Im ständig aktuellen Newsticker fasst die PROCESS-Redaktion das Geschehen in der Branche kompakt zusammen. Ob Chemie-, Pharma-, oder Lebensmittelindustrie, alle verfahrenstechnischen Themen werden – ebenso wie politische und wirtschaftliche Nachrichten zur Prozessindustrie – zusammengefasst.
Lautzenhausen (dpa/lrs) *05:00 Uhr – «Es muss mehr passieren» gegen Chemikalien am Flughafen Hahn
Die Verbandsgemeinde Kirchberg fordert einen stärkeren Einsatz gegen die Belastung des Areals um den Flughafen Frankfurt-Hahn mit PFAS-Chemikalien. «Es muss mehr passieren», sagte Bürgermeister Peter Müller. «Man hat das Gefühl, dass diese wichtige Thematik eher niederschwellig behandelt wird.»
PFAS steht für per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen. Die Stoffe bauen sich in der Umwelt und im Körper nicht oder kaum ab und werden deshalb auch Ewigkeitschemikalien genannt. Es gibt Hinweise, dass bestimmte PFAS gesundheitsschädlich sind.
Die langlebigen Chemikalien wurden unter anderem in Löschschaum eingesetzt und können sich in der Umwelt anreichern. Die Belastungen rund um Flughäfen werden mit dem Einsatz solcher Schaumlöschmittel während der Stationierung amerikanischer Streitkräfte in Verbindung gebracht.
«Gerade die Belastung rund um Hahn ist seit Jahren gegeben – uns sind momentane konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Situation nicht bekannt», sagte Müller. Betroffen seien neben der Ortsgemeinde Lautzenhausen auch die Ortsgemeinden Bärenbach und Hahn. Die Verbandsgemeinde sehe den Bund, das Land Rheinland-Pfalz und die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord in der Pflicht. Die Kommunen könnten die Aufgabe nicht selbst stemmen. «Letztlich geht es um die Gesundheit», betonte Müller. «Da würden wir uns mehr Anstrengung und Maßnahmen wünschen.»
Wie die SGD Nord mitteilte, wurden die Gewässer rund um den Flughafen Frankfurt-Hahn zwischen 2012 und 2019 auf PFAS untersucht. Für den Brühlbach gab es demnach von August 2020 bis Juli 2021 ein ergänzendes Monitoring. Im Jahr 2023 wurden zudem alle Gewässer, in denen Fische leben oder leben könnten, im Umfeld des Flughafens Frankfurt-Hahn untersucht.
In den Gewässern westlich des Flugplatzes seien nur vergleichsweise geringe Konzentrationen gefunden wurden, hieß es von der Behörde. Der Brühlbach bei Hahn habe sich dagegen als sehr stark belastet erwiesen. Auch die Gewässer auf der Ostseite des Flughafengeländes zeigten teilweise hohe Konzentrationen.
Zudem wurden in Fischen aus dem Großbach, dem Grundbach und dem Hitzelbach erhöhte PFAS-Belastungen nachgewiesen. Die höchsten Konzentrationen in Fischen fanden sich im Hitzelbach nordöstlich des Flughafens.
Die SGD Nord hatte 2018 angeordnet, dass die damalige Flughafen Hahn GmbH eine Art und Ausmaß der PFAS-Bodenverunreinigungen auf dem Flughafengelände im Detail untersucht. Ergänzende Anordnungen folgten 2019. Die Umsetzung verzögerte sich nach Angaben der Behörde wegen der Insolvenz des damaligen Flughafenbetreibers.
Nach dem Verkauf des Flughafens an die TRIWO AG im April 2023 wurde die neue Betreiberin 2024 darauf hingewiesen, dass die Verpflichtung zu den Untersuchungen weiterhin besteht. Diese laufen nach Angaben der SGD Nord derzeit.
Über konkrete Sanierungsmaßnahmen könne erst nach Abschluss dieser und gegebenenfalls weiterer Untersuchungen entschieden werden, teilte die Behörde mit. Als grundsätzlich geeignete Möglichkeit komme infrage, den Hauptbelastungsbereich am Feuerlöschübungsbecken einzukapseln. Zudem könnten PFAS-haltige Grund- und Oberflächenwässer dauerhaft aufgefangen und gereinigt werden. Einen konkreten Zeitplan für eine Sanierung gebe es bislang nicht.
