Suchen

Industrie 4.0 | Advertorial Chance oder Gefahr? Was bedeutet die Digitalisierung für Komponentenhersteller?

| Autor / Redakteur: Dr. Thomas Paulus / Anke Geipel-Kern

Ist es für die Wertschöpfung notwendig, Produkte herzustellen?Diese Frage wird heute unter dem Begriff Industrie 4.0 und der Digitalisierung in vielfacher Weise diskutiert, auch und insbesondere von Komponentenherstellern, welchen im Wettbewerb zunehmend Differenzierungsmerkmale fehlen. Die Digitalisierung erscheint dort teilweise als Rettungsanker und führt dazu, dass man sich angesichts einer virtuellen Gefahr mit datengetriebenen Geschäftsmodellen und Wertschöpfungsketten auseinandersetzt.

Firmen zum Thema

Mit der Mobile-App „KSB Sonolyzer“ können Anwender in 20 Sekunden die Effizienz von ungeregelten Pumpen mit Asynchronmotoren analysieren.
Mit der Mobile-App „KSB Sonolyzer“ können Anwender in 20 Sekunden die Effizienz von ungeregelten Pumpen mit Asynchronmotoren analysieren.
(Bild: KSB )

Häufig werden Beispiele aus der Konsumgüterindustrie zitiert, um auf etwaige disruptive und marktverändernde Vorgänge hinzuweisen. Zweifelsfrei ist, dass der Einzug des Internets der Dinge und Dienste in der Industrie Veränderungen von im jeweiligen Markt etablierten Wertschöpfungsketten herbeiführen wird. Nicht zuletzt, weil sich Verkaufskanäle in bestimmten Branchen über Jahre starr etabliert haben und, gespiegelt an den Kundenanforderungen, nicht mehr zeitgemäß sind.

Wenn man die Digitalisierung nicht als Chance begreifen möchte, sondern als Gefahr, so besteht diese darin, dass Komponentenhersteller aufgrund der etablierten Marktzugänge den Kontakt zum Kunden und damit den wirklichen Kundenerwartungen verlieren. Kundenerwartungen lassen sich in die Klassen technische und darauf aufbauende datengetriebene Services oder Dienstleistungen sowie die Art der Vermittlung differenzieren. Insbesondere die letzten beiden Erwartungen ersetzen zunehmend die Produkt- und Prozessinnovationen der Vergangenheit.

Bildergalerie

Legt man dieses einfache Gedankenmodell zugrunde, so lassen sich die Schlüsselfaktoren identifizieren, um die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit in einer vernetzten Welt zu sichern:

  • Kenntnis der Kundenprozesse (z.B. Planung, Einkauf, Inbetriebnahme, Betrieb und Wartung, Außerbetriebnahme) und des Kundenverhaltens im Prozess, in den das Produkt unmittelbar und mittelbar eingebunden ist – vom Produkt zum medienbruchsfreien Service in allen Lebensphasen.
  • Aktivierung der Kunden durch zielgerichtetes und strukturiertes Vorgehen – von der verkaufsunterstützenden Kommunikation zum Marketing.
  • Durchgängige und medienbruchsfreie Vermittlungswege zwischen Produkt, Services und Kunde – vom Verkaufskanal zur Plattform.
  • Geschwindigkeit der Umsetzung von neuen IoT (Internet of Things) basierten bzw. unterstützten Services – von Prozessorientierung zu Agilität.

Der Geschäftsmodellbegriff und die zugehörige Wertschöpfungskette beinhalten diese Schlüsselfaktoren, entspringen jedoch sehr stark einer theoretischen Betrachtung und sind für Hersteller von Produkten, auch wenn gute Ideen und Ansätze zugrunde liegen, nur schwer umsetzbar.

Die Gründe hierfür sind vielschichtig. Insbesondere produktorientierte Unternehmen haben über viele Jahre ihr Know-how, ihre Prozesse und ihre Organisation auf die Technik der Produkte ausgerichtet – in fester Überzeugung, dass deren Produktmerkmale überzeugende Kundenargumente sind. Über diese Vorgehensweise ist der Bezug zu den Kundenerwartungen über die Zeit sukzessive verloren gegangen. In diese Lücke stoßen nun neue, IoT-basierte Ansätze, bei denen die Anbieter nicht zwangsläufig die Eigentümer der notwendigen Infrastruktur sind.

Man muss kein Eigner von Hotelzimmern sein, um Zimmer zu vermieten, oder ein Taxi besitzen, um Fahrdienste zu vermitteln. Es werden den Nutzern und Kunden einfache und schnelle Services zur Verfügung gestellt, welche das tägliche Leben in allen Bereichen unterstützen und vereinfachen, zudem wird Transparenz anbieterübergreifend einfach hergestellt.

Nun stehen Komponentenhersteller, welche bislang die Infrastruktur hergestellt haben, zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit, insbesondere in hochentwickelten Märkten mit hoher Vergleichbarkeit, vor der Herausforderung, die Lücke zwischen Infrastruktur und kundenorientierten Services zu schließen. Was hierbei vielfach unterschätzt wird, ist, dass die Infrastruktur auch zukünftig als Basis für datengetriebene Kunden-Services erforderlich sein wird. Man kann kein Zimmer vermieten, das gegenständlich auch vorhanden ist. Vorausschauende Instandhaltung für Maschinen kann man nur anbieten, wenn diese auch existieren.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 44246470)