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Meilenstein Interface-/Verbindungstechnik

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Exklusiv-Interview: Meilenstein Interface-/Verbindungstechnik

„NOA löst enorme Innovationsschübe aus“

| Autor / Redakteur: Ulla Reutner / Dr. Jörg Kempf

Roland Bent, CTO, Phoenix Contact: „Das Ecosystem, das wir mit PLCnext schaffen, wird eine enorme Beschleunigung bringen.“
Roland Bent, CTO, Phoenix Contact: „Das Ecosystem, das wir mit PLCnext schaffen, wird eine enorme Beschleunigung bringen.“ (Bild: Phoenix Contact)

Die Digitalisierung in der Prozessautomation – nicht völlig unerwartet sei das gekommen, meint CTO Roland Bent, Phoenix Contact. Aber „es war auch nicht unbedingt die logische Konsequenz aus den Jahren davor.“ Neue Ansätze wie NOA und MTP betrachtet er als große Chance – auch für das eigene Unternehmen.

PROCESS: Welchen Stellenwert hat die Prozessindustrie derzeit für Ihr Unternehmen, Herr Bent?

Bent: Einen ganz zentralen Stellenwert – und mit wachsender Tendenz. Sie ist schon lange einer der vier großen vertikalen Märkte, die wir adressieren: Fabrikautomation und Energietechnik, Infrastruktur mit Wasser/Abwasser und eben Prozesstechnik. Die deutlichen Veränderungen, die wir derzeit in der Prozessindustrie erleben, machen sie zu einem hoch interessanten Feld. Der Paradigmenwechsel durch die Digitalisierung öffnet die Türen für neue Technologien und Lösungsansätze. So ergeben sich Chancen für uns, mit neuen Ideen weiter Differenzierung zu schaffen und das Geschäft weiter auszubauen. Von daher bekommt die Prozessindustrie eine zunehmend größere Bedeutung. Das macht sich fest darin, dass wir im Herbst 2019 die Namur-Sponsorschaft übernehmen.

PROCESS: Für viele ehemalige Sponsoren war das Ereignis eine richtige Zäsur. Was können die Teilnehmer von Phoenix Contact erwarten?

Bent: Unser Thema ist Enhanced Connectivity. Wir verlassen also nicht unser angestammtes Gebiet, wollen aber zeigen, wie sich die Konnektivität weiterentwickelt. Das beinhaltet auch Datenkonnektivität und sichere Verarbeitung von Information. Unsere neue Steuerungstechnik PLCnext spielt dabei eine große Rolle.

PROCESS: PLCnext haben Sie bereits im vergangenen Jahr vorgestellt. Wie war die Resonanz?

Bent: Wir bekamen ein sehr, sehr positives Feedback. Es besteht großes Interesse an der Nutzung dieser Technologieplattform. Erste Testapplikationen laufen und große, namhafte Firmen gehen bereits in Anwendung. Mit PLCnext zeigen wir auch, dass man die Idee von Offenheit, Flexibilität und agilen Lösungen, wie wir sie in der Zukunft brauchen, mit den Kernthemen der Prozesstechnik verbinden kann: Robustheit, Sicherheit und Zuverlässigkeit. Sie ist eine Plattform für klassische Automatisierungslösungen genauso wie für äußerst flexible Ansätze mit Open-Source-Anwendungen. PLCnext lädt zum Experimentieren ein. Zugleich stellt sie sicher, dass dabei der sichere Betrieb der Anlage nicht gefährdet wird. Sie eröffnet somit unseren klassischen Industrien die Chancen der digitalen Welt.

PROCESS: Was halten Sie für den eklatantesten Einschnitt in der Prozess­automatisierung in den letzten zehn Jahren?

Bent: Das waren meines Erachtens die Erkenntnisse in Richtung Modularisierung und Dezentralisierung von Intelligenz. Angefangen hat das mit Arbeitskreisen in der Namur und im ZVEI, inzwischen der AK Module/Plug and Produce. Und es mündete in den MTP-Ansatz. Ich erinnere mich noch gut. Als das erste Mal das Thema Digitalisierung und Industrie 4.0 bei der Namur-Hauptsitzung aufschlug, haben alle geguckt und sich gefragt: Passt das denn wirklich zu uns? Doch dann wurden die Themen mit hoher Geschwindigkeit aufgegriffen. Das war für mich wirklich eine Zäsur: Digitalisierung in der Prozessautomation. Parallel dazu gab es Diskussionen um die Industrie-4.0-Komponente – also ein Teil einer Anlage bis hinunter zum einzelnen Produkt, das komplett in seinen Funktionen und Anforderungen beschrieben ist. Das macht sich wunderbar im MTP fest. Da wachsen wirklich die Welten zusammen – die der Prozessautomation und der restlichen Automatisierung, die lange ein wenig parallel gelaufen sind.

PROCESS: Wie gliedert sich da NOA, die Namur Open Architecture, ein?