Stand: 08.12.2025
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In den Trinkwasseranalysen der Verbandsgemeindewerke Kirchberg sind nach Angaben der Verwaltung bislang keine PFAS-Belastungen festgestellt worden. Seit 2026 sind die Wasserversorger verpflichtet, das Trinkwasser auf PFAS zu untersuchen, wie Müller mitteilte. Die Brunnen und Quellen lägen weit vom Flughafen entfernt. Eine Anfrage an den Flughafen Hahn zu den laufenden Untersuchungen und möglichen Maßnahmen blieb zunächst unbeantwortet.
Leuna (dpa/sa) *04:01 Uhr – Land sichert Stilllegung von Leuna Polyamid ab
Nach der jüngst erfolgten Eröffnung des Insolvenzverfahrens über die Leuna Polyamid GmbH steht nun fest: Sachsen-Anhalt sichert das Herunterfahren und die Stilllegung der Chemieanlagen mit Landesmitteln ab. Das Land handle im Rahmen einer sogenannten Ersatzvornahme zur Gefahrenabwehr, teilte das Umweltministerium auf Anfrage mit.
Das Landesverwaltungsamt hatte Leuna Polyamid bereits Anfang September zu einem sicheren und geordneten Betriebsstopp verpflichtet. Zunächst war damit weiter das Unternehmen für das kontrollierte Herunterfahren zuständig. In den Anlagen im Chemiepark werden unter anderem Kunststoffe und Dünger hergestellt, zudem wird Ammoniak gelagert. Ein ungeordnetes Abschalten könnte Risiken für Menschen und Umwelt bergen.
Der Insolvenzverwalter hat die Anlagen inzwischen vermögenslos aus der Insolvenzmasse entlassen. Das bedeutet: Für die Sicherung und das Herunterfahren der Anlagen steht aus dem Vermögen des insolventen Unternehmens kein Geld zur Verfügung. Der Insolvenzverwalter verwaltet nur die noch vorhandene Masse und muss die Kosten nicht aus eigener Tasche tragen.
Damit die Anlagen dennoch kontrolliert heruntergefahren, entleert, gereinigt und gesichert werden können, springt nun das Land ein. Es lässt die Arbeiten als Ersatzvornahme durchführen. Das Landesverwaltungsamt habe dazu mit Leuna Polyamid eine Vereinbarung geschlossen, der der Insolvenzverwalter nach der Verfahrenseröffnung beigetreten sei, teilte das Ministerium mit.
Im Frühjahr war für einen gefahrlosen Abfahrbetrieb zunächst ein Betrag von 30 Millionen Euro gutachterlich geschätzt worden. Ob diese Summe weiterhin erforderlich ist und wie hoch die Kosten für das Land letztlich ausfallen, könne derzeit aber noch nicht belastbar eingeschätzt werden, hieß es.
Dies hänge unter anderem davon ab, ob Schichtarbeit Mehrkosten verursacht, wie viele Betriebs- und Hilfsstoffe benötigt werden und welche Reststoffe nach dem Abfahren in den Anlagen verbleiben. Auch mögliche Entsorgungskosten sowie die Dauer des Abfahrbetriebs und damit verbundene Energiekosten spielten eine Rolle.
Das Land will die Kosten der Ersatzvornahme im weiteren Insolvenzverfahren geltend machen. Ob und in welchem Umfang Geld aus der Insolvenzmasse zurückfließt, ist offen. Leuna Polyamid hatte im April wesentliche Teile des zuvor insolventen Betreibers Domo Caproleuna übernommen. Nachdem die Suche nach einem Investor gescheitert war, wurde die Produktion Ende September schrittweise eingestellt. Bereits nach der Insolvenz von Domo Caproleuna hatte das Land einen Notbetrieb zur Gefahrenabwehr mit rund 79,5 Millionen Euro finanziert.
