Branchenstudie Recruiting in der Chemie- & Pharmabranche scheitert oft an mangelnder Digitalisierung

Redakteur: Alexander Stark

Auf dem Arbeitsmarkt sieht es für Chemie- und Pharmaunternehmen derzeit gut aus. Sie können sich ihre Arbeitskräfte scheinbar ohne große Not aussuchen. Aber was auf dem Papier gut klingt, hat nicht unbedingt nur Vorteile, wie sich einer aktuellen Studie zufolge vor allem an der digitalen Candidate Journey zeigt.

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Um herauszufinden, wie die Chemie- & Pharmabranche in ihrer Online Candidate Journey aufgestellt ist, wurden die Karriereseiten von über 100 Unternehmen diesem Bereich genauer angeschaut.
Um herauszufinden, wie die Chemie- & Pharmabranche in ihrer Online Candidate Journey aufgestellt ist, wurden die Karriereseiten von über 100 Unternehmen diesem Bereich genauer angeschaut.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Hamburg – In einer umfassenden branchenspezifischen Studie präsentiert das Hamburger Unternehmen Wollmilchsau einen Status quo des Recruiting in der Chemie- und Pharmaindustrie. Dazu wurden zunächst Arbeitsmarktdaten von einschlägigen Berufsbildern ausgewertet. Darüber hinaus wurde stichprobenartig das Online-Recruiting von über 100 entsprechenden Unternehmen untersucht.

In den pharmazeutischen Berufen dauert es häufig lange, dringend benötigte Fachkräfte zu finden und einzustellen. Die durchschnittliche Vakanzzeit einer Stellenausschreibung liegt bei allen untersuchten Anforderungsniveaus bei 160 Tagen, also fast einem halben Jahr.

„Die Erwartungshaltung der 30-Tage-Anzeige ist historisch bedingt und leider noch immer präsent. Das führt zu immensen Missverständnissen mit Fachbereichen. Und es zeigt uns, dass – bei so hohen Vakanzzeiten – so wenig Leute auf dem Markt sind, dass die Zeit als Reichweitenkomponente dringend benötigt wird." resümiert Recruiting-Experte Jan Kirchner, Geschäftsführer Wollmilchsau.

Ein ganz anderes Bild zeichnet sich vermeintlich beim Blick auf die Berufsgruppenebene in der Chemiebranche: Hier scheint es einen Überschuss an Fachkräften zu geben. Verhältnismäßig kurze Vakanzzeiten von maximal drei Monaten bestätigen diese Annahme zunächst. Schaut man jedoch tiefer in die einzelnen Berufe, zeigt sich, dass bei bestimmten Fachkräften durchaus bereits Engpässe oder Mangel vorliegen.

Digitalisierung vs. Mobiloptimierung

Neben der allgemeinen Situation auf dem Arbeitsmarkt wurde im Rahmen der Studie ebenfalls untersucht, wie gut die Unternehmen im Zeitalter der Digitalisierung darauf vorbereitet sind, potenzielle Bewerberinnen und Bewerber online anzusprechen.

Im Schnitt sieht die Hälfte aller Kandidatinnen und Kandidaten (48 %) eine Stellenanzeige heute auf dem Smartphone. Um eine reibungslose Candidate Journey sicherzustellen, sollte ein besonderer Schwerpunkt deshalb auf der unternehmenseigenen Karriereseite liegen. Auch mobil! Und das ist offensichtlich den meisten Unternehmen bewusst, denn im Schnitt sind in der Chemie und Pharmazie 91 bis 98 % der ersten drei Schritte der Customer Journey (Karriereseite, Jobbörse und Stellenanzeige) mobiloptimiert.

Spannend wird bei den Bewerbungsformularen. Hier sind tatsächlich nur noch 41 % der Unternehmen mobiloptimiert. Ein möglicher Grund dafür: Ab diesem Prozessschritt verlieren die Unternehmen ein Stück weit die Kontrolle. Das Bewerbungsformular ist mit dem Bewerber-Management-System (ATS) verknüpft und wenn es hier mit der Mobiloptimierung hapert, gibt es für Unternehmen kaum Ansatzpunkte für eigene Verbesserungen. Dazu verlangen 45 % der untersuchten Unternehmen einen Bewerber-Login mit Passwort. Hier wird scheinbar aktiv Bewerbungsvermeidung betrieben, bemängelt Wollmilchsau.

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