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Energieeinsparungen Nachhaltig investieren? Diese Förderungen unterstützen Sie

| Autor/ Redakteur: Katharina Karner / Wolfgang Ernhofer

Mit der Anschaffung energieeffizienter Anlagen ist für Industriebetriebe oft ein hohes finanzielles Risiko verbunden. Wir haben Ihnen verschiedene Fördermöglichkeiten zusammengestellt, die Ihr Investment abfedern.

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Die Industrie soll „grün“ werden. Damit gerade Mittelständler nicht in finanzielle Bedrängnis kommen, haben wir interessante Förderprogramme zusammengestellt.
Die Industrie soll „grün“ werden. Damit gerade Mittelständler nicht in finanzielle Bedrängnis kommen, haben wir interessante Förderprogramme zusammengestellt.
(Bild: ©artjazz - stock.adobe.com)

Es ist ein Dilemma, in das immer mehr Unternehmen geraten: Strenge politische Vorgaben zur Energieeffizienz und zum Klimaschutz zwingen Betriebe dazu, in Nachhaltigkeit zu investieren. Mit einfach zu realisierenden Maßnahmen ist es allerdings nicht mehr getan. Oft ist bereits ausgeschöpft, was es im Kleinen auszuschöpfen gibt. Für echte Einsparungen müsste umfangreich investiert werden – ein Risiko, vor allem für den Mittelstand.

Die Politik hat das Problem erkannt und neue Förderprogramme aufgelegt, die die Investitionsrechnungen zu positiveren Ergebnissen kommen lassen. Diese Zuschüsse und Darlehen sind besonders attraktiv, weil sie erstmalig nicht mehr auf einzelne Technologien oder Branchen beschränkt sind. Unternehmen aller Größenordnungen können sich damit effizienter aufstellen und langfristig Kosten senken. Neu ist zudem, dass in vielen Fällen die Investition bereits vor dem Vorliegen der Bewilligung auf eigenes Risiko getätigt werden darf.

Wann die Bafa-Förderung für Sie sinnvoll ist

Wer in Energieeffizienz investiert, kommt um die sogenannte Bafa-Förderung nicht herum. Das beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) und der KfW angesiedelte Programm „Bundesförderung für Energieeffizienz in der Wirtschaft“ gliedert sich in vier Module. Es bezuschusst eine Fülle von Maßnahmen mit Quoten zwischen 30 und 55 % – je nach Projekt und Unternehmensgröße. So sind die Module aufgebaut:

Modul 1: Querschnittstechnologien

Worum geht´s? Um hocheffiziente und am Markt verfügbare Technologien. Dazu zählen zum Beispiel elektrische Motoren und Antriebe, Pumpen für industrielle Anwendungen, Ventilatoren, Druckluftanlagen sowie deren übergeordnete Steuerung, Anlagen zur Abwärmenutzung aus Abwässern, die Dämmung von industriellen Anlagen(-teilen) und Frequenzumrichter.

Am Praxisbeispiel: Ein Werkzeughersteller will drei neue Kompressoren erwerben, die drehzahlgeregelt und öleingespritzt arbeiten. Mit je 22 kW Leistung verbrauchen sie weniger Energie als die aktuellen Geräte. Bei Investitionskosten von 58.000 Euro und Nebenkosten von 30.000 Euro bezuschusst das BAFA 22.600 Euro – knapp ein Viertel der gesamten Aufwendungen. Zum Nachweis der Effizienzsteigerung genügt die Herstellererklärung.

Modul 2: Prozesswärme aus Erneuerbaren Energien

Worum geht´s? Um Anlagen zur Bereitstellung von Wärme aus Solarkollektoranlagen, Wärmepumpen oder Biomasse-Anlagen, deren Wärme zu über 50 % für Prozesse verwendet wird.

Am Praxisbeispiel: Ein Palettenwerk will seinen Prozesswärmebedarf für die Palettentrocknung effizienter gestalten. Dafür wird ein Hackschnitzelkessel mit konventioneller Rostfeuerung und einer Leistung von 500 kW installiert. Bei Investitionskosten von 200.000 Euro werden 110.000 Euro bezuschusst (Förderquote von 55 %).

Modul 3: MSR, Sensorik und Energiemanagement-Software

Worum geht´s? Um die Einrichtung oder Erweiterung eines Energie- oder Umweltmanagementsystems, also Softwarelösungen, Sensoren und Analog-Digital-Wandler zur Erfassung von Energieströmen, Steuer- und Regelungstechnik, Datenlogger sowie Gateways zur Übertragung von Sensordaten zur Software – inklusive Installation, Inbetriebnahme, Lizenzgebühren und Schulung des Personals.

Am Praxisbeispiel: Ein Maschinenbauer will mithilfe einer neuen Energiemanagement-Software seinen Energieverbrauch senken. Bei Investitionskosten von 22.000 Euro und Nebenkosten von 3.000 Euro werden 7.500 Euro bezuschusst - etwa ein Drittel der Aufwendungen. Hierfür muss zunächst ein mehrseitiges Messkonzept (ebenfalls förderfähig) nach ISO 50015 eingereicht werden, das belegt, wie die geplanten Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz beitragen.

