Im ständig aktuellen Newsticker fasst die PROCESS-Redaktion das Geschehen in der Branche kompakt zusammen. Ob Chemie-, Pharma-, oder Lebensmittelindustrie, alle verfahrenstechnischen Themen werden – ebenso wie politische und wirtschaftliche Nachrichten zur Prozessindustrie – zusammengefasst.
Mainz (dpa) *14:35 Uhr – Biontech mal wieder mit Plus – Gründer-Ehepaar vor Abschied
Wenige Wochen vor dem angekündigten Abschied der Mitbegründer Ugur Sahin und Özlem Türeci hat Biontech einen Gewinn für das dritte Quartal gemeldet. Für die ersten neun Monate des Jahres 2026 schlägt bei dem Pharmaunternehmen und Impfstoffhersteller aus Mainz dennoch ein Milliardenverlust zu Buche. Derweil laufen Gespräche dazu, ob Rechte von Biontech in das neue Unternehmen von Sahin und Türeci eingebracht werden.
Das dritte Quartal schloss Biontech nach eigenen Angaben mit einem Nettogewinn von 184,5 Millionen Euro ab nach einem Verlust von 28,7 Millionen Euro im Vorjahresquartal. In den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres kam ein Verlust von 1,17 Milliarden Euro bei den Mainzern zusammen und damit mehr als im Vorjahreszeitraum mit
831,1 Millionen.
Ein Hauptgrund sind immense Ausgaben für die Forschung und Entwicklung vor allem von Krebstherapien, bei gleichzeitig stark geschrumpftem Geschäft mit Covid-19-Impfstoff. Vor dem Hintergrund muss Biontech an mancher Stelle sparen und kündigte in diesem Jahr auch die baldige Schließung der drei Standorte Idar-Oberstein, Marburg und Tübingen an. In Tübingen soll Ende 2027 Schluss sein, in Marburg Anfang 2028 und in Idar-Oberstein Ende 2028, teilte das Unternehmen Ende September mit. Betroffen sind demnach etwa 1.800 Beschäftigte.
Die Erlöse von Biontech lagen im dritten Quartal bei 1,29 Milliarden Euro. Im Vorjahr waren es mit 1,52 Milliarden zwar mehr gewesen, seinerzeit profitierte Biontech aber auch von Zahlungen des US-Konzerns Bristol Myers Squibb (BMS). Biontech und BMS haben eine gemeinsame globale Entwicklung und Kommerzialisierung für den hoffnungsvollen Wirkstoffkandidaten Pumitamig vereinbart, für den seinerzeit eine Menge Geld von BMS an Biontech floss.
Die Geschäftsentwicklung im dritten Quartal erlaube es, die Umsatzprognose für 2026 im oberen Bereich einzugrenzen, sagte Finanzvorstand Ramón Zapata laut Mitteilung. Biontech geht nun von Erlösen im Gesamtjahr von 1,7 bis 1,9 Milliarden Euro aus, davor lag die Spanne bei 1,6 bis 1,9 Milliarden.
Sahin und Türeci, die beiden zentralen Gesichter des in der Corona-Pandemie bekanntgewordenen Unternehmens, werden Biontech bis spätestens Ende dieses Jahres verlassen und in ein neues Unternehmen wechseln. Das hat den Namen Arife, wird auch in Mainz sitzen und sich der Erforschung und Entwicklung sowie der Herstellung und Vermarktung von pharmazeutischen Produkten widmen.
Vor einiger Zeit hieß es, es sei geplant, Rechte und mRNA-Technologien von Biontech in dieses neue Unternehmen einzubringen. Im Gegenzug würde Biontech dann eine Minderheitsbeteiligung an der neuen Firma sowie Lizenzgebühren bekommen. Laut Biontech ist aber noch nicht klar, ob es eine solche bindende Vereinbarung geben wird. Die Gespräche dazu liefen, hieß es nun, eine Vereinbarung sei für beide Seiten optional.
Der saudi-arabische Ölkonzern Aramco hat dank der gestiegenen Ölpreise im dritten Quartal mehr verdient. Der bereinigte Nettogewinn stieg um neun Prozent auf 31,2 Milliarden US-Dollar (knapp 28 Milliarden Euro), wie das staatliche Unternehmen mitteilte. Damit übertraf Aramco die Erwartungen der Analysten.
Das Unternehmen hatte im September die Rohöllieferungen von seinem wichtigsten Exporthub in Ras Tanura am Persischen Golf ausgeweitet, um Marktanteile bei Abnehmern in Asien zurückzugewinnen. Es wich auf die Route durch die Straße von Hormus aus, nachdem die alternative Route über das Rote Meer infolge von Angriffen auf die Ost-West-Pipeline, die dadurch vorübergehend außer Betrieb gesetzt wurde, beeinträchtigt worden war.