23.10.2026
Berlin (dpa) *12:50 Uhr – Reiche will Raffinerien in Deutschland langfristig sichern
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche will Raffineriestandorte in Deutschland langfristig sichern. Die CDU-Politikerin sagte in Berlin: «Wir wollen wettbewerbsfähige Raffinerienkapazität in Deutschland erhalten.» Raffinerien seien Teil einer strategischen Infrastruktur. «Wer auch künftig über seine Versorgung selbst entscheiden will, der muss heute die Voraussetzungen damit schaffen.» Reiche warnte vor einer Verlagerung von «Wertschöpfung und Sicherheit» an andere Orte in der Welt.
Die Ministerin startete einen Dialog mit der Branche, um eine Raffineriestrategie zu erarbeiten. Ergebnisse von Arbeitsgruppen würden im ersten Quartal 2027 erwartet.
Michael Vassiliadis, Vorsitzender der Chemiegewerkschaft IGBCE, sagte, Raffinerien seien weit mehr als Produzenten für Benzin, Diesel oder Heizöl. Sie seien ein unverzichtbarer Bestandteil der Souveränität und Versorgungssicherheit.
Die Ministerin sagte, von den den etwa 100 Raffinerien, die 2009 in Europa liefen, seien 30 geschlossen oder umgewandelt worden. «Wir haben Raffinerien geschlossen und das Ganze gegen Importabhängigkeit eingetauscht.» Mit Blick auf den Iran-Konflikt sagte sie: «Als im Frühjahr die Lieferungen aus dem Golf ausfielen, verlor Europa ein Viertel seiner Versorgung mit Diesel und Kerosin.»
Heute stamme fast die Hälfte der Dieselimporte aus den USA. «Das sind etablierte Partner.» Aber es sei auch eine neue Abhängigkeit. «Es werden mehr Produkte importiert, es werden höhere Preise bezahlt und für Versorgungssicherheit gibt es hohe Risikoaufschläge.»
Deutschland verfügt nach Angaben des Wirtschaftsministeriums über elf Raffineriestandorte mit einer Verarbeitungskapazität von gut 92 Millionen Tonnen Rohöl pro Jahr. Sie deckten einen wesentlichen Teil des Kraftstoffbedarfs für Straße, Luft- und Schiffsverkehr und stellten wichtige Ausgangsstoffe für zahlreiche Industriezweige bereit. Internationale Konflikte und Angriffe auf Energieinfrastruktur zeigten, wie entscheidend eine widerstandsfähige Versorgung mit Kraftstoffen und Energieträgern sei.
Das Ministerium nannte den Erhalt von Raffineriekapazität eine «strategische Priorität» der Industriepolitik. Mit Blick auf eine klimafreundlichere Produktion hieß es, Raffinerien müssten ihre Anlagen schrittweise umbauen, um den Bedarf zunehmend aus nachhaltigen statt aus fossilen Quellen zu decken. Dafür seien Investitionen in Milliardenhöhe erforderlich.
Der Hauptgeschäftsführer des en2x - Wirtschaftsverbands Fuels und Energie, Christian Küchen, sagte, die Strategie sei von enormer Bedeutung für die Versorgung Deutschlands mit Energie für Verkehr und Wärme sowie mit wichtigen Grundstoffen. Raffinerien stünden unter hohem Wettbewerbsdruck, heißt es beim Verband. Dazu kommen zunehmende Lasten aus dem EU-Emissionshandel.
Vassiliadis forderte eine Reform des Emissionshandels. «Wir müssen einen Weg finden, das Ganze wirtschaftlich handhabbar zu machen». Ansonsten drohe eine Abwanderung von Firmen. «Und das akzeptieren wir nicht.»
Reiche kritisierte erneut Pläne der EU-Kommission zur Durchsetzung von Klimaschutzvorschriften in der Öl- und Gasindustrie. Konkret geht es um eine Methanverordnung. Reiche warnte vor negativen Folgen auch für Raffinerien: «Das werden wir nicht zulassen.» Das Energiesystem solle klimaeffizienter werden. «Wir wollen aber auch, dass Versorgungssicherheit unter maximalem Stress noch gewährleistet ist.»
Berlin (dpa) *04:31 Uhr – Zollstreit mit Trump: Pharmabranche erwartet weniger Umsatz
Die deutsche Pharmaindustrie erwartet wegen des Zollstreits mit US-Präsident Donald Trump Einbußen in diesem Jahr. Die Pharmaproduktion dürfte um 2,2 Prozent sinken und der reale Umsatz um 1,8 Prozent, heißt es in einer Prognose des Verbands Forschender Arzneimittelhersteller (VFA), die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. «Die handelspolitischen Auseinandersetzungen mit den USA zeigen deutliche Auswirkungen.» Zusätzlich belaste das Niedrigwasser die Produktion.
