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Sieben, Sedimentieren & Co.

Mechanische Abwasservorbehandlung zur Entlastung nachgelagerter Klärstufen

| Autor/ Redakteur: Ingo Neumann* / Manja Wühr

Ob bei Bier, Wurst, Joghurt oder Marmelade – vor allem in Nahrungsmittelindustrien spielt Wasser in der Produktion eine herausragende Rolle. Bevor das verschmutzte Abwasser in die Kanalisation eingeleitet werden darf, muss es in den meisten Fällen mechanisch vorbehandelt werden.

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Kompaktanlage TSF von Wam mit integrierter Siebschnecke, Sedimentationstank und Sandaustragsschnecke.
Kompaktanlage TSF von Wam mit integrierter Siebschnecke, Sedimentationstank und Sandaustragsschnecke.
(Bild: Wam)

Abwasser aus Industrien wie der Nahrungsmittelproduktion hat es ganz schön in sich: Organische und anorganische Produktrückstände, aber auch Reinigungsmittel oder andere bei der Herstellung verwendete Chemikalien müssen entfernt werden, bevor das Abwasser in das öffentliche Abwassernetz eingeleitet werden darf. Die mechanische Vorreinigung zielt vor allem darauf ab, die im Abwasser vorhandenen Feststoffe abzutrennen. Je nachdem von welchen Produktionsbereichen das Abwasser stammt, beinhaltet es ungelöste Bestandteile wie Steine oder Sand aus Waschprozessen sowie Produktionsreste von den einzelnen Verarbeitungsstufen. Aber auch gelöste Stoffe wie Fette, organische Säuren, Stärke, Eiweiß oder Zucker. Während leichte, ungelöste Inhaltsstoffe im Abwasser oben aufschwimmen, setzen sich die schwereren Bestandteile nach unten ab. Andere Stoffe schweben im Abwasser oder sind als Emulsion darin gebunden. Die Abtrennung von Feststoffen kann daher unterschiedliche Verfahren erfordern.

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Vielfalt des Siebens

Mit Siebmaschinen lassen sich größere ungelöste Feststoffe im Abwasser effizient und wirtschaftlich aus dem Abwasserstrom abtrennen. Das Prinzip ist dabei immer das Gleiche: Das ankommende Abwasser wird durch ein Sieb geleitet, das die Feststoffpartikel abtrennt. Das Siebgut wird dann meist über ein Transportsystem abgefördert und separat gesammelt. Die Wahl des richtigen Siebes ist hierbei entscheidend: Über die Siebmaschenweite wird bestimmt, ab welcher Partikelgröße Feststoffe abgetrennt werden sollen. Dementsprechend werden Grob- und Feinsiebe unterschieden. Darüber hinaus bestimmt die Form der Feststoffe den Sieb- bzw. Maschentyp: Zur Abtrennung länglicher Faserstoffe wie Obstschälreste oder Borsten eignen sich Loch- oder Maschensiebe wesentlich besser als Spaltsiebe. Siebe werden zudem auch zum Abtrennen leichter Stoffe wie Fette und leichter Faserstoffe, die sich an der Oberfläche absetzen, eingesetzt. Diese werden dann mit Räumsieben abgeschöpft.

In Einsatzfällen, bei denen sehr große Feststoffe wie größere Holzstücke oder Folienreste im Abwasser schwimmen, empfiehlt sich ein zweistufiger Siebprozess, um Verstopfungen und Blockaden bei den Siebmaschinen vorzubeugen. Ein vorgelagerter, robuster Grob­rechen z.B. trennt dann zunächst die größten Bestandteile ab, sodass die nachgelagerte Feinsiebstufe ohne Störungen die restlichen Feststoffe absieben kann.

Neben Siebschnecken, Umlauf- und Filterstufenrechen kommen in der Praxis oft Trommelsiebe zum Einsatz. Kernstück dieser Maschinen ist ein rotierender, zylindrischer Siebkorb, der je nach Abwasservolumen unterschiedlich groß dimensioniert ist. In Schrägstellung im Gerinne eingebaut oder durch Pumpen mit Abwasser beschickt, siebt die Trommel die Feststoffe heraus und entleert sie durch die Drehung in einen Sammeltrog. Eine integrierte Förderschnecke am Boden des Trogs fördert die Feststoffe dann nach oben in ein Auslaufmodul, wo sie ausgetragen werden. Da das Siebgut nach der Abtrennung oft zusätzlich gewaschen oder verdichtet wird, sind entsprechende Siebgutwasch- und Kompaktiermodule oft Bestandteil installierter Sieblösungen.

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