Modul 4: Energiebezogene Optimierung von Anlagen und Prozessen

Worum geht´s? Um die energetische Optimierung von industriellen Anlagen und Prozessen, also Prozess- und Verfahrensumstellungen, Abwärmenutzung, Maßnahmen an der Gebäudeanlagentechnik, die Bereitstellung von Prozesswärme oder -kälte und die Vermeidung von Energieverlusten im Produktionsprozess.

Am Praxisbeispiel: Ein Metall-Hersteller will die bislang ungenutzte Abwärme aus seiner Spritzgussmaschine verwenden, um den Wärmebedarf im Winter und den Kühlbedarf im Sommer zu decken. Durch den geringeren Verbrauch an Strom (-825.000 kWh) und Erdgas (-171.000 kWh) würden 260 t CO2 pro Jahr eingespart. Dem Investitionsvolumen von 140.000 Euro steht eine jährliche Einsparung von 58.000 Euro entgegen, so dass sich die Amortisationszeit ohne Fördermittel auf knapp 2,5 Jahre beläuft. Als nicht-KMU beantragt das Unternehmen 30 % Zuschuss, der mit einer Fördersumme von 42.500 Euro auch gewährt wird.

Bundesweiter Wettbewerb für Energieeffizienz

Neben den Bafa-Förderungen gibt es noch eine Bandbreite weiterer Zuschüsse für Industrieunternehmen, die in Nachhaltigkeit und Energieeffizienz investieren. Ein Beispiel ist der „Wettbewerb Energieeffizienz“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi). Hier kommen nur die Vorhaben mit dem besten Kosten-Nutzen-Verhältnis zum Zug. Pro Jahr werden mehrmals Entscheidungen anhand der sogenannten Fördereffizienz getroffen. Diese setzt die beantragte Summe ins Verhältnis zur erwarteten CO2-Einsparung. Je höher die Einsparung oder je geringer der beantragte Zuschuss, desto höher die Chance, zu den unterstützten Projekten zu gehören. Die Antragsteller legen ihre Quote also selbst fest und beeinflussen ihre Chancen.

Bezuschusst werden etwa Prozess- und Verfahrensumstellungen auf effiziente Technologien, die energetische Optimierung von industriellen Anlagen und Prozessen, Maßnahmen zur Steigerung der Strom- oder Wärmeeffizienz und die Verstromung von Abwärme. Nächster Stichtag ist der 31. März 2020.

Am Praxisbeispiel: Ein Metall-verarbeitendes Unternehmen will seine alten Induktionserwärmungsanlagen durch neue ersetzen. Dadurch würden etwa 7900 MWh Strom und 880 t CO2 pro Jahr eingespart. Dem Investitionsvolumen von 1,3 Mio. Euro steht eine jährliche Einsparung von 120.000 Euro entgegen. Damit läge die Amortisationszeit ohne Fördermittel bei knapp 11 Jahren. Für eine hohe Fördereffizienz beantragt das Unternehmen eine Unterstützung von etwa 400.000 Euro, was einer Förderquote von 30 % entspricht – mit Erfolg.

Drei goldene Regeln für die Beantragung von Förderungen

Um Zuschüsse optimal auszunutzen, empfiehlt es sich, folgende Ratschläge zu befolgen:

  • Informieren Sie Ihre Mitarbeiter über die Förderprogramme! Nur so lässt sich vermeiden, dass Mittel ungenutzt bleiben. Stellen Sie den Antrag zudem immer vor Auftragsvergabe. Eine nachträgliche Bezuschussung ist grundsätzlich nicht möglich.
  • Arbeiten Sie mit Beratern zusammen! Sie können erklären, welche Programme sich für Sie eignen und welche Sie eventuell sogar kombinieren sollten. Dazu kommt: In vielen Fällen müssen sie von Bafa-akkreditierten Beratern erstellte Einsparkonzepte vorlegen.
  • Rechnen Sie damit, in Vorleistung gehen zu müssen! Oft darf investiert werden, ohne den Zuwendungsbescheid abzuwarten. Das dauert meist vier bis acht Wochen. Der Zuschuss selbst wird jedoch in jedem Fall erst im Nachgang ausgezahlt. In einem Verwendungsnachweis müssen Sie belegen, welche Kosten angefallen sind, dass die Anlage antragsgemäß in Betrieb ist und dass keine anderen öffentlichen Mittel in Anspruch genommen wurden.

Sind alle Unterlagen von der Förderstelle geprüft, wird der Zuschuss überwiesen. Inzwischen haben Sie erste Erfahrungen mit der neuen Anlage gesammelt und vielleicht schon Ideen, wie Sie bald noch effizienter produzieren können.

* Katharina Karner ist Consultant bei der ECG Energie Consulting GmbH in 77694 Kehl-Goldscheuer, Tel. (0 78 54) 98 75-0, info@ecg-kehl.de, www.energie-consulting.com

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