Auch der Jobaufbau der Pharmaindustrie mit knapp 130.000 Beschäftigten in Deutschland sei fast zum Erliegen gekommen, so der VFA. Die Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dürfte dieses Jahr stagnieren.
Noch im vergangenen Jahr hatte die Pharmabranche von Vorzieheffekten profitiert: Da Trump wiederholt mit Arzneizöllen drohten, hatten Unternehmen ab Frühjahr 2025 umfangreiche Lieferungen in die USA vorgezogen. Umsatz und Produktion zogen kräftig an. «Nach den vorgezogenen Exporten und Produktionsmengen im vergangenen Jahr folgt
2026 die Gegenbewegung», schreibt der VFA.
Trump hatte der Pharmabranche zeitweise mit 100-prozentigen Zöllen auf patentgeschützte Medikamente gedroht. Auch wenn es dazu nicht kam und gemäß Handelsdeal zwischen Brüssel und Washington für Arzneien aus Europa eine Zollobergrenze von 15 Prozent gilt: Die Drohungen sorgten für Unruhe, denn die deutsche Pharmaindustrie liefert rund ein Viertel ihrer Exporte in die USA. Zudem sind die Arzneipreise dort viel höher als in Europa, was den Markt unverzichtbar macht.
Viele Pharmaunternehmen, darunter Merck in Darmstadt, haben auf Trumps Druck reagiert und Milliarden-Investitionen in Amerika zugesagt.
Neben dem Zollstreit sieht die Pharmabranche auch Sparvorgaben der Politik als Bürde. Um die Krankenkassenbeiträge stabil zu halten, hat die Bundesregierung Arzneikonzernen mehr als doppelt so hohe Herstellerrabatte verordnet, die sie den gesetzlichen Krankenkassen für patentgeschützte Medikamente gewähren müssen. Das sorgt in der Pharmabranche für Ärger, Hersteller stoppten Investitionen oder stellen künftige Ausgaben in Deutschland auf den Prüfstand, darunter der Schweizer Konzern Roche.
«Der höhere Herstellerabschlag ab 2027 belastet die Unternehmen erheblich,» kritisiert der VFA. Investitionen und Forschungsausgaben könnten bis 2030 insgesamt um gut vier Milliarden Euro niedriger ausfallen als ohne die Maßnahmen, rechnet der Verband vor. Für 2027 prognostiziert er einen Rückgang der Pharma-Investitionen hierzulande um 1,8 Prozent. Auch dürften sich mit dem Druck der Trump-Regierung Investitionen verschieben.
Die Bundesregierung will die Belastung für die Pharmabranche bei den Herstellerrabatten durch eine geplante Standortklausel reduzieren, die an Investitionen, Produktion und klinische Forschung in Deutschland geknüpft ist.
Kritik an der Lobbyarbeit der Pharmabranche kam zuletzt von den gesetzlichen Krankenkassen. «Die Pharmaindustrie verdient blendend in Deutschland und das wird auch mit der aktuellen Gesetzgebung so bleiben», sagte die stellvertretende Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, Stefanie Stoff-Ahnis, jüngst der dpa.
22.10.2026
Basel (dpa) *10:57 Uhr – Roche-Chef: Europa droht, den Anschluss zu verpassen
Jüngst hat der Schweizer Pharmakonzern Roche bekräftigt, künftige Investitionen in Deutschland vorläufig auszusetzen. Nun legt Unternehmenschef Thomas Schinecker nach: Roche werde künftig nur in jene Märkte investieren, die Innovation auch wirklich belohnten, kündigte er nach Umsatzzahlen an. Innovation fände ernsthaft in den USA und Asien statt. «Europa ist klar dabei, den Anschluss zu verpassen und ins Hintertreffen zu geraten», so Schinecker.
