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Ethik-Kodex für chemische Industrie

Gemeinsamer Ethik-Kodex der IG BCE und BAVC vereinbart

14.08.2008 | Redakteur: Marion Henig

Hubertus Schmoldt, Vorsitzender der IG BCE: „Wir brauchen eine neue gesellschaftliche Übereinkunft, an welchen Werten sich verantwortliches Handeln orientieren muss.“
Hubertus Schmoldt, Vorsitzender der IG BCE: „Wir brauchen eine neue gesellschaftliche Übereinkunft, an welchen Werten sich verantwortliches Handeln orientieren muss.“

Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) und der Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) haben sich auf einen Ethik-Kodex für die chemische Industrie verständigt. Mit der in Berlin unterzeichneten Sozialpartner-Vereinbarung gibt es damit erstmals für eine gesamte Branche gemeinsam formulierte ethische Grundsätze.

Berlin – Die gemeinsamen „Leitlinien für verantwortliches Handeln in der Sozialen Marktwirtschaft“ wurden seit Sommer 2007 in einer Workshop-Reihe in der Lutherstadt Wittenberg erarbeitet. An diesen Workshops haben 250 Vertreter aus der Chemie-Industrie mitgewirkt, vom Auszubildenden bis zum Vorstand. IG BCE und BAVC werden ihre künftige Arbeit danach ausrichten.

Ziel der Vereinbarung ist es, in der chemischen Industrie ein werteorientiertes, faires Verhalten zu fördern. Dazu beitragen soll ein Maßnahmen-Katalog, der unter anderem die Initiierung und Unterstützung von Dialogprozessen auf betrieblicher Ebene sowie die Gründung einer neuen Sozialpartner-Akademie vorsieht. Diese wird Schulungsreihen zu wirtschaftsethischen Themen vor allem für junge Betriebsräte und Führungskräfte anbieten.

Bundespräsident Horst Köhler lobte in seinem Grußwort die Initiative von IG BCE und BAVC und mahnte deren praktische Umsetzung an: „Ich wünsche uns allen, dass Sie nun genauso engagiert daran arbeiten, die fünf Thesen in die betriebliche Praxis umzusetzen. Dann kann von der Sozialpartnererklärung ein Impuls ausgehen, der auch in anderen Branchen wirken kann. Zugleich machen Sie damit die allerbeste Werbung für ein vertrauensvolles Miteinander der Tarifpartner, für das Modell der Sozialen Marktwirtschaft und damit für Wohlstand und Arbeitsplätze in Deutschland.“

Auch die IG BCE erwartet, „dass der Geist dieser Vereinbarung Wirkungskraft im betrieblichen Alltag entfaltet und Einfluss nimmt auf das Klima in den Unternehmen unserer Branche“, so der IG-BCE-Vorsitzende Hubertus Schmoldt. Eggert Voscherau, Präsident des BAVC, betonte: „Diese Vereinbarung ist alles andere als ein Lippenbekenntnis. Es ist der ernsthafte Versuch, einer Entwicklung entgegenzutreten, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt unmittelbar bedroht: Der Vertrauenskrise der Sozialen Marktwirtschaft. Wir sind jedoch nicht so naiv zu glauben, wir könnten das alleine stemmen. Aber wir können einen Stein ins Rollen bringen und ihm die richtige Richtung geben.“

Die Leitlinien von IG BCE und BAVC im Detail:

  • Soziale Marktwirtschaft braucht nachhaltigen unternehmerischen Erfolg

Die Sozialpartner der chemischen Industrie bekennen sich zu ihrer Verantwortung für die Gestaltung der Sozialen Marktwirtschaft. Es ist unser gemeinsames Interesse, mit nachhaltigem unternehmerischen Erfolg die Soziale Marktwirtschaft unter den Bedingungen der Globalisierung weiterzuentwickeln. Unternehmerischer Erfolg, der von nachhaltig handelnden und wettbewerbsfähigen Unternehmen erzielt wird, ist Bedingung für Innovationen, Investitionen und Arbeitsplätze. Nachhaltiger wirtschaftlicher Erfolg verlangt Integrität und Verantwortlichkeit aller Beteiligten, das heißt ökonomisch wertschaffendes, sozial ausgewogenes und ökologisch verträgliches Handeln.

