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Zellulose-Verarbeitung Pilotanlage verspinnt Zellulose zu textilen Fasern

| Redakteur: Alexander Stark

Ein Joint Venture der Metsä Group mit der japanischen Itochu Corporation soll in Finnland eine Demonstrationsanlage für holzbasierte Textilfasern errichten. Als ein wichtiger Kooperationspartner für die 40 Millionen Euro umfassende Investition ist das TITK aus Rudolstadt Mitglied des internationalen Projektkonsortiums.

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Die Cellulose-Spinnmaschine im Technikum des TITK leistete wertvolle Erkenntnisse für das Vorhaben in Finnland.
Die Cellulose-Spinnmaschine im Technikum des TITK leistete wertvolle Erkenntnisse für das Vorhaben in Finnland.
(Bild: TITK )

Rudolstadt – Bei dem Verfahren, das in dieser Pilotanlage zum Einsatz kommt, wird Zellulose in einem organischen Lösungsmittel aufgelöst und zu textilen Fasern versponnen. Diese sind genauso fein wie Baumwolle und finden vor allem in zwei Bereichen Verwendung – bei Bekleidung und bei technischen Textilien, etwa in Bezugsstoffen für Möbel oder Materialien in Autos.

Als Rohstoff wird in diesem Vorhaben weltweit erstmalig nicht getrockneter Papierzellstoff verwendet. Die Umwandlung in Textilfasern durch sogenannte Direktauflösung erledigt ein neues, im Vorfeld der Investition entwickeltes Lösungsmittel. Es ermöglicht eine Verfahrensvariante, die zugleich die Umweltbelastung senkt. Denn der Zellstoff wird noch feucht in den Löse- und Verspinnprozess eingebracht, während er bei herkömmlichen Prozessen erst getrocknet, konfektioniert und vor Anwendung gemahlen werden muss. Die neue Technologievariante wurde maßgeblich von finnischen Partnern wie der Aalto University, der Universität Helsinki, dem VTT Technical Research Centre of Finland und dem TITK aus Rudolstadt entwickelt.

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Für das nunmehr begonnene Investvorhaben in Äanekoski, Finnland, bleiben die Thüringer auch weiterhin ein wichtiger Partner. Die Forscher bringen nicht nur ihre Kenntnisse über die gesamte Prozesskette ein – von der Auflösung des Zellstoffs bis zur Verformung der Fasern, sondern auch die bisherigen Transfererfahrungen bei der Errichtung mehrerer Pilotanlagen. Erste Schritte fürs Recycling des eingesetzten Lösungsmittels seien ebenfalls schon konzipiert, erklärt Dr. Frank Meister, Leiter der Abteilung Native Polymere und Chemische Forschung am TITK. Laut TITK-Direktor Benjamin Redlingshöfer waren auch die Erfahrungen im Upscaling vom Labor- in den Technikumsmaßstab für dieses Projekt von entscheidender Bedeutung.

Der Kontakt nach Finnland kam im Rahmen des europaweit arbeitenden Polysaccharid-Netzwerkes zustande. Seit 2015 sind TITK-Vertreter regelmäßig in Äänekoski zu Gast, wo die Versuchsanlage ab diesem Monat errichtet wird. Laut Metsä Group soll sie Ende 2019 ihren Betrieb mit einer Jahreskapazität von rund 500 Tonnen aufnehmen. Binnen zwei bis drei Jahren gilt es, die technische Machbarkeit der neuen Textilfaser-Produktionstechnologie nachzuweisen. Dann soll eine deutlich größere Anlage folgen.

Ds finnische Unternehmen ist bestrebt, nachhaltige Bioökonomie und Kreislaufwirtschaft auf der Grundlage von Holzrohstoffen zu fördern. Der japanische Partner Itochu arbeitet unterdessen daran, den Handel mit umweltfreundlichen, nachhaltigen Textilien auszubauen, insbesondere mit etablierten westlichen Marken in der Modebranche.

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