Milliarden-Vergleich Bayer erzielt Einigungen in Glyphosat-Streit

Redakteur: MA Alexander Stark

Zur Beilegung der aktuellen Glyphosat-Verfahren sowie für mögliche künftige Fälle wird Bayer insgesamt 9,1 bis 9,8 Milliarden Euro zahlen. Außerdem legte das Unternehmen gegen Zahlung von mehreren hundert Millionen Euro auch Rechtsstreitigkeiten um Verwehungen von Dicamba bei sowie den wesentlichen Teil der Verfahren zu PCB in Gewässern.

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Zur Beilegung des Glyphosat-Streits in den USA wird Bayer mehrere Milliarden Euro zahlen.
Zur Beilegung des Glyphosat-Streits in den USA wird Bayer mehrere Milliarden Euro zahlen.
(Bild: Bayer)

Leverkusen – Die Probleme durch die Übernahme von Monsanto scheinen für Bayer kurz vor der Lösung zu stehen. Der Konzern hat eine Reihe von Vereinbarungen getroffen, die maßgebliche Rechtsstreitigkeiten von Monsanto in den USA im Wesentlichen beilegen sollen – darunter die Produkthaftungsverfahren in Sachen Roundup (Wirkstoff: Glyphosat) und die Verfahren zu Verwehungen von Dicamba sowie zu PCB in Gewässern. Dies teilte das Unternehmen am Mittwoch den 25. Juni 2020 mit.

Im Mittelpunkt steht die Lösung im Verfahrenskomplex zu Roundup, die etwa 75 % der aktuellen Roundup-Verfahren zum Abschluss bringen soll – mit insgesamt etwa 125.000 eingereichten und nicht eingereichten Klagen. Die beigelegten Ansprüche umfassen sämtliche Klägeranwaltskanzleien, welche die Roundup-Multi-District-Litigation auf Bundesebene oder die Bellwether-Fälle in Kalifornien führend betreiben, und diejenigen, die etwa 95 % der Fälle repräsentieren, für die derzeit eine Verhandlung angesetzt ist. Außerdem begründen sie wichtige Werte und Parameter als Leitlinien für die Beilegung der übrigen Klagen, für welche die Verhandlungen voranschreiten. Durch die Einigung wird auch ein Mechanismus zur effizienten Beilegung möglicher künftiger Klagen eingerichtet.

Das Unternehmen wird 9,1 bis 9,8 Milliarden Euro zahlen, um die aktuellen Roundup-Fälle beizulegen. Darin enthalten ist eine Pauschale, mit der Ansprüche abgedeckt werden sollen, die noch nicht beigelegt sind. Hinzu kommen umgerechnet 1,21 Milliarden Euro, um eine separate Vereinbarung für potenzielle künftige Klagen zu ermöglichen. Die Vereinbarung mit der Gruppe möglicher künftiger Kläger bedarf noch der Zustimmung von Richter Vince Chhabria des U.S. District Court for the Northern District of California. Die Vereinbarungen wurden von Vorstand und Aufsichtsrat des Chemiekonzerns unter Mitwirkung des dafür eingerichteten Ausschusses zum Glyphosat-Rechtskomplex einstimmig genehmigt. Sie enthalten jedoch keinerlei Eingeständnis einer Schuld oder eines Fehlverhaltens.

Es wird erwartet, dass die Zahlungen im Rahmen der Vergleiche im Jahr 2020 beginnen werden. Bayer geht zurzeit davon aus, dass der mögliche Mittelabfluss ca. 4,4 Milliarden Euro im laufenden Jahr und 4,4 Milliarden Euro im Jahr 2021 nicht übersteigen wird – der Restbetrag würde im Jahr 2022 oder danach gezahlt werden. Zur Finanzierung dieser Zahlungen will der Konzern auf die bestehende Liquidität, den künftigen Free Cash Flow, auf die Einnahmen aus der Veräußerung des Animal-Health-Geschäfts und zusätzliche Anleiheemissionen zurückgreifen.

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