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Für so manches Unternehmen ist Recycling mittlerweile die wichtigste Rohstoffquelle. Groß gibt ein Beispiel: „Wir entsorgen am Standort Duisburg als anerkannter Entsorgungsfachbetrieb stark verunreinigte Schwefelsäure und nutzen die Bausteine, um reinstes Schwefeldioxid herzustellen und an die Industrie zu liefern.“ Als weiteren Fall von Rohstofflieferung nach Recycling nennt er die Aktivitäten des Grillo-Schwefelverbunds in Frankfurt-Höchst. Dieser baut auf Schwefel aus Raffinerien auf, der durch die zwingend notwendige Entschwefelung von Treibstoffen anfällt. Daraus wird nicht zuletzt Schwefelsäure produziert, die wiederum unter anderem in Raffinerien eingesetzt wird und nach Gebrauch fachgerecht entsorgt werden muss – womit sich der Kreis schließt.
Nachwachsende Rohstoffe nutzen
Nebenprodukte einer Fabrik können an anderer Stelle oft als Einsatzstoffe dienen und so zur Rohstoffeffizienz beitragen. Zur Realisierung eines solchen Konzepts ist ein Verbund im Unternehmen erforderlich, den Christine Haupt von BASF so beschreibt: „Produktionsanlagen, Energiefluss, Logistik und Infrastruktur werden intelligent miteinander vernetzt, um die Produktausbeute zu steigern, Ressourcen und Energie zu sparen und Logistikkosten zu senken.“ Freilich kann damit nur ein bescheidener Beitrag zur Rohstoffbeschaffung geleistet werden, wenn man bedenkt, dass beispielsweise BASF im Jahr 2016 insgesamt etwa 30.000 verschiedene Rohstoffe von über 6000 Lieferanten bezogen hat – darunter Naphta, Erdgas, Methanol, Ammoniak und Benzol als einige der wichtigsten.
Erfolgsfaktor Werkstoffwahl
Die (Prozess-)Kette bricht am schwächsten Glied
Neben fossilen Rohstoffen setzt der Konzern auch nachwachsende Rohstoffe ein. „Wir nutzen diese für die Herstellung von Produkten, die nicht oder nur mit deutlich mehr Aufwand aus fossilen Quellen hergestellt werden könnten“, erklärt Haupt. Daneben böten nachwachsende Rohstoffe die Möglichkeit, die Rohstoffbasis zu verbreitern. Bereits zu Beginn des Produktionsprozesses werde ein Teil fossiler Rohstoffe durch erneuerbare Rohstoffe ersetzt.
Verband hat Rohstoffsicherheit im Blick
Die im Branchenverband VDMA zusammengeschlossenen Unternehmen beschäftigen sich auf dem Feld der Rohstoffsicherheit/Vulnerabilität in erster Linie mit dem effizienten und ressourcenbewussten Einsatz von Materialien im Rahmen der Produktentwicklung und Herstellung von Maschinen und Anlagen. „Weiterhin befassen wir uns auch mit der Verfügbarkeit von sogenannten kritischen Industrierohstoffen und den Maßnahmen zur Verhinderung möglicher Versorgungsrisiken von Ressourcen auf Unternehmensebene“, berichtet Sylvi Claußnitzer vom VDMA. Versorgungsengpässe könnten den gesamten Unternehmensumsatz bedrohen, warnt Naemi Denz, Leiterin der VDMA-Abteilung Technik und Umwelt. Intelligente Strategien zum Umgang mit Ressourcen seien mehr denn je gefragt. Doch bei Diskussionen zu Primärrohstoffen fühlten sich die meisten Maschinen- und Anlagenbauer nicht betroffen, weil sie vornehmlich Halb- und Fertigzeuge einsetzten.
Nach Erkenntnissen der Deutschen Rohstoffagentur (Dera) entstehen Beschaffungsrisiken entweder durch volatile Rohstoffpreise oder durch Verfügbarkeitsprobleme. „Für Unternehmen gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie sie ihre Rohstoffbeschaffung absichern können“, teilte die Dera in einer Stellungnahme gegenüber dem MM Maschinenmarkt mit. Zu den üblichen Instrumenten zur Absicherung zählten beispielsweise Preisgleitklauseln, Abnahmeverträge mit Bergbauunternehmen, Langzeitverträge, Lagerhaltung, Käufergemeinschaften und Hedging bei börsennotierten Rohstoffen. Darüber hinaus sollten Einkäufer die Rohstoffmärkte genau analysieren und ihre Lieferquellen diversifizieren. Weitere Möglichkeiten der Minimierung von Preis- und Lieferrisiken gebe es im Bereich der Forschung und Produktentwicklung, die jedoch meist längere Vorlaufzeiten benötigten.
Protektionismus auf dem Vormarsch
Natürlich sind die einzelnen Branchen in unterschiedlichem Maß auf Rohstoffe angewiesen. So ist die Stahlindustrie ein rohstoffintensiver Wirtschaftszweig. „Ein ungehinderter Zugang zu den internationalen Rohstoffmärkten ist somit unverzichtbar“, betont Klaus Schmidtke von der Wirtschaftsvereinigung Stahl. Allerdings sei der Protektionismus bei Rohstoffen seit Jahren weltweit auf dem Vormarsch. Diese beschränkenden Maßnahmen behinderten den freien Zugang zu Rohstoffen und verzerrten den Wettbewerb mit den Unternehmen der betreffenden Länder. Ziel der Politik müsse es sein, solche Handels- und Wettbewerbsverzerrungen noch vehementer zu bekämpfen. Stahlschrott sei das einzige Einsatzmaterial für die Stahlproduktion, das in Deutschland in ausreichendem Maß vorhanden ist. In Deutschland werde allein die Hälfte des Stahls aus Recyclingmaterial hergestellt.
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