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Digital Plant Kongress 2012

Perspektiven der digitalen Anlage auf dem Digital Plant Kongress 2012

| Autor / Redakteur: Dipl.-Ing. Hans-Jürgen Bittermann / Tobias Hüser

Durchaus kontrovers diskutiert, die von Prof. Dr. Leon Urbas gestellte Frage: Wer pflegt am Ende des Planungsprozesses die digitale Anlage, und wer trägt die Kosten für die in der Betriebsphase anfallenden Änderungen.
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Durchaus kontrovers diskutiert, die von Prof. Dr. Leon Urbas gestellte Frage: Wer pflegt am Ende des Planungsprozesses die digitale Anlage, und wer trägt die Kosten für die in der Betriebsphase anfallenden Änderungen. (Bild: Process)

Die Prozessindustrie darf den Schritt zur digitalen Anlage nicht nur als Vision vor sich herschieben, sondern muss ihn möglichst bald flächendeckend realisieren – dass es funktioniert, das macht die Automobilindustrie bereits vor. Welche Hürden dabei zu nehmen sind, war zentrales Thema des Digital Plant Kongresses 2012 im Vogel Convention Center in Würzburg.

Den Start markierte Professor Leon Urbas von der TU Dresden, der die Fragestellung sozusagen von hinten aufzäumte. Sein Thema: So wie die reale Anlage einer regelmäßigen Wartung und Instandhaltung bedarf, ist auch das digitale Modell in der Betriebsphase „pflegebedürftig“. Hier stelle das durchgängige Datenmanagement eine noch größere Herausforderung als bei der Planung dar.

Wer darüber nachdenkt, gibt ihm natürlich sofort recht: Über die Lebenszeit einer Anlage von 20 bis 30 Jahren muss die Technik ständig verändert werden, zum einen um die Anlage zu optimieren, aber auch zur Anpassung an wechselnde Märkte. Wie aber kann man in der Praxis alle diese Anlagenmodifikationen konsequent im digitalen Modell nachführen? Das ist wahrhaftig keine triviale Aufgabe.

An erster Stelle müssen, so Urbas, die Verantwortlichkeiten geklärt werden:

  • Wem gehört die digitale Anlage nach Errichtung?
  • Wer pflegt die digitale Anlage nach Errichtung?
  • Wer bezahlt die Pflege der digitalen Anlage?

Jeder Betreiber müsse darüber hinaus klären, welche Qualität von Abweichungen zwischen digitalem Modell und Realität erlaubt sei: „Diese Frage muss jeder Betreiber ganz individuell für sich selbst beantworten – und sich entscheiden, wie groß die Sicherheit von Entscheidungsprozessen sein muss“, mahnt Urbas. Ansonsten sieht er im Einsatz moderner Kommunikationsgeräte in Anlehnung an Smartphones mittelfristig eine probate Lösung. Mit speziell entwickelten Apps sei eine mobile Interaktion möglich und gesichert.

Digitale Know-how-Sicherung

Einen vielbeachteten Beitrag präsentierte Dorothea Schwarz von Evonik. Ihr zentrales Anliegen war die Frage: Was ist allgemeines Wissen, was Firmen-Know-how? Und wie kann ein Unternehmen insbesondere das firmenspezifische Know-how langfristig schützen und sichern? Schwarz sieht als firmenspezifisches Know-how nicht das Wissen darum, wie eine Destillationskolonne zu planen ist. Diese Kolonne sehe bei den meisten Unternehmen im Grunde sehr ähnlich aus – das sei mehr oder weniger „Gute Ingenieurspraxis“. Firmenspezifisch sei vielmehr das prozedurale Wissen in den Köpfen der Mitarbeiter.

Als Methode zur besseren Nutzung von Wissen schlug Schwarz u.a. vor, durch Bündelung in Modulen Information schneller verfügbar zu machen. Sie zeigt sich überzeugt, dass wir in Deutschland schneller und innovativer sein müssen als andere uns kopieren können. Das funktioniere aber nur, wenn Alltagsaufgaben mithilfe von Erkenntnis- und Entscheidungs-Bäumen mit bewährten Planungslösungen standardisiert werden. Dann bleibe am Anfang der Planung mehr Zeit für das kreative Nachdenken.

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