Katastrophenschutz

Strategien zum Katastrophenschutz in der chemischen Industrie

Seite: 2/5

Anbieter zum Thema

Ablaufplanung Katastrophenschutz

Unter Katastrophen-Risikomanagement sind alle Aktivitäten, Programme und Maßnahmen zu verstehen, die die Vorbereitung und Vorbeugung betreffen und vor, während und nach einer Katastrophe mit der Absicht durchgeführt werden können, die entstandenen Verluste zu verhindern und zu minimieren. Zu den Aktivitäten, die im Rahmen des Katastrophenschutzes abgewickelt werden, gehören:

  • Vor einer Katastrophe: Aktivitäten zur Verringerung von Personen- und Materialschäden, die durch eine potenzielle Gefahr verursacht werden, d.h. vorbeugende und vorbereitende Maßnahmen.
  • Während einer Katastrophe: Maßnahmen, die ergriffen werden, um zu gewährleisten, dass die Bedürfnisse der Opfer erfüllt werden, ihre Versorgung sichergestellt ist und ihr Leiden so weit wie möglich gelindert wird, d.h. Notfallmaßnahmen.
  • Nach einer Katastrophe: Maßnahmen, die als Reaktion auf eine Katastrophe ergriffen werden, damit sich die betroffenen Gemeinden nach der Katastrophe schnell erholen und wiederaufgebaut werden können.

Katastrophen und Katastrophen-Risikomanagement – Definition

Eine Katastrophe ist ein Unglück, ein Zwischenfall, ein schlimmes Ereignis oder ein schwer-wiegender Vorfall in einem beliebigen Gebiet, von natürlichem oder menschengemachtem Ursprung, verursacht durch Unfall oder Fahrlässigkeit. Sie führt in der Folge zu einem hohen Verlust an Menschenleben oder zu Personen- und Materialschäden, zerstört Eigentum und schädigt oder schwächt die Umwelt.

Ein Ereignis wird nur dann als Katastrophe gewertet, wenn es durch seine Natur oder Grö-ßenordnung nicht mehr von der Gemeinde des betroffenen Gebiets bewältigt werden kann. Eine Katastrophe entsteht aus der Kombination von Gefahr, Schadensanfälligkeit und unzu-reichender Leistungsfähigkeit bzw. ungenügenden Maßnahmen zur Verminderung der poten-ziellen Risikochancen.

Einfacher gesagt geschehen Katastrophen nur, wenn Gefährdungen und Schadensanfälligkeit aufeinandertreffen.

Fallstudie: Vermeiden einer naturbedingten Katastrophe

Die im vorliegenden Artikel beschriebene Anlage befindet sich in Indien, am Ufer des Flusses Tapi in einer Entfernung von rund 15 km von der Stadt Surat. Die Anlage ist innerhalb des Düngemittelkomplexes angeordnet. Große Mengen Ammoniak, Synthesegas und Kaliumamid werden hier bei hohen Drücken und Temperaturen verarbeitet. Im Lager der Anlage befinden sich außerdem kleine Mengen an Gefahrenstoffen, beispielsweise Hexan, Kaliummetall, Erd-gas/Benzin und verschiedene Industriechemikalien. Manche der Chemikalien, wie Kaliumamid und Kaliummetall, zeigen eine heftige Reaktion, sobald sie mit Wasser in Berührung kommen.

Der Fluss Tapi entspringt in Betul in den Satpura-Hügeln von Madhya Pradesh und nimmt seinen Weg durch Maharashtra und Gujarat. Bei Ukai, das 80 km flussaufwärts vom Industriegürtel von Surat-Hazira liegt, wurde ein Damm errichtet, dessen alleiniger Zweck es sein sollte, Überschwemmungen zurückzuhalten. Es wurde festgestellt, dass das Fassungsvermögen des Tapi über die Jahre erheblich zurückgegangen ist, was auf die ständige Ablagerung von Mutterboden und Abwasser zurückzuführen ist. Die Häufigkeit von Überschwemmungen in Surat-Stadt hat aufgrund des verringerten Wasserableitungsvermögens des Flusses zugenommen.

Am 7. August 2006 bestand für die umliegenden Dörfer und den Industriegürtel von Hazira eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass sich wegen der Freisetzung großer Mengen Wasser aus dem Damm von Ukai eine Überschwemmungskatastrophe ereignen würde. Da weiter Wasser aus dem Damm floss, wurden die Anlage und die umliegenden Dörfer vier Tage lang bei einem Wasserstand von 1,5 bis 1,8 m überspült. Der Hochwasserspiegel, der als Ausgangspunkt für die Anlagenplanung diente, beruhte auf historischen Daten über den höchsten Stand, welcher ca. 0,3 m betrug. Diese Zahl gab aber lediglich den höchsten Wasserstand wieder, den die Anlage bis dahin erlebt hatte.

Das Anlagenpersonal war am Morgen des Tages, an dem sich der Vorfall ereignete, über die bevorstehende Freisetzung einer riesigen Menge Wasser aus dem Damm von Ukai in den Tapi informiert worden, und zwischen der Anlage, dem District Collector Office und den für den Damm von Ukai zuständigen Behörden war eine Nachrichtenverbindung eingerichtet worden. Aufgrund der Informationen, die von den für den Damm von Ukai zuständigen Behörden über die Freisetzung von Wasser aus dem Damm eingingen, wurde beschlossen, den Betrieb der Anlage zu stoppen, um ein Eindringen des Wassers in das Anlagengelände zu verhindern. Um 23.20 Uhr schaltete sich die Anlage jedoch aufgrund eines Ausfalls der Stromversorgung ab (weil Hochwasser in das Umspannwerk eingedrungen war).

(ID:27401080)