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Biokunststoffmarkt Biokunststoffe: Zartes Pflänzchen kann auf politischen Dünger hoffen

Autor: M.A. Manja Wühr

Wer Kreislaufwirtschaft will, muss Biokunststoffe lieben. Müsste man meinen. Ein Blick auf die Marktzahlen wirkt jedoch ernüchternd. Eines ist klar: Ohne Unterstützung aus Brüssel, wird der Keimling den Sprung ins Außenbeet nicht schaffen. Wo es momentan klemmt.

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Der Biokunststoffmarkt ist im Vergleich zu konventionellen Kunststoffen noch ein recht kleines Pflänzchen. Grob gesagt kommen auf eine Tonne Biokunststoff 100 Tonnen herkömmlicher Kunststoff.
Der Biokunststoffmarkt ist im Vergleich zu konventionellen Kunststoffen noch ein recht kleines Pflänzchen. Grob gesagt kommen auf eine Tonne Biokunststoff 100 Tonnen herkömmlicher Kunststoff.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Das Wandern ist der Deutschen Lust. Und dank Hightech-Funktionskleidung aus Polyamid bleibt das Naturerlebnis ungetrübt. Allein der Fachmann weiß es besser: Kunststofffasern für Trekkingkleidung und Kunststoffprodukte aller Art stammen meist aus Erdölquellen. Doch für eine nachhaltige Wirtschaft müssen nachwachsende Ressourcen die benötigten Kohlenwasserstoffe liefern und nicht das Bohrloch. Zeit neue Pfade zu beschreiten, befindet der Outdoor-Spezialist Vaude. Für eine neue Trekking-Hose setzt das Unternehmen auf eine biobasierte Kunststofffaser aus dem Öl der Rizinuspflanze. Erfunden haben's ausnahmsweise nicht die Schweizer, sondern der Essener Chemiekonzern Evonik, der aus dem Öl der Samen Kunststoff-Granulat gewinnt. „Wir wollen weg vom Erdöl“, sagt Benedikt Tröster von Vaude. „Hin zu nachwachsenden oder recycelten Rohstoffen.“ Im Winter 2021 soll die Hälfte der Neukollektion aus solchen Materialien bestehen. Aktuell ist es ein Drittel. Ein ehrbares Ziel. Bleibt nur die Frage, ob der Markt für Biokunststoffe das auch leisten kann? Momentan sieht es nicht danach aus.

Laut einer Erhebung des Instituts für Biokunststoffe und Bioverbundwerkstoffe (IfBB) wurden 2019 weltweit etwas mehr als 2 Millionen Tonnen Biokunststoffe produziert. Bis 2024 rechnet das IfBB mit einem Anstieg auf 3,1 Millionen Tonnen. „Verglichen mit den konventionellen Kunststoffen ist der Biokunststoffmarkt trotzdem noch ein ganz kleiner“, erklärt Dr. Lisa Mundzeck, Verantwortliche für Öffentlichkeitsarbeit beim IfBB. Schließlich belief sich die Kunststoffproduktion 2019 weltweit auf rund 370 Millionen Tonnen. Gemessen an der Produktion sind PLA, Bio PET 30 und abbaubares Polyester die bedeutendsten Biokunststoffe.

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M.A. Manja Wühr

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Redakteurin