Bis zu vier Milliarden Euro Investitionen So will BASF klimaneutral werden

Redakteur: MA Alexander Stark

Ab dem Jahr 2050 will BASF klimaneutral sein. Basierend auf den jüngsten Fortschritten bei der Entwicklung CO2-reduzierter und CO2-freier Technologien erhöht das Unternehmen gleichzeitig sein mittelfristiges Reduktionsziel für Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2030.

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Im Jahr 2018 lagen die weltweiten Emissionen der BASF-Gruppe bei 21,9 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente
Im Jahr 2018 lagen die weltweiten Emissionen der BASF-Gruppe bei 21,9 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente
(Bild: BASF)

Ludwigshafen – Im Vergleich zum Jahr 2018 will BASF die Menge emittierter Treibhausgase weltweit um 25 % senken – und dies trotz angestrebtem Wachstum und der Errichtung eines großen Verbundstandorts in Südchina. Insgesamt plant der Konzern zur Erreichung des neuen Klimaziels bis 2025 Investitionen von bis zu einer Milliarde Euro sowie bis 2030 von weiteren zwei bis drei Milliarden Euro.

Im Jahr 2018 lagen die weltweiten Emissionen der Gruppe bei 21,9 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente. Im Jahr 1990 waren sie noch etwa doppelt so hoch. Das neue Emissionsziel 2030 entspricht einer Reduktion von rund 60 % im Vergleich zu 1990 und wird das Ziel der Europäischen Union von minus 55 % übertreffen. Dr. Martin Brudermüller, Vorsitzender des Vorstands, bekräftigte das Bekenntnis seines Unternehmens zum Pariser Klimaabkommen. Der Klimawandel sei die größte Herausforderung des 21. Jahrhunderts. Darauf müsse BASF seine Prozesse und sein Produktportfolio ausrichten, so Brudermüller.

Im Zentrum der langfristigen Umstellung hin zu Netto-Null-CO2-Emissionen ab 2050 steht der Einsatz neuer Technologien, bei denen fossile Energieträger wie Erdgas durch elektrischen Strom aus erneuerbaren Quellen ersetzt wird. Die meisten dieser Technologien werden durch den Konzern und gemeinsam mit Partnern neu entwickelt und befinden sich derzeit im Pilotstadium. Die breite Skalierung dieser Technologien soll in vollem Umfang erst nach 2030 erreichbar sein. Um schon vorher beschleunigt CO2-Emissionen zu senken, setzt BASF auch systematisch auf kontinuierliche Verbesserungsprozesse für bestehende Produktionsanlagen. Zusätzlich will das Unternehmen seinen Strombedarf schrittweise auf erneuerbare Quellen umstellen und strebt dazu auch Investitionen in Windenergieanlagen an.

Zu den wichtigsten neuen Technologien, die BASF derzeit entwickelt, zählen elektrisch betriebene Steamcracker für die Produktion von Basischemikalien wie Ethylen, Propylen oder Butadien. Diese stehen am Anfang zahlreicher Wertschöpfungsketten und sind grundlegend für die Chemieproduktion. Wasserstoff ist ein weiterer wichtiger Einsatzstoff für viele chemische Herstellprozesse. Zur CO2-freien Herstellung von Wasserstoff setzt das Unternehmen parallel auf zwei Verfahren: die kommerziell verfügbare Wasser-Elektrolyse und die Methanpyrolyse, für die der Konzern eine neue Prozesstechnologie entwickelt hat. Ein weiterer Hebel für eine höhere Energieeffizienz ist der Einsatz elektrischer Wärmepumpen, um aus Abwärme CO2-frei Dampf zu erzeugen. Ziel sei es, diese Technologie gemeinsam mit Siemens Energy stufenweise auf industriellen Maßstab zu bringen und für die Abwärmenutzung ganzer Standorte einzusetzen, teilte das Unternehmen mit. BASF geht davon aus, dass durch die Umstellung auf klimaneutrale Produktionsverfahren der Strombedarf an großen Standorten wie dem Stammwerk in Ludwigshafen im kommenden Jahrzehnt stark ansteigen wird. Ab etwa 2035 wird er voraussichtlich bei mehr als dem Dreifachen des heutigen Strombedarfs liegen.

Neben geplanten Investitionen in erneuerbare Energien verfolgt BASF eine Reihe konkreter Zukunftsprojekte:

  • Zusammen mit Sabic und Linde arbeitet BASF an der Realisierung des weltweit ersten elektrisch beheizten Steamcracker-Pilotofens. Im Vergleich zu herkömmlichen Anlagen würde das die Produktion von Basischemikalien nahezu CO2-frei ermöglichen. In Abhängigkeit notwendiger Fördergelder soll der Betrieb einer Pilotanlage bereits ab 2023 starten.
  • Für die CO2-freie Herstellung von Wasserstoff aus Erdgas entwickelt das Unternehmen die Technologie der Methanpyrolyse. Im Vergleich zu anderen Verfahren für die emissionsfreie Wasserstoffherstellung benötigt die Methanpyrolyse nur knapp ein Fünftel der elektrischen Energie. Der Bau einer Versuchsanlage in Ludwigshafen ist abgeschlossen und die Inbetriebnahme läuft derzeit. Das Projekt wird durch das Bundesforschungsministerium gefördert.
  • BASF prüft derzeit in Zusammenarbeit mit Siemens Energy Möglichkeiten für den Bau eines PEM-Wasserelektrolyseurs (Proton Exchange Membrane) mit einer Leistung von 50 Megawatt zur CO2-freien Herstellung von Wasserstoff aus Wasser und elektrischem Strom am Standort Ludwigshafen. Dieser CO2-freie Wasserstoff soll vorwiegend stofflich im Verbund genutzt werden sowie in begrenztem Umfang für den Anschub des Mobilitätsmarkts in der Metropolregion Rhein-Neckar.
  • Am Standort Antwerpen plant BASF die Beteiligung an einem der größten Projekte zur Speicherung von CO2 unter der Nordsee (Carbon Capture and Storage, CCS). Zusammen mit Partnern des Konsortiums „Antwerp@C“ bietet das die Möglichkeit, die Emission von über einer Million Tonnen CO2 pro Jahr aus der Produktion von Basischemikalien zu vermeiden. Eine endgültige Investitionsentscheidung soll 2022 fallen.

Gleichwohl seien die meisten neuen Technologien unter den aktuellen Rahmenbedingungen heute noch nicht wettbewerbsfähig. Da die Ablösung bestehender hocheffizienter Produktionsverfahren durch neue Anlagen sehr kapitalintensiv sei, bemüht sich BASF um Fördermittel im Rahmen europäischer und nationaler Programme wie IPCEI (Important Projects of Common European Interest). „Wir sind davon überzeugt, dass am Ende alle Kräfte zusammenwirken werden, um diese Jahrhundert-Transformation wirtschaftlich erfolgreich zu machen. Dazu gehört auch die Akzeptanz der Verbraucher, für CO2-freie Produkte entlang der Wertschöpfungsketten höhere Preise zu bezahlen, um höhere Betriebskosten und zusätzliche Investitionen auszugleichen. Dafür brauchen wir eine neue Zusammenarbeit zwischen Industrie und Politik, die zu einer positiven, ergebnisorientierten Regulierung führt und unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit erhält“, sagt Brudermüller.

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