpfstoffen und -medikamenten und verfügt über eine starke Position im Nutztier- und Haustiersegment. Im Jahr 2020 verzeichnete der Bereich Tiergesundheit mit einem Umsatz von 4,12 Milliarden Euro eine starke Entwicklung in einem wettbewerbsintensiven Marktumfeld. Dies entsprach einem Zuwachs von fünf Prozent (gegenüber dem Vorjahr und währungsbereinigt). Insbesondere die Fokusbereiche Schwein und Antiparasitika für Haustiere haben sich erfolgreich und stärker als erwartet entwickelt. Im Jahr 2020 wirkte sich der Rückgang der Afrikanischen Schweinepest in China vorteilhaft auf das Schweinesegment aus. Folglich verbuchte der Schweineimpfstoff Ingelvac Circoflex ein kräftiges Umsatzplus von 14,9 % (gegenüber dem Vorjahr und währungsbereinigt) auf 264 Millionen Euro (2019: 238 Millionen Euro). Das Antiparasitikum Nexgard für Hunde blieb mit einem Wachstum von zwölf Prozent (gegenüber dem Vorjahr und währungsbereinigt) und Umsatzerlösen von 804 Millionen Euro umsatzstärkstes Produkt.

Chinas Pharma-Ausrüstermarkt 2020: Aktueller Status, Trends und Handlungsempfehlungen“

Mit aktuell über 4.800 Pharmaproduzenten bietet der chinesische Markt weiterhin riesige Chancen für die globale Ausrüsterbranche. Dieser 40-seitige englischsprachige Report soll Ihnen dabei helfen, ein besseres Verständnis des gegenwärtigen chinesischen Pharmamarktes zu gewinnen. Basierend auf Umfrageergebnissen unter Anwendern in der pharmazeutischen Industrie sowie Experteninterviews zeigt der Report eine Branchen-Prognose auf und gibt Handlungsempfehlungen für Ihre zukünftigen Betriebs- und Investitionstätigkeiten in China.

Biopharmazeutische Auftragsproduktion – einer der führenden Anbieter der Branche

Boehringer Ingelheim ist einer der führenden Hersteller von Biopharmazeutika, sowohl für das eigene Portfolio als auch für Industriepartner. 60 % der 20 größten Pharmaunternehmen und innovativen Biotechnologiefirmen sind Kunden des Geschäftsbereichs Biopharmazeutische Auftragsproduktion von Boehringer Ingelheim, der unter dem Markennamen Boehringer Ingelheim BioXcellence bekannt ist. Im biopharmazeutischen Auftragskundengeschäft wurde im Jahr 2020 ein Umsatz von 837 Millionen Euro erzielt, was einer Steigerung um 6,6 % entspricht (gegenüber dem Vorjahr und währungsbereinigt).

Ausblick 2021: leichte Erlössteigerung gegenüber dem Vorjahr

Die andauernde Covid-19-Pandemie und ein schwierigeres Branchenumfeld mit zunehmendem Preisdruck in mehreren wichtigen Märkten dürften sich im Jahr 2021 auf die Ergebnisse von Boehringer Ingelheim auswirken. Unter der Annahme, dass die zugelassenen Impfstoffe und weitere in Zulassung befindliche Arzneimittel helfen, die Covid-19-Pandemie einzudämmen, geht das Unternehmen von einem starken allgemeinen Marktwachstum für verschreibungspflichtige Pharmazeutika aus. Boehringer Ingelheim erwartet für das Jahr 2021 auf vergleichbarer Basis eine leichte Erlössteigerung gegenüber dem Vorjahr.

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