«Europa hat wirklich Schwierigkeiten mit dem Wachstum», sagte der Roche-Chef. «Europa muss insgesamt wieder wesentlich wettbewerbsfähiger werden.» Dabei sieht Schinecker nicht nur ein Innovationsproblem, sondern auch ein strukturelles Wettbewerbsproblem. Aus seiner Sicht reiche es nicht, Zukunftsbranchen politisch zu priorisieren. «Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen müssen tatsächliche Investitionen attraktiv machen.»
Hintergrund der Aussagen ist auch Ärger über Sparvorgaben der Bundesregierung in Deutschland. Um die Krankenkassenbeiträge stabil zu halten, hat sie Arzneikonzernen deutlich höhere Herstellerrabatte verordnet, die sie den Krankenkassen gewähren müssen. Das sorgt in der Pharmabranche für Ärger, denn im Koalitionsvertrag hatten SPD und Union erklärt, den Pharmastandort stärken zu wollen. Unternehmen wie Eli Lilly und Boehringer Ingelheim stoppten teils Investitionen oder stellen - wie Roche - künftige Ausgaben in Deutschland auf den Prüfstand.
«Für den Pharmabereich kann ich sagen, dass die Politik zuletzt sehr viel Vertrauen zerstört hat», sagte jüngst Daniel Steiners, Deutschlandchef von Roche, der «Welt». Das Unternehmen beschäftigt mehr als 18.000 Menschen hierzulande, etwa in Mannheim und Ludwigsburg, und baut seinen Standort im bayerischen Penzberg aus.
Im operativen Geschäft profitierte Roche zuletzt von einer starken Nachfrage nach Medikamenten, nachlassendem Druck im Diagnostikgeschäft und günstigen Wechselkursen. Von Januar bis September setzte Roche weltweit 46,5 Milliarden Franken (rund 50,4 Mrd Euro) um, ein Plus von einem Prozent, wie Roche mitteilte. Zu konstanten Wechselkursen lag der Anstieg bei 6 Prozent. Gewinnzahlen legt Roche zu den ungeraden Quartalen nicht vor.
Göttingen (dpa/lni) *10:39 Uhr – Sartorius profitiert von KI-Einsatz bei Kunden
Der Labordienstleister und Pharmazulieferer Sartorius sieht vor allem Chancen im Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Die Technologie helfe Kunden in gleicher Zeit, mehr Wirkstoffkandidaten zu entwickeln, sagte Sartorius-Chef Michael Grosse bei der Vorstellung der Neun-Monats-Zahlen. Das Unternehmen aus Göttingen profitiere von mehr Neuentwicklungen bei den Kunden, die im Labor untersucht werden müssten, etwa mit Sartorius-Produkten.
«KI ist eine Art Beschleuniger», sagte Grosse. Die Technologie helfe neue Biopharmaka zu entwickeln. Das komme unter anderem der Entwicklung von Wirkstoffen für seltene Krankheiten zu Gute.
Auch abseits der Künstlichen Intelligenz zeigte sich Grosse zufrieden. «Das Geschäft entwickelt sich nach Plan und weiterhin in die richtige Richtung», sagte er. Sartorius bestätigte seine Jahresziele größtenteils. Wichtigster Wachstumstreiber war laut einer Mitteilung erneut das wiederkehrende Geschäft mit Verbrauchsmaterialien. Aber auch andere Bereiche wuchsen. Kunden seien in den Investitionsmodus zurückgekehrt, sagte Grosse.
Insgesamt erlöste der Konzern in den ersten neun Monaten bis Ende September rund 2,74 Milliarden Euro, ein Anstieg von knapp 5 Prozent im Vorjahresvergleich. Dabei erhielt der südniedersächsische Konzern im dritten Quartal weitere Rückzahlungen für bereits gezahlte US-Zölle, die Sartorius aber an seine Kunden überweist. Einschließlich dieses Effekts wuchs der Umsatz wechselkursbereinigt um fast 7 Prozent.
Ebenfalls um fast 7 Prozent stieg nominal das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) auf knapp 828 Millionen Euro. Die entsprechende Marge stieg von 29,7 auf 30,2 Prozent. Unter dem Strich schwoll der auf die Aktionäre entfallende Gewinn um gut die Hälfte auf 188,3 Millionen Euro an.
Für das kommende Jahr kündigte Grosse bereits «nennenswerte» Investitionen an. Auch 2027 wolle Sartorius profitabler und stärker als der Markt wachsen.