Suchen

Katastrophenschutz

Strategien zum Katastrophenschutz in der chemischen Industrie

| Redakteur: Marion Henig

Naturkatastrophen sind heute sowohl in Bezug auf ihre Größenordnung als auch ihre Häufigkeit auf der ganzen Welt auf dem Vormarsch. Ein effektiver Katastrophenschutz kann bei der Schadensbegrenzung einen großen Beitrag leisten und so die Anlagensicherheit erhöhen, wie die hier vorliegende Fallstudie zeigt.

Im letzten Jahrzehnt stieg die Anzahl der naturbedingten und menschengemachten Katastrophen deutlich an. Die globalen Daten über gemeldete Katastrophen zwischen 1999 und 2003 zeigen, dass in diesem Zeitraum jährlich 707 Katastrophen stattfanden. Dies entspricht einem Anstieg von rund 60 Prozent in den vergangenen Jahren.

Solche Naturkatastrophen haben auf Industrieanlagen, zu denen beispielsweise Lagerhallen für gefährliche Chemikalien, Benzin- und Ölvorräte, Hafenterminals, Kraftwerke und Umschlagpunkte für Gefahrenstoffe gehören, einen Dominoeffekt und können technische Fehlfunktionen auslösen, die zur Freisetzung von Gefahrenstoffen in die unmittelbare Umgebung führen. Die Folgen solcher „Nachfolgekatastrophen“ sind schwerwiegend und verursachen einen immensen Schaden.

Im Zusammenhang mit Indien wurden etliche Nachfolgekatastrophen beobachtet. Dazu gehören u.a. der Zyklon in Gujarat im Jahr 1998, von dem das industrielle Herz Gujarats betroffen war, der Superzyklon von 1999, der wichtige Industrieanlagen am Küstenstreifen von Orissa in Mitleidenschaft zog, und das große Erdbeben in Kutch (Gujarat) im Jahr 2001, das die Häfen und wichtigsten Industrieanlagen zerstörte. Darüber hinaus hat Indien die Hauptlast der gewaltigen Tsunamiwellen getragen, die vor knapp sechs Jahren ca. 2.260 km der Landesküste in Tamil Nadu, Andhra Pradesh sowie die Inseln Andaman und Nicobar überrollten.

Überschwemmungen können schwere Umweltschäden nach sich ziehen

59 Prozent der Landmasse sind mit der Gefahr von Erdbeben verbunden, fünf Prozent des gesamten geographischen Raums neigen zu Überschwemmungen, und acht Prozent der gesamten Landmasse sind anfällig für Zyklone. Die in den letzten Jahren beobachteten Klimaveränderungen trugen ihren Teil zu den Schäden bei und lösten eine ganze Serie von Technologieunfällen aus; so stieg zum Beispiel die Häufigkeit von Überschwemmungen aufgrund veränderter Niederschlagsmuster und Fassungsvermögen von Flüssen an; auch die häufigeren Waldbrände sind auf die Klimaveränderungen zurückzuführen. Die Folge von Überschwemmungen können schwere Umweltschäden sein, weil über der Erde gelagerte Chemikalien und giftige Abfälle aus Aufbereitungsanlagen freigesetzt werden, wodurch wiederum Trinkwasserquellen verunreinigt werden.

Konservativen Herangehensweise notwendig

Überschwemmungen können darüber hinaus Betriebsstörungen in Abwasseraufbereitungsanlagen verursachen und Brände/Explosionen wegen eines Ausfalls der Prozessüberwachung auslösen. Ferner können diese Störungen Reaktionen zwischen gefährlichen und pyrophoren Chemikalien einerseits und dem Hochwasser andererseits, Fehlfunktionen in Elektroinstallationen und andere Ereignisse auslösen. In Anbetracht der erhöhten Wahrscheinlichkeit, dass Naturkatastrophen Zwischenfälle im Bereich der Chemie nach sich ziehen, ist es in einer konservativen Herangehensweise notwendig geworden, solche Katastrophen als „größten anzunehmenden Unfall“ anzusehen, wenn man den Katastrophenschutzplan für einen bestimmten Anlagenstandort aufstellt. Dieser Artikel untersucht die Fallstudie eines durch eine Überschwemmung verursachten Zwischenfalls in einer Chemieanlage im Industriegürtel von Surat-Hazira in Gujarat und die Durchführung des Katastrophen-Risikomanagementplans. Die Anlage fällt in den Bereich des Atomic Energy Regulatory Board (AERB, Atomenergie-Regulierungsbehörde der Regierung von Indien). Die Sicherheitsaspekte, die sich durch die Überschwemmung ergaben, wurden von der AERB überprüft. Die Behörde sprach Empfehlungen aus, mit denen der Notfallplan, der die Reaktion auf solche Zwischenfälle festlegen soll, verbessert werden kann. Im weiteren Text erfahren Sie mehr zur Fallstudie und der Bedeutung von Risikoanalyseverfahren in der Planungsstufe, in denen sowohl naturbedingte als auch menschengemachte Katastrophen berücksichtigt und Ereignisse postuliert werden, die solch eine Katastrophe auslösen können.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 27401080)