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Ein weiterer Aspekt: Nach wie vor bedarf es Expertenwissen, um Condition-Monitoring-Lösungen zu implementieren und die Daten zu interpretieren. Bei allen Projekten, die in der BASF in diesem Zusammenhang angestoßen haben, waren Experten aus den Anlagen und dem Betrieb nötig. Es bedarf nach wie vor eines beträchtlichen Aufwands für die Datenbereitstellung und Datenaufbereitung.
Umso entscheidender ist es, eine datengetriebene Analyse mit statistischen Methoden voran zu treiben, um unbekannte Zusammenhänge zu erschließen und damit die Zuverlässigkeit des Equipment zu steigern und den Prozess zu optimieren. Dies wird im Zusammenhang mit Industrie 4.0 unter dem Stichwort Big Data Analytics zusammengefasst. Sein Vorschlag: Die Daten müssen wie Strom aus der Steckdose zur Verfügung stehen! Nur so kann schnell mit der Optimierung der Daten begonnen werden.
Roadmap Prozesssensoren 4.0
Mit Spannung wurde die neue Technologie-Roadmap ‚Prozess-Sensoren 4.0‘ erwartet, die Michael Maiwald, Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung, vorstellte. Erstes Fazit: „Vieles aus der Roadmap 2015+, dem Vorgänger, hat heute noch Bestand, auch von der zeitlichen Einschätzung waren wir nicht schlecht“, so Maiwald. Aber was damals nicht vorhersehbar war, waren die großen Entwicklungen in der Industrie- und Kommunikationstechnik. Dementsprechend wurde der Titel der aktuellen Roadmap geändert: „Prozesssensorik Industrie 4.0“. Diese zeigt die nötigen Anforderungen an smarte Prozesssensoren auf – vom einfachen Temperatursensor bis über derzeit in Entwicklung befindlichen Messsysteme hinaus. Wichtige smarte Eigenschaften dabei sind:
- Konnektivität und Kommunikationsfähigkeit nach einem einheitlichen Protokoll
- Instandhaltungs- und Betriebsfunktionen
- Traceability und Compliance
- Virtuelle Beschreibung zur Unterstützung eines durchgehenden Engineering
- Interaktionsfähigkeit und Bidirektionalität.
Dabei wurde bei den Arbeiten zur neuen Roadmap eines deutlich: Längst sind cyber-physische Systeme im Alltagsleben Realität. Das Zukunftsprojekt Industrie 4.0 ist daher die konsequente Übersetzung dieser global vernetzen Welt. Smarte Prozesssensoren werden diese Entwicklung mit neuen Funktionalitäten stark beeinflussen und werden ihre Dienste innerhalb eines Netzwerkes bereitstellen. Allerdings gilt auch hier: Die Kommunikation aller Prozesssensoren muss über standardisierte und sichere Schnittstellen und Datenformate erfolgen. Hier ist OPC Unified Architecture (OPC-UA) der derzeit am meisten diskutierte Standard.
Dass diese Veränderung nicht von heute auf morgen stattfinden wird, machte Maiwald ebenfalls deutlich. Die weitere Entwicklung wird sich von der Ist‐Situation über mehrere Schritte vollziehen. Mögliche Perspektiven werden über zusätzliche Kommunikationskanäle zu mobilen Endgeräten, bidirektionale Kommunikation, Einbindung der Cloud sowie Virtualisierung erfolgen. Fest steht: Die Automatisierungspyramide wird sich an einigen Stellen auflösen. Aber smarte Prozesssensoren werden eben auch neue Geschäftsmodelle für Anwender, Gerätehersteller, Dienstleister ermöglichen – und diese Chancen gilt es, zu nutzen.
Abgerundet wurde der erste Tag der Namur-Hauptsitzung mit einem breiten Programm an Workshops. So gab es detaillierte Einblicke in die Entwicklungen bei Krohne, den Stand der Dinge bei OPC-UA, Neuigkeiten aus der Betriebssicherheitsverordnung und eine Einführung zu Namur-Smart.
Den Beitrag zum zweiten Namur-Tag finden Sie hier:
Bericht von der Namur-Hauptsitzung (2. Tag)
Namur-Typprüfung – aktuell wie nie
Eine Video-Zusammenfassung der Namur finden Sie hier:
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