Bent: Sie ist für mich der nächste wichtige Schritt. NOA ist die konsequente Auflösung eines Themas, das allzu oft zur Blockierung geführt hat: dass man in der Prozessautomatisierung extrem Wert legen muss auf Anlagenverfügbarkeit, Dauerhaftigkeit und Sicherheit der Abläufe. Da hieß es, Vorsicht walten zu lassen, wenn neue Ansätze verfolgt werden sollten. Alles richtig und verständlich. Mit NOA gibt es jetzt die Chance, einen Bereich sicher zu halten und dennoch neue Techniken zu testen. Denn die Prozessführung bleibt unbeeinflusst von neuen Ansätzen im Bereich Maintenance und Optimization. Ich glaube, das wird enorme Innovationsschübe auslösen.

PROCESS: Wo sehen Sie Ihr Unternehmen im Markt der Prozessautomatisierung künftig positioniert?

Bent: Die Technologieentwicklung in der Prozess­automatisierung wird noch stärker voran gehen. Daran wollen wir teilhaben. Wir sehen uns auch in der Rolle, die Chancen des Internet of Things nutzbar zu machen. Mit PLCnext sind wir sehr nah an der so genannten Edge – also der Welt zwischen Cloud und dedizierter Hardware-Lösung. So kann man mittels PLCnext einfach Daten auf die Plattform bringen, auf der unsere Kunden ihre Anwendungen laufen lassen können. Sie bietet auch die Möglichkeit für andere, ihre Produkte für unsere Kunden zugänglich zu machen. Wenn ein Anbieter von Analytics eine von ihm entwickelte App über den PLCnext Store anbietet, kann er sich neue Kunden erschließen. Und unseren Kunden eröffnet sich plötzlich ein ganzes Spektrum neuer Möglichkeiten. Das Ecosystem, das wir hier schaffen, wird eine enorme Beschleunigung bringen. Das ist eine Zukunftsperspektive für das Thema Enhanced Connectivity.

Mit Inspiration und Innovationen begeistern

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Mit Inspiration und Innovationen begeistern

13.03.19 - Seit den 1920ern treibt Phoenix Contact eine Kraft: das Streben nach Verbesserung. Schon in den Gründerjahren zeigte das Unternehmen mit der so genannten RWE-Klemme, dass es bei allen Neuentwicklungen eng mit seinen Kunden zusammenarbeitet. Um Konnektivität geht es heute wie damals: angefangen vom Feld über die Rangierung bis zur Anbindung an die Prozessleitebene. Und immer wieder bilden Phoenix Contact-Produkte die Speerspitze zu neuen technologischen Trends. lesen

PROCESS: Erwarten sie disruptive Entwicklungen, die Ihr Geschäftsmodell bedrohen?

Bent: Das ist bei Disruption immer schwer zu sagen. Die kommt immer so unerwartet. (Lacht.) Wir haben aber zum Beispiel im Auge, welches Technologieversprechen hinter 5G steckt. Es verändert die Ebene zwischen Feldgerät und Steuerung; ein Teil der Interface-Ebene kann wegfallen. Das beschäftigt uns natürlich. Wir sind einer der Initiatoren der 5G-ACIA, weil wir glauben, dass diese Technologie in Zukunft eine wichtige Rolle spielen wird. Wir machen uns intensiv Gedanken darüber, wo in diesem Kontext unsere Rolle liegt und was wir dabei an Wertschöpfung liefern können. Wir machen uns auch intensiv Gedanken über die Frage der Plattformen und den damit entstehenden alternativen Zugang zum Kunden. Wichtig ist zu wissen: Wer betreibt diesen Zugang und wie weit kontrolliert er ihn? Wenn eine Plattform­ausprägung dazu führt – analog zum Consumer-Bereich –, dass sich jemand zwischen die Schnittstelle zwischen Kunde und Anbieter schiebt, kann das disruptive Auswirkungen auf Geschäftsmodelle haben. Eine solche Entwicklung dürfen wir nicht einfach geschehen lassen. Die digitale Schnittstelle zu unseren Kunden muss möglichst gut in unserer Hand bleiben, etwa indem wir aus dem Engineering des Kunden direkt die Bestellung ableiten. Ein weiterer Punkt: Künftig werden viele Produkte ihre letztendliche Funktionalität durch eine Applikationssoftware erhalten. So wie bei den Smartphones. Bietet jemand Funktionalität an, die aus einem Allerweltsprodukt eine ganz spezielle Lösung macht, ist die Differenzierung bei ihm, nicht mehr beim eigentlichen Produkthersteller. Irgendwann wird eine Schachtel geliefert, die ihre Funktion erst bekommt, indem man von einer Plattform die richtigen Applikationen darauf lädt. Das ist vielleicht weit gegriffen. Aber man muss das im Auge haben und sich Gedanken machen, wie man dabei im Spiel bleibt. Das geht in die Richtung, was bei uns mit PLCnext und dem App-Marktplatz passiert.

PROCESS: Herr Bent, vielen Dank für das Gespräch.

* Die Autorin ist freie Mitarbeiterin bei PROCESS.

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