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Trendbericht Prozessautomatisierung

Die Geister, die ich rief – Entwicklungen der letzten 20 Jahre

| Autor/ Redakteur: Dipl.-Ing. Sabine Mühlenkamp / Dr. Jörg Kempf

Es hat etwas von der Ballade des berühmten Zauberlehrlings, der des Besens nicht mehr Herr wird. Die Einführung der offenen Betriebssysteme in der Prozessautomatisierung vor rund 20 Jahren zeigt, dass vermeintliche Erleichterungen auch unerwünschte Nebeneffekte haben können. Der Weg zurück ist jedoch keine Option.

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Der Einzug der Windows-Welt in die Prozessleitsysteme wird als größte Veränderung der vergangenen Jahre wahrgenommen. Weitere „Geister“, die gerufen wurden, sind Themen wie Modularisierung, Feldbus oder Wireless.
Der Einzug der Windows-Welt in die Prozessleitsysteme wird als größte Veränderung der vergangenen Jahre wahrgenommen. Weitere „Geister“, die gerufen wurden, sind Themen wie Modularisierung, Feldbus oder Wireless.
(Bild: © Jakub Krechowicz - Fotolia.com, Siemens; [M]-Sahlmüller)

Die Welt der Prozessautomatisierung hat sich in den vergangenen zwanzig Jahren gewaltig gedreht. Obwohl viele die langen Lebenszyklen der Chemieanlagen betonen – es wird kaum eine Anlage geben, die von dem Einzug der Digitaltechnik, Microsoft oder des Internets etc. unbeeinflusst geblieben ist.

Ganz sicher war die Welt der Prozessautomatisierung eine andere, vor allem war sie viel kleiner: So wurde in einer der allerersten PROCESS-Ausgaben der Weltmarktmarkt für Prozessleitsysteme auf rund 6,7 Milliarden Deutsche Mark geschätzt. Zum Vergleich: Derzeit beträgt der Weltmarkt für Prozessautomatisierung und Messtechnik laut den diesjährigen Zahlen des ZVEI 145 Milliarden Euro!

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Doch nicht nur in Bezug auf die Zahlen hat sich der Markt verändert, auch bei der Technologie hat sich einiges getan. „Vor 20 Jahren wurde noch darüber diskutiert, ob sich der Einsatz eines Prozessleitsystems lohnt oder nicht – heute ist das keine Frage mehr“, erinnert sich Dr. Thomas Tauchnitz von Sanofi Aventis, der zwar durchaus die vielen positiven Seiten sieht, aber auch nachdenklich wird. „Die Systeme sind offen, modern und mächtig geworden, aber leider auch zu komplex und kurzlebig.“

Für Tauchnitz ist die Verwendung der kommerziellen IT (Netzwerke, Betriebssysteme, Anwendungsprogramme) in der Automatisierungstechnik der wichtigste technologische Treiber der vergangenen beiden Jahrzehnte: „Hier konnte die Automatisierungstechnik als Trittbrettfahrer profitieren – mit günstigen Hardwarepreisen und ständig wachsenden Möglichkeiten.“

Jederzeit up to date – Siegeszug der mobilen Geräte

Unbestritten: durch die kommerzielle IT ergeben sich neue Perspektiven und Chancen. Ein Beispiel ist das Thema Bedienen und Visualisieren. Früher war die Leitwarte der zentrale Informationsort für die Prozessanlage und außerhalb waren nur noch Offline-Informationen vorhanden. Mit mobilen Geräten ist es nun möglich, jederzeit und überall Daten über die Anlage zu bekommen. Die Fehlersuche, auch an einem Standort auf der anderen Seite der Erdkugel, kann dadurch vereinfacht werden.

Generell erhält der Anwender inzwischen auch detailliertere Daten aus dem Prozess und kann diese nutzen, um den Prozess besser zu steuern und zu optimieren. Gerade in Hinsicht auf eine bessere Produktqualität oder um gezielt Energie einzusparen, eröffnen sich neue Perspektiven.

Modularisierung, Normung, Microsoft-Betriebssysteme und Feldbus-Technologie: Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie dadurch die Prozessautomatisierung verändert wurde und wird.

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