Suchen

Baustein der Energiewende Reallabor erforscht komplette Wertschöpfungskette für Grünen Wasserstoff

| Redakteur: Alexander Stark

In Mitteldeutschland soll ein Reallabor für Erzeugung, Transport, Speicherung und Nutzung von Grünem Wasserstoff entstehen. Im Rahmen des Projekts Green Hydo Chem wollen die Projektbeteiligten die in dieser Region bereits bestehende Infrastruktur nutzen und erweitern. Dazu sollen Großelektrolyseanlagen mit einer Gesamtkapazität von 140 Megawatt entstehen.

Firmen zum Thema

Am Fraunhofer IMWS werden Materialien für die Wasserelektrolyse im Hinblick auf Lebensdauer und Effizienz optimiert.
Am Fraunhofer IMWS werden Materialien für die Wasserelektrolyse im Hinblick auf Lebensdauer und Effizienz optimiert.
(Bild: Fraunhofer IMWS/Sven Döring)

Leuna – Während zu Anwendungsmöglichkeiten von Grünem Wasserstoff bereits zahlreiche Projekte unter anderem im Mobilitätsbereich existieren, wird die gesamte Wertschöpfungskette einschließlich der Erzeugung des Grünen Wasserstoffs bislang nur theoretisch beziehungsweise in Einzelaspekten betrachtet. Hier will ein Konsortium mit der Schaffung eines neuen Reallabors ansetzen. Darin soll im mitteldeutschen Raum, der mit seinem Chemiedreieck dafür beste Voraussetzungen bietet, der gesamten Wertschöpfungsprozess abgebildet werden.

An den Planungen des Reallabors beteiligt sind Siemens, Linde, VNG Gasspeicher, Ontras Gastransport, die Terrawatt Planungsgesellschaft, das DBI Gastechnologische Institut Freiberg, Uniper, 50 Hertz Transmission sowie das Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS. Die Projektpartner beteiligen sich mit „Green Hydro Chem Mitteldeutsches Chemiedreieck“ (Green Hydro Chem) am Ideenwettbewerb „Reallabore der Energiewende“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) und reichten dafür Projektskizzen für die Teilprojekte „Elektrolyseur Leuna“ und „Energiepark Bad Lauchstädt“ beim zuständigen Projektträger Jülich (PtJ) ein.

Event-Tipp der Redaktion Das von PROCESS organisierte Energy Excellence Forum am 15./16. Mai 2019 in Frankfurt am Main zeigt eine Vielzahl von technischen Konzepten und Lösungen zur Steigerung der Energieeffizienz. Welche Themen beim letzten Energy Excellence Forum diskutiert wurden, lesen Sie in unserem Beitrag „Energy Excellence Forum 2018 – Strategien für mehr Energieeffizienz“.

Mit dem Projekt "Gree-Hydro-Chem" werden Aktivitäten des Hypos e.V. weiterentwickelt. Der Verein bündelt und koordiniert bereits seit 2013 überregional die Kompetenzen von Wirtschaft und Wissenschaft in Bezug auf Grünen Wasserstoff in Mitteldeutschland und darüber hinaus.

Das Grundkonzept von Green Hydro Chem umfasst in einem systemischen Ansatz über drei Teilprojekte die intelligente Verknüpfung von Großelektrolyse (Herstellung), Wasserstoffpipeline (Transport), Wasserstoffkaverne (Speicherung) und entsprechenden Großabnehmern (Verwendung) für Grünen Wasserstoff. Dazu wollen die Partner die in Mitteldeutschland bereits bestehende Infrastruktur nutzen und erweitern. Darüber hinaus stehen auch die entsprechenden Stromkapazitäten aus erneuerbaren Energien zur Verfügung, sowohl im Netz als auch durch eine geplante Direktanbindung an einen Windpark in Bad Lauchstädt. Auch der netz- und systemdienliche Einsatz der Anlagen soll erprobt werden. Hierfür bieten die Regelzone von 50 Hertz mit einem Anteil an Erneuerbaren Energien von aktuell über 56 % sowie dieser spezifische Standort mit seinen netztechnischen Eigenschaften beste Voraussetzungen.

Bis zu 140 Megawatt Elektrolyseur-Kapazität

Im Detail umfasst das Projekt den Bau von Großelektrolyseanlagen an den Standorten Leuna mit einer Kapazität von bis zu 100 Megawatt sowie Bad Lauchstädt mit einer Kapazität von bis zu 40 Megawatt, einer Anlage zur Umwandlung kohlenstoffhaltiger Reststoffe sowie die Nutzung eines Kavernenspeichers in Bad Lauchstädt mit Gasnetzanbindung an das bestehende Wasserstoff-Pipelinesystem Mitteldeutschlands. Darüber gelangt der Grüne Wasserstoff zu potenziellen Kunden, zum Beispiel der Raffinerie in Leuna. Der Kavernenspeicher mit seiner Kapazität von 50 Millionen Kubikmetern sichert eine kontinuierliche Belieferung, um Zeiten von Windflauten und Wartungsmaßnahmen an den Elektrolyseanlagen zu überbrücken.

Bis zu 91 % weniger Treibhausgas-Emissionen

Die Projektpartner wollen das Reallabor bis 2024 entwickeln und realisieren. Bei erfolgreicher Umsetzung wird Green Hydro Chem durch die Sektorkopplung industrieller Wertschöpfungsketten mit der erneuerbaren Stromerzeugung einen wesentlichen Beitrag zur Energiewende sowie zur Weiterentwicklung der mitteldeutschen Wirtschaftsregion leisten. Der so erzeugte Grüne Wasserstoff reduziert die anfallenden Treibhausgas-Emissionen um bis zu 91 %.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 45856039)