Nachhaltige Rohstoffpolitik

So düster sieht die Zukunft ohne Rohstoffe aus

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Wie essenziell der Beitrag des Recyclings zur Rohstoffsicherung ist, lässt sich laut Gontermann am Beispiel der Nichteisen-Metalle veranschaulichen. Dabei liege die Recyclingquote heute bereits bei der Hälfte. Dennoch werde die Rohstoffknappheit immer größer, da die Nachfrage weiter wachse. Bekanntlich konkurrierten auch die Schwellenländer – allen voran China – um die Grundstoffe. „Die globalen Vorräte sind endlich und dabei oftmals auch noch auf wenige Regionen oder Länder konzentriert“, beklagt Gontermann. Hinzu kämen Handelshemmnisse und machtstrategisches Verhalten der Anbieter – und manchmal sogar reine Spekulation, die dazu geführt habe, dass Rohstoffe als eigene Asset-Klasse gehandelt werden.

Digitales Ökosystem in der Bauindustrie

Besonders hoch ist die Angebotskonzentration bei den Seltenen Erden, deren jährliche Produktion zu rund 90 % auf China entfällt. Deshalb fordert Gontermann: „Wichtig ist, dass ein diskriminierungsfreier Zugang zu ausländischen Rohstoffmärkten sichergestellt ist.“ Die internationale Dimension der Rohstoffsicherung ergebe sich allein schon aus den geografischen Konstellationen: Fast alle von der deutschen Industrie benötigten originären Rohstoffe müssten aus dem Ausland bezogen werden.

Einen interessanten Ansatz für die Rohstoffversorgung der Bauindustrie, die eine der ressourcenintensivsten Branchen in Deutschland ist, hat Ralph Büchele, Partner der Unternehmensberatung Roland Berger: ein digitales Ökosystem aller Beteiligten im Bausektor, vom Planer bis zum Recycler. Das liefert umfangreiche Informationen über die verbauten Materialien und erleichtert somit die Identifikation, Selektion und Aufbereitung höherwertiger Rohstoffe. „Dadurch wird die gebaute Infrastruktur zu einem Rohstofflager für zukünftige Projekte“, stellt er fest. Digitale Ökosysteme ermöglichten folglich eine signifikante Verbesserung der Rohstoffversorgung durch Recycling.

Rohstoffsicherheit ist für Büchele in allen Industriezweigen essenziell und er nennt einen typischen Fall: „Für die Herstellung von Batterien braucht man große Mengen an Nickel, Lithium und Kobalt – Metalle, die bisher kaum gebraucht wurden. Da ist natürlich das Thema Rohstoffversorgung in Zukunft extrem wichtig.“ Unternehmen müssten daher ihre Einkaufsstrategien anpassen, etwa langfristigere Verträge mit den Rohstofflieferanten abschließen. Auch sei das Lieferantenportfolio insbesondere für strategische Rohstoffe auf eine breitere Basis zu stellen. Single Sourcing werde dann nicht mehr ausreichen. Zudem empfiehlt Büchele, das Lieferverhältnis zu optimieren: Rohstofflieferanten müssten ihrer Wichtigkeit entsprechend gut behandelt werden. Ziel müsse eine Entwicklungspartnerschaft auf Augenhöhe sein.

Geschäftsmodell mit Recycling

Weil die Beschaffung primärer Rohstoffe so schwierig sein kann, befassen sich mittlerweile zahlreiche deutsche Industrieunternehmen mit den Themen Recycling und Kreislaufwirtschaft. So hebt Oliver Groß von den Grillo-Werken hervor, dass diese Problematik für sein Unternehmen schon immer hohe Priorität genießt und sogar als Geschäftsmodell dienen kann: „Überspitzt formuliert baut unser Geschäft zu großen Teilen darauf auf.“ Er ist stolz auf eine neue, quasi idealtypische Recyclingkooperation von Grillo mit Aurubis. Man nutze einen Filterstaub des Partners, der bei der Kupfergewinnung aus Sekundärrohstoffen anfällt, um hochwertiges Zinksulfat herzustellen.

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