  • Nachhaltigkeit braucht eine vernünftige Balance von Ökonomie, Ökologie und Sozialem

Die chemische Industrie hat sich weltweit das Ziel gesetzt, den Schutz von Gesundheit und Umwelt sowie die Sicherheit von Mitarbeitern, Anwendern und Nachbarschaft ständig zu verbessern. Die Initiative Responsible Care ist ein gemeinsamer Wertmaßstab für die beteiligten Unternehmen, ihre Mitarbeiter und die Gesellschaft. Die Initiative stärkt nachhaltig die Zusammenarbeit zwischen Gesellschaft und Branche sowie von Unternehmen und Beschäftigten. Die Chemie-Sozialpartner wollen die Initiative Responsible Care ausbauen. Es ist unser gemeinsames Interesse, die Initiative im Dialog mit allen Betroffenen und mit konkreten Maßnahmen und Projekten weiter voranzutreiben. Dadurch wollen wir auch künftig unsere Verantwortung wahrnehmen und so die Zukunftsfähigkeit der chemischen Industrie im globalen Wettbewerb für Unternehmen und Beschäftigte sichern.

  • Gute Arbeit braucht Respekt, Fairness, Vertrauen und Verantwortung

Die Sozialpartner der chemischen Industrie bekennen sich zu dem Anspruch: Gute Arbeit schaffen. Unser Ziel ist es, unter den Bedingungen des globalen Wettbewerbs die Voraussetzungen für gute Arbeit zu bewahren, um gemeinsam von ihren Vorteilen zu profitieren. Daher werden wir weiterhin - in der Tradition unserer bewährten Sozialpartnerschaft - für eine respektvolle Verständigung eintreten, faire Standards und Regeln einfordern und mitgestalten, Vertrauen aufbauen und verantwortungsvoll für gute Arbeit eintreten. Nachhaltiger unternehmerischer Erfolg ist dabei die Basis für gute Arbeit. Sie erfordert die Harmonisierung von Lebens- und Arbeitswelt. Gute Arbeit fördert Innovation und Wettbewerbsfähigkeit durch Qualifikation und Weiterbildung. Gute Arbeit ist geprägt von einer Kultur der Teilhabe und Mitgestaltung.

  • Globalisierung braucht Fairness

Die Sozialpartner der chemischen Industrie betrachten die Globalisierung als unabdingbare Voraussetzung für die Zukunft des Chemiestandorts Deutschland. Wir sehen die Chancen ebenso wie die Risiken. Mit den Möglichkeiten der Globalisierung ist verantwortlich umzugehen, gegen Missbräuche wenden wir uns. Der Tendenz einer gesellschaftlichen Spaltung in Gewinner und Verlierer der Globalisierung treten wir entgegen. Deshalb leisten wir einen Beitrag zur Gestaltung und Etablierung fairer Regeln für den weltweiten Austausch. Gemeinsam wollen wir uns mit unseren Partnern im In- und Ausland dafür einsetzen, wechselseitige Entwicklungschancen zu fördern.

  • Nachhaltiger Erfolg braucht Qualifikation und Engagement

Die Menschen bilden das wichtigste Potenzial Deutschlands im internationalen Standortwettbewerb. Investitionen in die Potenziale der Menschen bringen langfristig die höchsten Erträge. Sie sind deshalb von der Gesellschaft, den Unternehmen und den Einzelnen zu erbringen. Die Sozialpartner der chemischen Industrie tragen dazu bei, die Potenziale der Menschen zum wechselseitigen Nutzen von Arbeitnehmern, Arbeitgebern und Gesellschaft zu fördern und zu fordern. Hierfür sind Voraussetzungen nötig, die von Gesellschaft und Staat mit geschaffen und getragen werden müssen - vor allem Erziehung und Bildung. BAVC und IG BCE wollen die Debatte über die Entwicklung des Humankapitals mitgestalten. Denn die Beschäftigten mit ihren Kenntnissen und Fähigkeiten sind für die Wettbewerbsfähigkeit der chemischen Industrie, ihre Innovationskraft und Zukunftsperspektive die entscheidende Ressource.

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