Potenzial anaerober Abwasserbehandlung Sauberer, effizienter und günstiger: So wird Biogas-Expertise zum Trumpf für die Abwasserbehandlung

Redakteur: Dominik Stephan

Eine zusätzliche anaerobe Stufe soll für die städtische Kläranlage Bückeburg den Effizienzturbo zünden. Bei der Technologie setzen die Betreiber auf Expertise aus dem Bio-Gas-Bereich: Mit Weltec Biopower kommt ein ausgewiesener Spezialist für Biogasanlagen als Generalunternehmer an Bord. Die Perspektiven der Technologie seien extrem vielversprechend, betonen die Projektverantwortlichen.

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Beim Ausbau der Kläranlage Bückeburg setzt de rBetreiber auf Technologie aus der Biogas-Branche.
Beim Ausbau der Kläranlage Bückeburg setzt de rBetreiber auf Technologie aus der Biogas-Branche.
(Bild: Weltec Biopower)

Bückeburg – Bis zu 664 Tonnen weniger Treibhausgase, 1.000 Tonnen weniger Klärschlamm und über 100.00 Euro gesparte Stromkosten – und das jedes Jahr. Mit diesem Versprechen plant Bückeburg die neue Anaerobstufe der städtischen Kläranlage. Für Faulturm, Schlamm-Eindicker und Maschinenhaus greift man dabei auf Fachwissen aus einem ganz „wasserfernen“ Bereich zurück: Der Biogasanlagenhersteller Weltec Biopower soll als Generalunternehmer die Anaerob-Anlagen zusammen mit einem neuen Blockheizkraftwerk errichten, so dass im Oktober 2021 der Betrieb beginnen kann.

Die Anlage mit 33.000 Einwohnerwerten (EW) hatte bisher nicht nur das Abwasser, sondern auch den anfallenden Schlamm ausschließlich aerob gereinigt. Jetzt soll die Umstellung auf die anaerobe Schlammstabilisierung helfen, die Anlage ein Stück unabhängiger von Energielieferungen zu machen: „Mit den 465.000 Kilowattstunden Strom, die wir jährlich aus dem Klärgas gewinnen, können wir 40 Prozent unseres eigenen Strombedarfs decken“, kalkuliert Rainer Klenke, technischer Leiter des Abwasserbetriebes der Stadt Bückeburg.

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Noch deutlicher soll die Stromrechnung sinken: Bis zu zwei Drittel weniger Ausgaben, also 65.000 Euro statt 195.000 Euro, seien durch die Nutzung der Faulgase möglich.

Darum rechnet sich Biogas-Technologie in der Abwasser-Behandlung

Durch die weitere Nutzung des Klärschlamms verringert such außerdem die jährlich anfallende Schlamm-Menge um 1000 Tonnen auf 1800 Tonnen, während der CO2-Ausstoß um 664 Tonnen zurück geht. Im Rahmen des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gibt es dafür von der Investitions- und Förderbank Niedersachsen eine zusätzliche Fördersumme von einer Million Euro.

Weltec nutzt dabei das Knowhow aus seinen Biogas-Anlagenprojekten: So soll der Faulturm als Edelstahlbehälter in der bewährten Segmentbauweise der Firma und mit einem Doppel-Propeller-Rührwerk ausgebaut werden. Mit einer Höhe von 6,30 Meter und einem Durchmesser von rund 19 Meter beträgt das Fassungsvermögen 1.823 Kubikmeter. Die Speicherung des Klärgases findet in dem flexiblen Doppelmembrandach mit knapp 600 Kubikmeter Volumen statt.

Auch für kleinere Kläranlagen ein echter Gewinn

Diese Bauweise, bekannt von der dezentralen Biogaserzeugung, ist für Kläranlagen relativ neu, macht aber die anaerobe Klärschlammaufbereitung auch für kleinere Anlagen attraktiv, so Firmensprecher. Der neue statische Schlamm-Eindicker mit Tauchmotorrührwerk und 342 Kubikmeter Fassungsvolumen ist ebenfalls aus Edelstahl.

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Für die effiziente Verwertung des Gases sorgt ein 226-Kilowatt-Blockheizkraftwerk (BHKW). Sowohl der generierte Strom als auch die Wärme werden auf dem Betriebsgelände genutzt. Zudem wird eine Gaskesselanlage mit 170 Kilowatt Leistung im Maschinenhaus installiert, um die Wärmeversorgung des Faulbehälters auch bei Wartungen des BHKW sicherzustellen.

Aufbereitungskosten runter hält Wassergebühren in Schach

Dabei wird nicht nur am Ende des Verfahrens der Schlamm aus den großen Absetzbecken genutzt, sondern auch ein Vorklärbecken in den Prozess eingebunden. Indem dem Abwasser bereits ein Teil des Primärschlamm entzogen wird, lässt sich die CSB-Fracht um ein Drittel reduzieren. Dies senkt die Belüftungsdauer im Belebungsbecken und damit letztlich die Energiekosten. „Werden Schlämme wie zuvor aerob stabilisiert, enthalten sie eine höhere Menge Organik und lassen sich schlechter entwässern“, erläutert Thomas Sextro, Vertriebsmanager bei Weltec Biopower, das neue Verfahren. „Mit dem anaeroben Verfahren verfügt der Klärschlamm nach der Entwässerung etwa 35 Prozent weniger Volumen und dies mindert die Transport- und Entsorgungskosten des Schlamms.“

So kann die häufig stark auf Kosteneffizienz getrimmte Biogas-Technologie in der Abwasserbehandlung zum Effizienzturbo werden, glaubt man in Bückeburg. Dadurch soll es auch möglich sein, die Kosten für Schmutzwasser und Oberflächenentwässerung konstant zu halten und den Bürgern keine Gebührenerhöhung zuzumuten.

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