Stand: 08.12.2025
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Der Preis für die Nordseesorte Brent stieg in London im Laufe des Quartals um mehr als 40 Prozent auf einen Durchschnittswert von über 90 Dollar pro Barrel, da die zunehmenden Angriffe des Iran auf die Schifffahrt in der Straße von Hormus Sorgen um die Versorgungssicherheit aufkommen ließen. Bis Mitte September kletterte der globale Referenzpreis auf über 100 US-Dollar pro Barrel und stieg im vergangenen Monat weiter - befeuert durch die Befürchtung, dass es im Konflikt zwischen den USA und dem Iran erneut zu Kampfhandlungen kommen könnte.
Im selben Zeitraum nahmen die Huthi-Rebellen die Energieinfrastruktur von Aramco ins Visier; dazu zählten Anlagen in Yanbu - dem Endpunkt der Ost-West-Pipeline -, Raffinerien im Westen Saudi-Arabiens, ein bedeutendes Ölfeld sowie sogar der Hauptsitz des Unternehmens. Trotz dieser Angriffe hat das Königreich seine Exporte in die Märkte auch in diesem Monat kontinuierlich fortgesetzt.
Aramco, der weltweit größte Ölexporteur, bildet das Herzstück der saudischen Industrie. Die Erlöse aus dem Energieverkauf sowie die beträchtlichen Dividendenzahlungen decken einen Großteil des Finanzbedarfs des Königreichs.
Köln (ots) *10:00 Uhr – Steigender Gaspreis erhöht Margendruck bei Chemie- und Metallunternehmen
Die deutschen Gasspeicher waren Anfang November zu knapp 62 Prozent gefüllt. Nach vorliegenden Berechnungen reicht das bei einem normalen Winterverlauf bis zum Ende der Heizperiode. Ein ungewöhnlich kalter Winter oder zusätzliche Angebotsstörungen würden dies jedoch verändern. Nach Einschätzung des internationalen Kreditversicherers Atradius entscheidet in diesem Winter daher vor allem der Preis über Margen und Liquidität vieler Unternehmen. «Viele Unternehmen sind heute deutlich besser vorbereitet als 2022. Viele Betriebe beschaffen einen erheblichen Teil ihres Gasbedarfs über langfristige Verträge und sind den kurzfristigen Marktpreisen dadurch nur teilweise ausgesetzt. Kurzfristige Preissprünge treffen sie dadurch weniger unmittelbar», sagt Nicole Bludau, Managerin Risk Services bei Atradius.
Ganz abfedern lässt sich der Gaspreis jedoch damit nicht. Einzelne langfristige Lieferverträge können ölpreisgebundene Komponenten enthalten. Darüber hinaus wird die Preisentwicklung unter anderem durch die geopolitische Lage, das verfügbare Angebot und den Witterungsverlauf beeinflusst. Fällt der Winter streng aus, müsste zusätzliches Gas teuer am Markt zugekauft werden. Das würde die Kosten weiter erhöhen.
Die höheren Kosten treffen die Branchen unterschiedlich stark. Am stärksten betroffen sind nach Einschätzung von Atradius die Chemiebranche, die Stahl- und Metallindustrie sowie Glas, Keramik, Papier und die Baustoffindustrie.
Zusätzlicher Kostendruck kann sich auch aus der CO2-Bepreisung ergeben. Welche Unternehmen unmittelbar oder mittelbar betroffen sind, hängt vom jeweiligen Emissionshandelssystem, den eingesetzten Brennstoffen und der jeweiligen Anlage ab. Zugleich ist Energie in Nachbarländern teils deutlich günstiger. Produktionsverlagerungen prüfen die Unternehmen fallweise und rechnen sie gegen steigende Logistik- und Transportkosten.
Der Chemiekonzern Evonik hat kritisiert, dass BASF seine Übernahmepläne nach der Veröffentlichung eines krankheitsbedingten Ausfalls von Evonik-Vorstandschef Christian Kullmann bekannt gemacht hat. «Das Sondierungsangebot von BASF kam (...) sehr überraschend für uns und zu einem wirklich merkwürdigen Zeitpunkt. Nämlich genau, nachdem wir melden mussten, dass unser langjähriger Vorstandschef Christian Kullmann krankheitsbedingt vorübergehend ausfallen wird», sagte Finanzvorstand Michael Rauch in einem Video auf dem Netzwerkportal Linkedin. Eine Übersetzung des auf Englisch gehaltenen Statements wurde Journalisten von Evonik zur Verfügung gestellt.
