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Markt- und Trendreport

Bio-basierte Polymere: Ausgebremstes Potenzial?

| Redakteur: Alexander Stark

Die Produktion von bio-basierten Polymeren hat sich in den letzten Jahren deutlich professionalisiert und differenziert. Mittlerweile gibt es für praktisch jede Anwendung eine bio-basierte Alternative. Im Jahr 2018 erreichte die Gesamtproduktionsmenge 7,5 Millionen Tonnen – dies sind bereits 2 % der Produktionsmenge petrochemischer Polymere. Das Potenzial sei viel höher, werde aber derzeit durch niedrige Ölpreise und mangelnde politische Unterstützung ausgebremst, so eine Studie des Nova-Instituts.

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Die Kapazitäten und die Produktion bio-basierter Polymere werden mit einer erwarteten kumulierten jährlichen Wachstumsrate (Cagr) von etwa 4 % bis 2023 weiter wachsen.
Die Kapazitäten und die Produktion bio-basierter Polymere werden mit einer erwarteten kumulierten jährlichen Wachstumsrate (Cagr) von etwa 4 % bis 2023 weiter wachsen.
(Bild: Nova-Institut / CC0)

Hürth – Der vom deutschen Nova-Institut veröffentlichte Markt- und Trendreport „Bio-based Building Blocks and Polymers – Global Capacities, Production and Trends 2018-2023“ zeigt Kapazitäten für alle bio-basierten Polymere sowie erstmals auch Produktionsdaten.

Die Kapazitäten und die Produktion bio-basierter Polymere werden mit einer erwarteten kumulierten jährlichen Wachstumsrate (Cagr) von etwa 4 % bis 2023 weiter wachsen, fast so schnell wie petrochemische Polymere und Kunststoffe. Daher bleibt der Marktanteil von bio-basierten Polymeren am gesamten Polymer- und Kunststoffmarkt konstant bei etwa 2 % (Grafik 1).

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Die Erhöhung der Produktionskapazität beruht im Wesentlichen auf dem Ausbau der Produktion von Polymilchsäure (PLA) in Thailand und dem Ausbau des Polytrimethylenterephthalats (PTT) und von Stärkeblends in den USA. Insbesondere PLA- und Stärkegemische werden bis 2023 weiter deutlich wachsen. Auch neue Kapazitäten von bio-basierten Polyamiden, Polyethylen (PE) und erstmals auch Polypropylen (PP) und Polybutylenadipat-terephthalat (PBAT) werden in diesem Zeitraum in Europa hinzukommen. Der Hoffnungsträger Polyethylenfuranoat (PEF) wird voraussichtlich erst nach 2023 kommerzielle Kapazitäten erreichen können. Insgesamt bleibe das Marktumfeld mit niedrigen Rohölpreisen und geringer politischer Unterstützung eine Herausforderung, so die Studie.

Studie bemängelt politische Unterstützung

Biobasierte Polymere bieten zwei große Vorteile: Zum einen ersetzen biobasierte Polymere den fossilen Kohlenstoff im Produktionsprozess durch erneuerbaren Kohlenstoff aus Biomasse. Dies sei für eine nachhaltige, klimafreundliche Kunststoffindustrie unerlässlich und werde noch nicht politisch honoriert, so die Studienverantwortlichen.

Zum anderen sind etwa ein Viertel der biobasierten Polymerproduktion biologisch abbaubar (je nach Umgebung) und können daher eine Lösung für Kunststoffe sein, die nicht gesammelt werden können und in die Umwelt gelangen. Hier können sie biologisch abgebaut werden, ohne Mikrokunststoffe zurückzulassen. Nur wenige Länder wie Italien, Frankreich und in Zukunft wahrscheinlich Spanien werden diesen zusätzlichen Entsorgungsweg politisch unterstützen.

Die wichtigsten Markttreiber im Jahr 2018 waren Marken, die ihren Kunden umweltfreundliche Lösungen anbieten wollten, und kritische Verbraucher, die nach Alternativen zu Petrochemikalien suchen. Würden biobasierte Polymere als Lösung akzeptiert und ähnlich wie Biokraftstoffe gefördert werden, wären dem Nova-Institut zufolge jährliche Wachstumsraten von 10 bis 20 % zu erwarten. Gleiches gelte, sobald der Ölpreis deutlich anstiegen. Basierend auf der bereits vorhandenen technischen Reife von biobasierten Polymeren könnten dann erhebliche Marktanteile gewonnen werden.

Der Markt- und Trendbericht „Bio-based Building Blocks and Polymers – Global Capacities, Production and Trends“wird von der internationalen Biopolymer-Expertengruppe unter der Leitung des Nova-Instituts erstellt. Die Autoren kommen aus Asien, Nordamerika und Europa.

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