Newsticker September: Aktuelles aus der Prozessindustrie Endgültiges Aus: Investorensuche für Leuna Polyamid erfolglos

Von Wolfgang Ernhofer 5 min Lesedauer

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Im ständig aktuellen Newsticker fasst die PROCESS-Redaktion das Geschehen in der Branche kompakt zusammen. Ob Chemie-, Pharma-, oder Lebensmittelindustrie, alle verfahrenstechnischen Themen werden – ebenso wie politische und wirtschaftliche Nachrichten zur Prozessindustrie – zusammengefasst.

(Bild:  gemeinfrei /  Pixabay)
(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

08.09.2026

Brüssel/Frankfurt (dpa) *12:45 Uhr – EU genehmigt Millionen für Sanofi-Insulinfabrik in Hessen

Um die Versorgung mit Insulin zu stärken, darf Deutschland den Arzneimittelhersteller Sanofi mit 400 Millionen Euro unterstützen. Das Unternehmen mit Sitz in Frankfurt könne damit für seine Nettokosten entschädigt werden, teilte die EU-Kommission mit. Sie prüft staatliche Beihilfen wie diese, um Wettbewerbsverzerrung zu vermeiden.

Die Sanofi-Aventis Deutschland GmbH verpflichtet sich nach Angaben der Brüsseler Behörde im Gegenzug dazu, bis Ende 2032 eine neue Insulinfabrik an ihrem Standort im Frankfurter Stadtteil Höchst aufzubauen. Dort sollen demnach bis Ende 2042 jährlich mindestens 1,1 Tonnen Insulin hergestellt werden. Der Arzneimittelhersteller muss zudem eine Tonne pharmazeutischer Insulinwirkstoffe bevorraten und im Fall eines Engpasses bei der Insulinversorgung die europäischen Märkte bevorzugt versorgen.

Ohne die Gelder würde Sanofi laut Mitteilung der EU-Kommission seinen deutschen Standort schließen. Es sei die einzige Produktionsstätte für Humaninsulin im Europäischen Wirtschaftsraum und eine von nur zwei Insulin-Produktionsstätten im Gebiet. «Da einige Produkte wie menschliches Insulin nicht mehr im EWR hergestellt würden, wäre Europa von Einfuhren aus Drittländern abhängig», so die Behörde.

Humaninsulin wird zur Behandlung von Diabetes mellitus verwendet. Die Stoffwechselstörung führt zu einem erhöhten Blutzuckerspiegel. Insulin sorgt dafür, dass Glukose aus dem Blut in die Körperzellen aufgenommen werden kann.

Der französische Pharmakonzern Sanofi hatte 2024 angekündigt, bis 2029 rund 1,3 Milliarden Euro in den Bau einer modernen Insulinproduktionsanlage an seinem Standort in Frankfurt zu investieren. Mehrere hundert Fachkräfte sollen dort künftig arbeiten.

Die Investition von Sanofi wird demnach durch die Unterstützung der Bundesregierung, der hessischen Landesregierung sowie der Stadt Frankfurt ermöglicht. Das grüne Licht aus Brüssel war die letzte Hürde. Am Standort in Frankfurt arbeiteten nach Unternehmensangaben zuletzt etwa 6.500 Menschen.

07.09.2026

Leuna (dpa/sa) *17:11 Uhr – Investorensuche für Leuna Polyamid erfolglos

Die Suche nach einem neuen Investor für die insolvente Leuna Polyamid GmbH ist vorerst gescheitert. «Wir haben bisher leider kein verbindliches Angebot eines Investors erhalten», sagte Geschäftsführer Martin Naundorf der «Mitteldeutschen Zeitung».

Damit droht der Produktionsanlage das endgültige Aus.

Innerhalb der gesetzten Frist bis Ende August seien keine konkreten Angebote eingegangen, teilte das Unternehmen mit. Die letzten beiden «im Prozess befindlichen Interessenten» hätten schließlich abgesagt, hieß es. Als Gründe wurden unter anderem weiter steigende Preise bei der Beschaffung von Rohstoffen sowie schwache Nachfrage genannt.

Leuna Polyamid hatte das Werk als Auffanggesellschaft erst im April vom insolventen Betreiber Domo Caproleuna übernommen. Bis Ende September werde zunächst noch produziert, um laufende Aufträge abzuarbeiten. «Danach wollen wir die Anlagen in Eigenregie herunterfahren», so der Geschäftsführer. Das werde 15 bis 20 Tage dauern. Für Anfang Oktober wird zudem die Eröffnung des Insolvenzverfahrens erwartet. «Wir werden gemeinsam mit der Arbeitsagentur und vielen Unternehmen am Standort nach Perspektiven für die Beschäftigten suchen», so das Unternehmen laut Mitteilung.

In dem Chemiewerk, das Kunststoffe und Dünger produziert, arbeiten nach Betreiberangaben rund 400 Beschäftigte. Die Auffanggesellschaft Leuna Polyamid GmbH wird je zur Hälfte von Infra Leuna und Leuna-Harze gehalten. Sie hatte rund zweieinhalb Monate nach dem Neustart ebenfalls einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. Als Grund nannte die Geschäftsführung drastisch gestiegene Rohstoffpreise – «insbesondere in der Golfregion» um mehr als 40 bis zu 100 Prozent – sowie Vorkasseforderungen von Lieferanten, die den Liquiditätsbedarf «sehr deutlich» überstiegen.

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Der ursprüngliche Betreiber der Anlage, das belgische Chemieunternehmen Domo Chemicals, hatte für seine deutschen Tochterfirmen – darunter die Domo Caproleuna GmbH in Leuna – Ende 2025 Insolvenz angemeldet. Das Land Sachsen-Anhalt finanzierte einen Notbetrieb der Anlage zu Kosten von rund 79,5 Millionen Euro, von denen nach Einschätzung von Energieminister Armin Willingmann (SPD) höchstens ein Bruchteil zurückgezahlt werde. Die Staatsanwaltschaft Halle ermittelt seit Mai 2026 gegen drei frühere Geschäftsführer der Domo Caproleuna wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung.

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