Rauch betonte, dass Evonik «ein starkes Unternehmen, ein weltweit führender Anbieter in der Spezialchemie» sei. Dass man damit für andere Unternehmen interessant sei, sei gut nachvollziehbar. «Genauso klar möchte ich aber sagen: Evonik ist groß genug, Evonik ist stark und wir machen Evonik gerade noch stärker. Unser Portfolio wird nach den Maßnahmen, die wir derzeit umsetzen, noch mal viel attraktiver sein.»
Der Evonik-Finanzchef wünschte Kullmann in dem Statement gute Genesung und sagte: «Wir kämpfen hier weiter für Dich und die Stärke von Evonik, lieber Christian».
Evonik hatte vergangene Woche mitgeteilt, dass man auf der Basis der bis dahin vorliegenden Informationen nicht mit der BASF über eine Übernahme verhandele. «Der Vorstand bleibt auf die strategische Ausrichtung und Weiterentwicklung von Evonik als eigenständiges Unternehmen fokussiert», hieß es in einer Mitteilung. Das Unternehmen signalisierte gleichzeitig die «Bereitschaft zu einem rein informativen und vertraulichen Austausch mit der BASF» über die Positionen der beiden Unternehmen.
Evonik hatte zuvor Geschäftszahlen für das dritte Quartal vorgelegt. Demnach blickt der Chemiekonzern nach einem deutlichen Anstieg des operativen Gewinns im dritten Quartal noch etwas optimistischer auf das Gesamtjahr. Mittlerweile erscheine ein um Sondereffekte bereinigtes Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) in der oberen Hälfte der im Sommer auf 2,0 bis 2,2 Milliarden Euro angehobenen Spanne wahrscheinlich, teilte der MDax-Konzern mit.
02.11.2026
Bad Homburg (dpa) *10:35 Uhr – Fresenius baut Geschäft mit Nachahmer-Medikamenten aus
Der Gesundheitskonzern Fresenius baut mit einer Entwicklungsvereinbarung mit dem chinesischen Auftragsfertiger Wuxi Biologics seine Pipeline von Nachahmer-Medikamenten aus. Fresenius erhalte exklusiven Zugang zu bis zu 37 potenziellen Biosimilar-Kandidaten, teilte der Dax-Konzern in Bad Homburg mit. Das Fresenius-Portfolio könne von heute 29 vermarkteten und in der Pipeline befindlichen Molekülen auf bis zu 66 im kommenden Jahrzehnt erweitert werden. Dabei ziele man auf Originalpräparate, die für einen Umsatz von mehr als 370 Milliarden Euro stünden. Nach Angaben von Fresenius ist es die bislang größte Vereinbarung dieser Art in der Branche. Bei dem Konzern zählen Nachahmer-Präparate zu den Wachstumstreibern.
Für jeden von Fresenius zur Entwicklung ausgewählten Biosimilar-Kandidaten wird Wuxi Biologics auf Dienstleistungsbasis vergütet und nicht mit Zahlungen vorab, wie es weiter hieß. «Die Investitionen für Forschung und Entwicklung steigen nur mit dem Fortschritt der ausgewählten Programme.» Das werde die Profitabilität während der Entwicklungsphase belasten, bevor die Produkte dann zu Umsatz- und Ergebniswachstum beitrügen. Die Ziele für das Gesamtjahr 2026 sowie die im Dezember 2025 angekündigten Biopharma-Ziele für 2030 bestätigte Fresenius.
Biosimilars sind Nachahmer-Präparate biotechnologisch hergestellter Arzneimittel, deren Patente abgelaufen sind. Sie sollen die Versorgung verbessern und die Gesundheitskosten senken. Entsprechend umkämpft ist der Markt, in dem Geschwindigkeit bei der Zulassung entscheidend ist. Für zahlreiche biologische Arzneimittel läuft künftig der Patentschutz aus. Gesundheitssysteme weltweit stehen unter finanziellem Druck, was günstige Nachahmer-Arzneimittel besonders attraktiv macht.
Fresenius setzt auf Wachstum in der Biopharmazie und will mit dem Ausbau dieses Geschäfts die Abhängigkeit vom klassischen Dialyse- und Klinikgeschäft verringern. Die Vereinbarung ergänzt eigene Forschung, Kooperationen und Einlizenzierungen. Erst zuletzt hatte Fresenius verkündet, dass der Konzern seine Biopharma-Tochter mabxience komplett übernimmt und für die übrigen Anteile von 45 Prozent bis zu 750 Millionen Euro bezahlt.