Newsticker September: Aktuelles aus der Prozessindustrie Machbarkeitsstudie: CO2-Pipelines für Chemieindustrie nötig

Von Wolfgang Ernhofer 33 min Lesedauer

Im ständig aktuellen Newsticker fasst die PROCESS-Redaktion das Geschehen in der Branche kompakt zusammen. Ob Chemie-, Pharma-, oder Lebensmittelindustrie, alle verfahrenstechnischen Themen werden – ebenso wie politische und wirtschaftliche Nachrichten zur Prozessindustrie – zusammengefasst.

(Bild:  gemeinfrei /  Pixabay)
(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

30.09.2024

Hamburg (dpa) *13:28 Uhr – Serienfertigung von Elektrolyse-Technik in Hamburg gestartet

Der Wasserstoffspezialist Quest One hat in Hamburg ein Werk zur seriellen und automatisierten Produktion sogenannter Elektrolyse-Stacks offiziell eröffnet. Diese gelten als das technologische Herzstück eines Elektrolyseurs, mit dem grüner Wasserstoff hergestellt werden kann. «Bis jetzt waren alle Elektrolyseure Handarbeit», sagte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) bei der Einweihungsfeier im Stadtteil Rahlstedt. Mit der Serienfertigung könnten nun 75 Prozent der Produktionszeit eingespart werden. «Das ist beeindruckend.» Die Herstellung eines Stacks dauere nun weniger als eine Stunde.

«Mit unserem Gigahub eröffnen wir hier in Hamburg einen der weltweit modernsten Standorte für die Erforschung, Entwicklung und Fertigung von Elektrolyse-Technologie in Europa», sagte der Vorstandsvorsitzende von Quest One, Robin von Plettenberg. Unternehmensziel bis 2050 sei es, mit den eigenen Elektrolyseuren ein Prozent der globalen Treibhausgasemissionen zu vermeiden. Derzeit liegen diese den Angaben zufolge bei bis zu 60 Gigatonnen pro Jahr.

Der Bedarf an grünem Wasserstoff etwa für die Düngemittel- und Stahlproduktion oder die Luft- und Schifffahrt sei enorm und steige massiv, betonte von Plettenberg. Analysten sähen den Markt bis 2050 auf 500 bis 600 Millionen Tonen pro Jahr anwachsen. Das entspreche

1,4 Billionen Dollar.

Im neuen Werk werden sogenannte PEM-Elektrolyse-Stacks produziert (Protonenaustausch-Membran-Technologie, PEM). Die Technik gilt als eines der wichtigsten Verfahren für die industrielle Wasserstoffgewinnung aus erneuerbaren Energien. Stacks spalten dabei Wasser mithilfe von Strom aus erneuerbaren Quellen in Sauerstoff und Wasserstoff auf.

«Die hier produzierten PEM-Elektrolyse-Stacks sind das Kernelement der Erzeugung von grünem Wasserstoff in industriellem Maßstab», sagte Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD). Mit einer geplanten Gesamtelektrolysekapazität von mehr als fünf Gigawatt pro Jahr leiste Quest One einen wichtigen Beitrag zum Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft insgesamt.

Das Unternehmen Quest One, das bislang als H-Tec Systems firmierte, hat nach eigenen Angaben bislang rund 600 Beschäftigte an seinem Hauptsitz im bayerischen Augsburg, in Hamburg und im US-amerikanischen Houston. Es ist ein Tochterunternehmen von MAN Energy Solutions und gehört zum Volkswagen-Konzern.

Leuna (dpa) *13:03 Uhr – Machbarkeitsstudie: CO2-Pipelines für Industrie nötig

Chemie- und Industrieunternehmen im mitteldeutschen Chemiedreieck fordern den Aufbau von Pipelines, um klimaschädliches CO2 an die Küste zu transportieren. Laut einer Machbarkeitsstudie des Unternehmenskonsortiums um Totalenergies ist der Aufbau einer umfassenden CO2-Infrastruktur notwendig, um Emissionen signifikant zu reduzieren. Der Transport per Pipeline sei die effizienteste Option, um die großen Mengen Kohlendioxid aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen an die Küste zu bringen.

Neben der Beschleunigung beim Aufbau von erneuerbaren Energien sei auch die Abspaltung von Kohlendioxid eine zentrale Säule, um Klimaneutralität zu erreichen, sagte der Geschäftsführer der Totalenergies-Raffinerie Leuna, Thomas Behrens, bei der Vorstellung der Studie. Es brauche dringend Planungssicherheit für die Großindustrie.

Die Bundesregierung treibt derzeit Pläne voran, die Speicherung von CO2 in der Nordsee zu erlauben. Für industrielle Bereiche wie die Zementwirtschaft gebe es keine Alternative zu einer CO2-Speicherung, sagte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) vergangene Woche im Bundestag. Die Pläne sind umstritten, auch unter den Grünen.

Umweltverbände warnen davor, die unterirdische Speicherung des klimaschädlichen Kohlendioxids (CO2) in großem Stil in Deutschland zuzulassen. In einem offenen Brief der Verbände heißt es, mit dem neuen Gesetz würde ein breiter Einsatz der CO2-Speichertechnik «auch für vermeidbare Emissionen» der Industrie oder bei der Stromerzeugung ermöglicht. Damit verringerten sich die Anreize, auf fossile Energieträger wie Öl, Kohle und Gas zu verzichten.

Es sei ein wichtiges Thema für das Überleben der Industrie in einem Bundesland, in dem Chemieindustrie prägend sei, sagte Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Sven Schulze (CDU). Die Ziele zur Klimaneutralität seien ambitioniert. Nach Berechnungen der Studie wurden im Jahr 2019, vor der Corona-Pandemie, im mitteldeutschen Raum mehr als 6,1 Millionen Tonnen Kohlendioxid emittiert. Laut Umweltbundesamt lagen die CO2-Emissionen bundesweit im Jahr 2019 bei fast 810 Millionen CO2-Äquivalenten.

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Der Aufbau einer Pipeline-Infrastruktur sei allerdings teuer, so die Studie. Je nach Verlauf der Trassen wurden zwischen 1,1 und 1,6 Milliarden Euro für den Bau veranschlagt. Aufgrund der Kosten müsse auch über Kooperationen mit Nachbarländern nachgedacht werden. An dem Konsortium sind neben Totalenergies aus Leuna auch das Gas-Unternehmen VNG aus Leipzig, die DBI-Gruppe und verschiedene

Chemie- und Industrieunternehmen aus dem mitteldeutschen Raum beteiligt.

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